Schweizer Firmen setzen auf Cannabis

Das neue magische Wort in der Hanfszene heisst Cannabidiol. Der Wirkstoff aus Cannabis macht nicht high, soll aber Krankheiten heilen.

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Alles begann mit Charlotte Figi. Das kleine Mädchen aus dem US-Bundesstaat Colorado leidet an einer seltenen Form von Epilepsie, dem Dravet-Syndrom. Als Fünfjährige hatte Charlotte bis zu 300 Epilepsieanfälle pro Tag, ihr Zustand wurde immer schlimmer, und keines der vorhandenen Medikamente konnte ihr helfen. Die Ärzte überlegten bereits, das Mädchen in ein künstliches Koma zu versetzen, damit sich sein Körper und Gehirn erholen könnten. Da entschieden die Eltern, zu einem ungewöhnlichen Mittel zu greifen: Marihuana. Im Internet hatten sie gelesen, dass die Pflanze bei einem Bub mit Dravet-Syndrom wirkte, und nach langen Diskussionen wagten sie einen Versuch.

Die Mutter kaufte für 800 Dollar ein Säckchen Gras und stellte daraus mit Hilfe einer Freundin ein Öl her. Sie spritzte es ihrer Tochter unter die Zunge. Das hat das Leben von Charlotte verändert: Die Anfälle blieben aus. Heute ist das Mädchen zwar nicht geheilt, aber durch den Cannabis-Extrakt reduzierten sich die Anfälle von Hunderten pro Tag auf einen pro Woche. Die Krankheit kann so weit kontrolliert werden, dass das Mädchen wieder essen, sprechen und sogar Velo fahren kann.

Vor zwei Jahren strahlte der Fernsehsender CNN einen Dokumentarfilm über Charlotte aus und löste damit grösste Aufregung um den Stoff Cannabidiol aus. Denn das Gras, das Charlottes Mutter zu Öl verarbeitete, kam aus einer speziellen Züchtung. Die Pflanzen enthielten fast kein psychoaktives Tetrahydrocannabinol (THC), dafür rund 21 Prozent Cannabidiol (CBD). Gras mit dieser Zusammensetzung wird auch als «hippies’ disappointment» bezeichnet: Es enttäuscht die Kiffer, weil es keinen Rausch auslöst.

Der CBD-Boom ist mittlerweile in der Schweiz angekommen. In diversen in- und ausländischen Internetshops kann man hochkonzentrierte Cannabidiol-Pasten, -Pulver und -Essenzen kaufen. Zu hohen Preisen allerdings: Das teuerste Produkt auf dem Markt ist eine 1-Kilogramm-Dose mit CBD-Öl. Kosten: 22'000 Franken. Auf der Internetseite Cbd-store.ch wird Cannabidiol als der «Superstar unter den Cannabinoiden» angepriesen, und wenn man dem deutschen Händler Royal Queen Seeds glaubt, hat die Welt ein Wundermittel entdeckt, das sogar Krebs heilen kann. Was hat es mit dem Wirkstoff auf sich?

Erste Station der Recherche ist eine alte Teigfabrik im thurgauischen Kradolf. Hier liegt der Hauptsitz von Medropharm, der ersten Schweizer Firma, die sich auf den Grosshandel mit CBD spezialisiert hat. Noch stapeln sich erst ein paar Dosen im grossen Dachstock, und auch eine von Hand gebaute Etikettiermaschi- ne steht da. Doch das soll sich ändern: Das Start­­-up hat soeben einen Vertrag mit einem der grössten CBD-Händler der USA abgeschlossen und soll innerhalb eines Jahres zwei Tonnen Pulver über den Atlantik verschiffen. Geplanter Umsatz bis Ende Jahr: vier Millionen Franken.

Das reinste Produkt als Ziel

«Unser Ziel ist es, das reinste Produkt auf dem Markt anzubieten», sagt Oliver Tschäppät. Der Lebensmitteltechnologe ist 25 Jahre alt, und mit seinem langen Pferdeschwanz und schwarzen T-Shirt sieht er aus wie der Besucher eines Heavy-Metal-Konzertes. Bis er von chemischen Formeln, Mähdreschern und Weltmarktpreisen spricht. In den letzten eineinhalb Jahren haben die Jungunternehmer – vier Inhaber und eine Chemikerin in Teilzeitarbeit – den Produktionsprozess ihres eigenen CBD-Pulvers entwickelt. Jetzt, nach Hunderten Stunden Gratisarbeit, hat das Team ein erstes Etappenziel erreicht.

