Schneider-Ammann führte Luxemburger Offshore-Konstrukt

Bundesrat Schneider-Ammann fand es «unlauter», Vermögen steuerfrei im Ausland zu «bunkern». Er aber parkierte genauso Millionen in Luxemburg, wie Dokumente zeigen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Angriff ist die beste Verteidigung, dürfte sich FDP-Nationalrat Johann Schneider-Ammann ein Jahr vor seiner Wahl zum Bundesrat gedacht haben. In der Zeitschrift «Die Volkswirtschaft» schrieb er 2009: «Europäische Staaten steuern ihren Bürgern zwei Drittel ihres Einkommens weg und greifen unsere Souveränität an, statt konsequent ihre eigenen Finanzplätze in die Verantwortung zu nehmen.» Und er fügte einen Satz von grosser Deutlichkeit hinzu: «Unlauter ist, dass bei ihnen steuerfrei desertierte Billionen bunkern.» Diese Worte fallen nun auf den Verfasser zurück.

Aufgrund eines Berichts der «Rundschau» des Schweizer Fernsehens ist seit einer Woche bekannt, dass die Ammann-Gruppe unter Johann Schneider-Ammann rund eine Viertelmilliarde Franken im britischen Steuerparadies Jersey gebunkert hat. TA-Recherchen zeigen nun, dass der heutige Wirtschaftsminister aber noch besser Bescheid wusste, als er vor fünf Jahren den verbalen Gegenangriff auf «Steueroasen und legale Steuertricks» lancierte.

Cleverer Steuertrick

Der Patron der Ammann-Gruppe kannte «Holdinglösungen sowie kurzfristig weissgewaschene Fluchtstandorte und -inseln» bestens. Er hatte eigene Erfahrung gemacht, eineinhalb Jahrzehnte lang: Von 1992 bis 2007 sass der freisinnige Vorzeigepolitiker im Verwaltungsrat der Luxemburger Manilux S. A. Ab 1993 amtete er sogar als deren Verwaltungsratspräsident. Die Holding war so etwas wie eine private Bank des Langenthaler Industriebetriebs gewesen. Manilux vergab Kredite an Ammann-Tochterunternehmen weltweit und erhielt dafür intern Zinsen.

Aus Revisionsberichten geht hervor, dass Manilux zuletzt über Jahre rund 230 Millionen Franken bunkerte, und dies steuerfrei. Zumindest sind in den Bilanzen keine Steuern ausgewiesen, was das Luxemburger Handelsgesetzbuch vorschreiben würde. Hätte das Firmenvermögen aber in der Schweiz versteuert werden müssen? Oder war Manilux ein cleverer – weil legaler – Steuertrick?

Entscheidend ist, ob es in Luxemburg «Substanz» gab. Seit Anfang Nullerjahre fordert die Eidgenössische Steuerverwaltung und das Bundesgericht von Firmen vehementer den Nachweis, dass Offshore-Töchter Personal zu marktgerechten Löhnen angestellt haben. Auch sollten sie in den Steuerparadiesen über eigene Büros verfügen.

Der Freund im Verwaltungsrat

Im Fall der Ammann-Gruppe ist zentral, ob die Entscheide der Manilux im Grossherzogtum oder im heimischen Oberaargau fielen und umgesetzt wurden. Der TA hat über 200 Seiten Firmenakten Steuerexperten aus Luxemburg und der Schweiz vorgelegt. Die Fachleute fanden Indizien, die auf wenig «Substanz» in Luxemburg hindeuten:

