Wirtschaft
Negativzinsen auch für Kleinsparer?
Von Anita Merkt. Aktualisiert am 10.01.2013 130 Kommentare
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Wer liest schon ein 40-seitiges Büchlein zu den Veränderungen der allgemeinen Geschäftsbedingungen? ZKB-Kunden, die zumindest einen Blick auf die erste Seite der «überarbeiteten Vertragsbestimmungen» der Zürcher Kantonalbank werfen, finden dort unter dem Begriff «Zinsabschluss» zwei bemerkenswerte Sätze. «Bei speziellen Marktbedingungen könnte sich die ZKB gezwungen sehen, Negativzinsen einzuführen.» Und: «Dem Kunden stünden in diesem Fall selbstverständlich unlimitierte Rückzüge frei.» Mit dem Verweis auf andere Bestimmungen wird es dann schon komplizierter.
Eine Anfrage vonTagesanzeiger.ch/Newsnet bei der ZKB, wie denn die «speziellen Marktverhältnisse» aussehen könnten und ob die unlimitierten Rückzüge ohne unerwünschte Nebenwirkungen vor sich gehen würden, konnte die ZKB auf die Schnelle nicht beantworten.
Professor Manuel Ammann vom St. Galler Institut für Banken und Finanzen geht davon aus, dass es sich bei den Vertragsbestimmungen um eine Vorsichtsmassnahme der ZKB handelt. «Die Banken wollen sich mit solchen Bestimmungen wahrscheinlich gegen Verluste wappnen, falls die Geldmarktzinsen noch tiefer in den Negativbereich rutschen.» Denn schon jetzt seien die kurzfristigen Zinsen auf dem Geldmarkt leicht negativ.
Überlegungen anderer Banken
Ob andere Banken ebenfalls über Negativzinsen für ihre Kleinanleger nachdenken, konnte bis Mittag lediglich die Credit Suisse (CSGN 29.25 1.74%) beantworten. Bei der zweitgrössten Schweizer Bank wäre die Einführung von Negativzinsen auch möglich, ohne dass man das in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen explizit ankündigt. «Die Aussage, dass die Zinsen jederzeit aufgrund von geänderten Geldmarktverhältnissen angepasst werden können, schliesst rein theoretisch eine Anpassung in den Negativbereich ein», erklärt CS-Sprecher Thomas Baer. Dass das passiert sei aber extrem unwahrscheinlich.
Im Dezember letzten Jahres hatte die CS angekündigt, grossen institutionellen Kunden aus der Finanzbranche unter Umständen negative Zinsen aufzuerlegen. «Das sind vor allem andere Banken, die Gelder kurzfristig bei uns parken». Ob einzelne Banken tatsächlich Negativzinsen bezahlen müssen, gibt die Credit Suisse nicht offiziell bekannt. «Allein schon die Ankündigung, dass es zur Anwendung von Negativzinsen kommen könnte, hat zu einer gewissen Reduktion von Einlagen der Banken geführt», so Baer. «Grund für diese Ankündigung seien regulatorische Anforderungen bezüglich der Bilanzgrösse.»
Technisch für Negativzinsen gerüstet
Bereits im Mai 2012 wurde bekannt, dass Schweizer Banken Vorbereitungen für die Einführung von Negativzinsen treffen. Die Basler Kantonalbank und die UBS (UBSN 17.82 1.65%) richteten ihre IT-Systeme so ein, dass sie, statt Zinsen zu zahlen, vom Geldbetrag des Kunden etwas abziehen. Die Neue Aargauer Bank, eine Tochtergesellschaft der Credit Suisse, gab an, das Szenario bereits mit dem Mutterhaus durchgespielt zu haben.
Generell diskutieren Banken mit der Schweizerischen Nationalbank seit der Verschärfung der Eurokrise und dem drohenden Kollaps europäischer Banken über die Einführung von Negativzinsen. Damit soll verhindert werden, dass immer mehr ausländische Anleger in den stabilen Franken flüchten und die Schweizer Währung weiter aufwertet. Dass jetzt auch Schweizer Kleinanlegern Negativzinsen drohen, ist allerdings neu.
Ende der 70er-Jahre hatte die Schweiz schon einmal Negativzinsen eingeführt. Dabei hat man Anlegern in Schweizer Franken sozusagen per Dekret eine Kommission auf ihren Einlagen abgenommen, sodass sie auf diesen Investitionen einen Verlust verzeichnen mussten. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 10.01.2013, 12:33 Uhr
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