Neben Oliver Tschäppät sitzt Mike Toniolo auf dem Sofa, der CEO. Der 33-Jährige ist gelernter Landschaftsgärtner. Für das Thema Gesundheit wurde er sensibilisiert, weil ihm eines Tages plötzlich die Haare ausfielen – wahrscheinlich, weil er mit einem giftigen Insektizid hantiert hatte. Toniolo sagt, dass er mit der Firma nicht einfach Geld verdienen möchte: «Ich will zeigen, dass Cannabis viel mehr ist als ein Rauschmittel.» Er kämpft für ein besseres Image von Hanf und will die Debatte versachlichen. Zu diesem Zweck kommt das brave CBD gerade richtig.

Der matte Bruder

Denn Cannabidiol ist der vernünftige Bruder von THC. Beide Substanzen sind sogenannte Cannabinoide, also chemische Verbindungen, die es nur in Cannabis gibt. Mehr als 120 Cannabinoide wurden bisher entdeckt – das psychoaktive THC ist das berühmteste von ihnen. Politiker weltweit bekämpfen es seit über 100 Jahren und versuchen, seine berauschende Wirkung mit Grenzwerten zu zähmen. In der Schweiz dürfen nur Pflanzen legal angebaut werden, deren THC-Wert in den Blüten unter einem Prozent liegt. Cannabidiol hingegen hat noch keine Paragrafen produziert. In den meisten Ländern darf man es legal verkaufen.

Im Gehirn wirkt CBD wie ein Gegenspieler von THC: Es ist nicht euphorisierend, sondern beruhigend. Während THC den Ausbruch von Psychosen begünstigen kann, scheint sein matter Bruder genau das Gegenteil zu bewirken: Er kann die Stimmen im Kopf zum Verstummen bringen. Dies zumindest legt eine Studie aus dem Jahr 2012 nahe, die für Aufsehen in der Fachwelt sorgte. Psychiater der Universität Mannheim zeigten in einer Doppelblindstudie, dass CBD-Präparate bei Patienten mit akuter Schizophrenie die gleiche Wirkung hatten wie ein Antipsychotikum – jedoch mit weit weniger Nebenwirkungen.

Für sein Pulver verwendet das Medropharm-Team normalen Industriehanf aus Deutschland. In den legal anbaubaren Sorten ist der Gehalt an CBD um ein Vielfaches höher als jener von THC. Bei den berauschenden Sorten ist es umgekehrt: Weil Cannabidiol die psychoaktive Wirkung von THC hemmt, haben die Züchter in den letzten 60 Jahren alles getan, um das Verhältnis umzukehren: möglichst viel THC, möglichst wenig CBD. Mittlerweile gehen die Züchtungen wieder in die andere Richtung. Zu medizinischen Zwecken werden Sorten mit Rekordwerten von CBD herangezogen – wie jene Pflanzen, die Charlottes Mutter kaufte.

Noch zu wenig untersucht

Ein Heilmittel ohne Nebenwirkungen aus günstigem Bauernhanf? Das klingt zu gut, um wahr zu sein. Was kann der Stoff tatsächlich? Der Mann mit dem besten Überblick über die aktuellen Forschungsergebnisse ist der deutsche Arzt Franjo Grotenhermen. Er ist einer der weltweit renommiertesten Cannabis-Experten und publiziert im nächsten Herbst ein Fachbuch über den medizinischen Nutzen von Cannabidiol. Sein Fazit: Das Wirkungsspektrum der Substanz ist breit, aber noch viel zu wenig untersucht. «Die meisten CBD-Wirkungen wurden bisher nur im Tierversuch nachgewiesen», sagt Grotenhermen. Neben den erwähnten Erfahrungen bei Psychosen und Epilepsie ist eine entzündungshemmende und antibakterielle Wirkung belegt. Auch gegen Ängste kann CBD helfen, weil es entspannend wirkt. Und im Gegensatz zu THC, das den Appetit anregt, zügelt CBD den Hunger und kann Entzugserscheinungen lindern. Auch gewisse Krebszellen werden von CBD abgetötet – im Labor zumindest.