  • Im Verwaltungsrat der Manilux sassen neben Schneider-Ammann jahrelang einzig ein Baselbieter «Businessman» sowie ein Luxemburger. Diese Zusammensetzung mit Schweizer Zweidrittelsmehr und nur einem Ortsansässigen ist gemäss einem der Experten «ungünstig».
  • Hinzu kommt, dass sowohl Schneider-Ammann als auch der «Businessman» zugleich Mitglieder des Verwaltungsrats der Ammann-Gruppe waren.
  • Beim einzigen luxemburgischen Verwaltungsratsmitglied handelt es sich um einen Studienfreund Schneider-Ammanns: Marc Faber, ein Namensvetter des Börsengurus, ist wie der Bundesrat Ingenieur. Zusammen haben die beiden bei Paris ein Masterstudium in Wirtschaft absolviert. Ihre Freundschaft hält bis heute, auch wenn man sich laut Faber etwas aus den Augen verloren habe. Ein Fachmann sagt dazu: «Positiver wäre eine grosse Unabhängigkeit.»
  • Abgerechnet hat die Luxemburger Firma immer in Schweizer Franken. Die Buchprüfung der Manilux wurde in Basel durch Ernst & Young durchgeführt. «Unsere Prüfung erfolgte nach Grundsätzen des schweizerischen Berufsstandes», schreibt die Revisionsgesellschaft. «Auch ungünstig», urteilt derselbe Fachmann.
  • Gab es Angestellte vor Ort? Marc Faber sagt auf Anfrage: «Es gab keine Vollzeit-Angestellten.» Und Teilzeit? «Meines Wissens auch nicht.»
  • Auch hat Manilux laut Faber keine eigenen Büros gehabt. Ihre Adresse lautete auf die Avenue Monterrey 23 in Luxemburg. Im selben Gebäude haben auch die Services Généraux de Gestion (SGG) ihren Sitz. Der Anbieter für Private-Equity-Strukturen und Funds hat im Januar 2001 mit Manilux einen Dienstleistungs- und Domizilvertrag («convention de services et de domicilation») auf unbestimmte Zeit abgeschlossen. Die Manilux zahlte pro Jahr mehrere 10'000 Franken Domizilgebühren. Das Bundesgericht beurteilt solche Konstruktionen kritisch, was aber umstritten ist.

Die Ammann-Gruppe will auf Fragen des TA nicht eingehen. Sie verweist auf die Überprüfung ihrer Steuerpraxis, die der Kanton Bern nun durchführt, und auf ihr Communiqué von vergangener Woche. Darin heisst es (mit Bezug auf die Offshore-Konstruktion auf Jersey): «Es wurden vor Ort operative und verwaltungsrätliche Tätigkeiten ausgeübt. Die Substanz war stets in einem Ausmass vorhanden, dass der Standort als Steuerdomizil anerkannt wurde.» (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 05.02.2014, 06:28 Uhr)

Umfrage

Was sagen Sie zur Causa Schneider-Ammann?

Er tat nur, was viele auch taten

 
25.3%

Das ist verwerflich

 
23.5%

Seine Glaubwürdigkeit ist angekratzt

 
40.8%

Muss jetzt in Steuerfragen austreten

 
10.3%

4380 Stimmen


Artikel zum Thema

Weshalb sich die Ammann-Gruppe aus dem Steuerparadies zurückzog

Ein Steuerkonstrukt, wie es die Ex-Firma des Bundesrats Johann Schneider-Ammann bis 2009 unterhielt, rentiert nicht mehr. Zwei Gründe sind massgebend. Mehr...

Die Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel

Analyse Bundesrat Schneider-Ammann pflegte sein Image als Unternehmer und Politiker mit hoher Ethik. Die Steuerspargeschichte steht daher nicht nur schräg in der Landschaft, sie kommt auch zum ungünstigsten Zeitpunkt. Mehr...

Schneider-Ammann, ein Steueroptimierer?

Gemäss Recherchen der SRF-Sendung «Rundschau» parkierte die Ammann-Gruppe 2008 263 Millionen Franken in einer Briefkastenfirma auf der Insel Jersey. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Sponsored Content

Wie liebt die Schweizerin?

Frauen befriedigen ihre erotischen Fantasien im Internet!

Werbung

Kommentare

Sponsored Content

Wie liebt die Schweizerin?

Frauen befriedigen ihre erotischen Fantasien im Internet!

Die Welt in Bildern

Eingetaucht: Taucher spielen mit Sardinen im Coex-Aquarium von Seoul. (29. Juli 2016)
(Bild: AP/Ahn Young-joon) Mehr...