Na dann, Prost!

Die zwei grössten Bier-Giganten gehen zusammen. Was passiert, wenn Budweiser, Miller, Corona und Stella Artois plötzlich vom gleichen Konzern stammen? 7 Fragen, 7 Antworten.

Weltweite Bierproduktion: Anzahl hergestellte Bierflaschen auf 100 Flaschen nach Hersteller. Nach der Übernahme stammt jedes dritte Bier vom Weltmarktführer AB Inbev. Quelle: Statista


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Der grösste Bierbrauer der Welt, der belgische Konzern mit dem sperrigen Namen AB Inbev, übernimmt den zweitgrössten Bierbrauer der Welt, die britische SAB Miller für 68 Milliarden Pfund. Das sind ziemlich genau 100 Milliarden Franken. Seit dem 22. September hat AB Inbev, der Hersteller von Biermarken wie Budweiser oder Stella Artois, sein Angebot schrittweise von 38 auf zuletzt 44 Pfund pro SAB-Miller-Aktie erhöht – und ist damit heute Morgen endlich durchgedrungen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um die Megafusion.

Was macht den Deal speziell?
Es sind die beiden klaren Marktführer, die sich zusammenschliessen würden. Stand heute würde dadurch jedes dritte Bier, das irgendwo auf der Welt verkauft wird, vom neuen Konzern stammen. AB Inbev hat einen Marktanteil von 20,8 Prozent, bei SAB Miller sind es 9,7 Prozent. Der nächst grössere Konzern ist Heineken mit 9,1 Prozent am Weltmarkt. Trotzdem gibt es zumindest auf den ersten Blick kaum Probleme mit dem Wettbewerbsrecht. Die Aktivitäten der beiden Bierbrauer ergänzen sich mehr, als dass sie sich überschneiden. Nur in China und den USA könnte es laut Experten der Investmentbank Barclays Probleme geben. SAB Miller hält 58 Prozent am US-Bierbrauer Miller-Coors – eine Beteiligung, die der fusionierte Konzern wohl abgeben müsste. In China ist SAB Miller zudem zu 49 Prozent an einem Joint Venture mit dem weltweit viertgrössten Bierbrauer beteiligt – China Resources Enterprise. Die Barclays-Experten gehen davon aus, dass diese Verträge bei einem Zusammenschluss zumindest neu verhandelt werden müssten. Für den Fall, dass die Wettbewerbsbehörden den Deal trotz allem verbieten sollten, hat sich SAB Miller abgesichert: AB Inbev müsste dem Konkurrenten 3 Milliarden Dollar Aufwandsentschädigung zahlen.

Was haben Pepsi und Cola mit der Fusion zu tun?
SAB Miller füllt Limonade für Coca-Cola ab, vor allem in Afrika, und ist damit der drittgrösste Partner des Softdrinkkonzerns. AB Inbev ist seinerseits einer von Pepsis grössten Abfüllern. Es scheint unwahrscheinlich, dass der fusionierte Konzern künftig mit den beiden Erzrivalen Geschäfte machen kann.

Wieso haben gleich beide Bierkonzerne so eigenartige Namen?
Die geplante Megafusion ist nicht der erste Zusammenschluss. Der Biermarkt hat sich in den letzten 20 Jahren stark konsolidiert. Das hat auch damit zu tun, dass der Bierkonsum in vielen Ländern nicht mehr wächst. Auch in der Schweiz sind viele lokale Brauereien von Biergiganten aufgekauft worden – etwa von Ittinger über Löwenbräu zu Calanda. Diese Konsolidierungswelle hat sich nicht zuletzt auf die Namen ausgewirkt. Der Name des Marktführers AB Inbev etwa ist das Resultat aus dem Zusammenschluss von Anheuser-Busch, Ambev und Interbrew. Nach der Jahrtausendwende kaufte Interbrew erst Bass und Beck auf, ging dann mit Inbev zusammen, bis 2008 die feindliche Übernahme von Anheuser-Busch für 51 Milliarden Dollar folgte. 2012 kamen CND und der mexikanische Gigant Grupo Modelo (Corona) hinzu. SAB kaufte Miller bereits 2002 – damals von Philip Morris. Es folgen Übernahmen von Bavaria, Grolsch und Foster’s.