In Studien wurden bisher keine nennenswerten Nebenwirkungen beschrieben, darum gibt es noch keine grosse Opposition gegen die Substanz. Die amerikanische Dravet-Syndrom-Stiftung rät trotzdem zur Vorsicht und betont, dass Sicherheit und Wirksamkeit nicht genügend erforscht seien. Unklar ist zum Beispiel, warum die Pflanzenextrakte einigen Kindern helfen – und anderen nicht. Grotenhermen behandelt als Arzt selber Patienten mit Cannabis-Extrakten und ist überzeugt, dass die Studienlage hinter den Erfahrungen der Patienten zurückbleibe. «Einige Personen mit ADHS berichten zum Beispiel von einer Linderung ihrer Symptome durch CBD-Extrakte.» Dies sei jedoch noch nicht durch die Wissenschaft bestätigt.

Zum Beispiel Multiple Sklerose

In der Schweiz hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) der Cannabis-Medizin soeben Auftrieb verliehen. Eine Studie, die vom BAG finanziert wurde, belegte eine signifikante Wirkung von Cannabis bei der Therapie von Schmerzen und von Krämpfen bei multipler Sklerose. In die Metaanalyse flossen die Resultate von 79 Untersuchungen ein – in den meisten Studien ging es jedoch um THC und nicht um CBD. Weil das berauschende THC schon länger erforscht wird, ist es auch in der Schulmedizin angekommen. Für Multiple-Sklerose-Patienten gibt es ein von Swissmedic zugelassenes Medikament auf THC-Basis. Auch in der Schmerzmedizin wird mit THC gearbeitet, so zum Beispiel am Universitätsspital Zürich.

Ärzte, die ihre Patienten mit berauschendem Cannabis behandeln möchten, müssen beim BAG eine Bewilligung beantragen. Dann können sie Apotheken den Auftrag geben, eine Essenz aus Hanfblüten herzustellen. Der bekannteste Cannabis-Apotheker ist der Langnauer Manfred Fankhauser. Vor bald zehn Jahren begann er mit dem Verkauf von synthetisch hergestelltem THC aus Zitronenschalen – seit der Revision des Betäubungsmittelgesetzes darf er Tinkturen aus Rauschhanf herstellen. Mittlerweile hat der Apotheker auch CBD-Essenzen im Angebot. «Seit der Reportage über Charlotte ist die Nachfrage nach Cannabidiol enorm angestiegen», sagt Fankhauser. Er erhalte Aufträge von Universitätskliniken aus dem ganzen Land, die meisten Patienten seien Kinder mit dem Dravet-Syndrom.

Hochkonzentrierte Cannabidiol-Produkte werden aber auch frei im Internet verkauft, offiziell als Nahrungsergänzungsmittel. Das Geschäft läuft. «Zurzeit kaufen die Leute alles, wo CBD darauf steht», sagt der Arzt Grotenhermen besorgt. Auch der Apotheker Fankhauser findet es seltsam, dass er selber strenge Richtlinien einhalten muss – im Internet aber jeder den Pflanzenextrakt verkaufen dürfe. «Gottlob ist der Stoff nicht toxisch», sagt Fankhauser. Aber er macht sich Sorgen, dass die Substanz bagatellisiert wird: «CBD wird als Wundermittel hochgejubelt, jeder will es produzieren – dabei ist das ein wertvolles Medikament.» Fankhauser ist der Meinung, dass der CBD-Markt reguliert werden sollte und der Extrakt nur noch als rezeptpflichtige Substanz verkauft werden dürfte. Das BAG sieht jedoch noch keinen Handlungsbedarf: «Zurzeit sind uns keine Bestrebungen bekannt, die auf eine Reglementierung des Wirkstoffes Cannabidiol hinauslaufen», sagt Markus Jann, Leiter Sektion Drogen beim BAG.