Kommt der Zusammenschluss überraschend?
Die grossen Bierkonzerne wachsen schon seit Jahren fast nur noch durch Zusammenschlüsse. Dass sich AB Inbev darum irgendwann SAB Miller schnappen könnte, darüber wurde schon seit Jahren spekuliert. SAB Miller wollte das zuletzt noch abwenden – indem der Konzern selbst eine Übernahme stemmt. Mitte September wagte sich der Bierbrauer an die Nummer 3 – und schlug Heineken einen Zusammenschluss vor. Heineken blockte aber ab, worauf AB Inbev bei SAB Miller vorstellig wurde.

Was interessiert AB Inbev an SAB Miller?
Neben dem höheren Umsatz, den der Zusammenschluss automatisch mit sich bringt, sowie den Synergien, die sich die beiden Konzerne durch den gemeinsamen Vertriebs- und Verwaltungsapparat erhoffen, ist vor allem die geografische Aufstellung von SAB Miller interessant für den Weltmarktführer. Selber ist AB Inbev nämlich vor allem in Nord- und Lateinamerika stark, wo der Marktanteil jeweils bei rund 45 Prozent liegt. Zwar wächst der Markt auch in Lateinamerika, die grösste Dynamik spielt sich allerdings in Asien ab, wo mittlerweile mehr als doppelt so viel Bier getrunken wird. Mit rund 70 Milliarden Litern Bier ist die Region Asien-Pazifik damit der mit Abstand grösste Markt. Und ausgerechnet dort ist AB Inbev bislang kaum präsent – ganz im Gegensatz zu SAB Miller. Die Nummer zwei hat insbesondere in Indien und China die stärkere Position. Hinzu kommt eine starke Verankerung in Afrika – einem Zukunftsmarkt für Bier.

Wieso spürt man als Biertrinker vom Einheitsbrei dennoch wenig?
Auch wenn künftig jedes dritte Bier vom gleichen Konzern stammen könnte, sagt das nichts über die Zahl der Marken aus, die das fusionierte Unternehmen im Portfolio führen würde. Und dort ist das Angebot trotz Konsolidierung gross geblieben. Gemeinsam bewirtschaften die beiden Unternehmen 210 verschiedene Biermarken. Allein in Australien sind es bei SAB Miller allein heute 25. In Deutschland bietet AB Inbev immerhin neun verschiedene Marken an. In China haben sie gemeinsam 17 Biere im Angebot. Hinzu kommt das wachsende Angebot an Bieren aus Mikrobrauereien, die zwar für Abwechslung sorgen aber mit ihren relativ kleinen Absatzmengen die Grossen (noch) nicht ernsthaft in Bedrängnis bringen. Diesen Trend sieht man indes nicht nur in der Schweiz. Gerade in den USA hat die steigende Popularität der Mikrobrauereien in den letzten Monaten für Schlagzeilen gesorgt.

Was würde der Zusammenschluss für hiesige Bierfans bedeuten?
In Westeuropa haben sowohl AB Inbev als auch SAB Miller eine eher schwache Position. Gemeinsam würde ihr Marktanteil 13 Prozent ausmachen, davon stammen 10 Prozent von AB Inbev. Wichtiger sind hierzulande die Nummern drei und vier auf dem Weltmarkt: Heineken und Carlsberg. Carlsberg ist in der Schweiz sogar Marktführer mit einem Anteil von rund 45 Prozent. Das verdankt der Konzern der Übernahme von Feldschlösschen und damit Marken wie Anker, Cardinal, Gurten, Hürlimann, Löwenbräu oder Warteck. Zu Heineken mit rund 20 Prozent Marktanteil gehören etwa Calanda, Haldengut, Eichhof oder Ittinger Klosterbräu. Bekannte unabhängige Schweizer Brauereien sind etwa die Brauerei Locher mit dem Appenzeller Bier, das St. Galler Schützengarten oder das Winterthurer Chopfab. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 13.10.2015, 15:29 Uhr)

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