Problematischer Internethandel

Während die Forscher noch immer an den grundlegenden Wirkungen von CBD herumstudieren, sind die Patienten längst zur Selbstmedikation geschritten. In der Facebook-Gruppe «Erfahrungen mit Dronabinol-Sativex-Bedrocan-Österreich-Deutschland!!!» zum Beispiel tauschen sich 523 Nutzer über die medizinische Anwendung unterschiedlicher Cannabis-Produkte aus. Diskutiert wird, welche Stoffe bei welcher Krankheit wie wirken sollen. Man gibt sich Tipps für CBD-Dosierungen und tauscht Rezepte zur Herstellung von Cannabis-Extrakten aus. Einige Forumteilnehmer warten gespannt auf das neue Cannabidiol-Pulver aus der Schweiz, das soeben in der Gruppe vorgestellt worden ist. Denn das Problem bei den vielen Angeboten im Internet ist: Nicht überall, wo CBD draufsteht, ist CBD drin. Der Forumbetreiber David Kokas sagt, dass man bei Kontrollen feststellte, dass die Konzentrationen oft nicht den Angaben der Hersteller entsprachen: «Manchmal ist auch gar kein Cannabidiol enthalten.»

Zurück zur Teigfabrik in Kradolf. Mike Toniolo und Oliver Tschäppät sagen, dass sie in diesem Punkt besser sein wollen als ihre Konkurrenz. Die Konzentrationen im Pulver würden dreimal gemessen. Das erste Mal im Lebensmittelbetrieb in Bayern, wo die Cannabinoide aus den Pflanzen gelöst werden, dann zweimal von zertifizierten Labors in der Schweiz. Mit den Kontrollen soll auch sichergestellt werden, dass der THC-Gehalt nicht zu hoch ausfällt – durch die natürlichen Schwankungen in den Pflanzen ist das eine Gefahr bei der Herstellung. «Zurzeit entwickeln wir ein Verfahren, um das THC ganz aus dem Pflanzenextrakt zu löschen», sagt Toniolo. Dann könne man das Pulver auch in Ländern wie Grossbritannien verkaufen, in denen der THC-Grenzwert sehr tief liegt.

Neben Medropharm gibt es in der Schweiz noch eine Handvoll andere Firmen, die Cannabidiol verkaufen. Die meisten importieren Präparate aus Spanien, Dänemark oder Österreich und bieten sie im Internet an. Einen anderen Ansatz verfolgt der Basler Jungunternehmer Jonas Straumann mit seiner Firma Dexso: Der 28-Jährige produziert Extraktionssysteme, Geräte, mit denen Pflanzenessenzen gelöst werden können. Man muss lediglich den Extraktor mit Pflanzen befüllen, Gas durchströmen lassen und die Essenz auffangen. Auch wenn Extraktoren zur Drogenhanf­extraktion verwendet werden können – wenn man medizinische Hanfsorten mit hohem CBD-Gehalt einfüllt, extrahiert man damit sein eigenes Cannabidiol. «Für Patienten kann das eine Alternative sein, weil die CBD-Präparate noch immer sehr teuer sind», sagt Straumann.

Frauen beim Orgasmus helfen

Die Kosten seien das grösste Problem, sagt auch Apotheker Fankhauser. Da Cannabidiol nicht als zugelassenes Heilmittel verkauft wird, übernehmen die Krankenkassen die Kosten nicht – auch wenn das CBD von einem Arzt verschrieben wird. In Fankhausers Apotheke kostet eine Flasche mit 500 Milligramm Cannabidiol 80 Franken. «Das würde bei einem Erwachsenen etwa für zwei Tage reichen», sagt er. Auch THC-Essenzen, die an Spitälern zur Behandlung von Schmerzen eingesetzt werden, müssen von den Patienten selber bezahlt werden. Kostenpunkt für einen Monat Schmerztherapie: 400 bis 800 Franken.

Die Hoffnung des Medropharm-Teams ist, ein eigenes Medikament herzustellen, das den Zulassungsprozess von Swissmedic durchläuft und damit von Krankenkassen bezahlt würde. Die nötigen Studien und Abklärungen kosten mindestens 200 000 Franken. «Wir verkaufen jetzt erst einmal den Rohstoff und sparen Geld, um später ein eigenes Produkt zu lancieren», sagt Toniolo. Das Pulver, das sie in die USA liefern, wird von der Biotechfirma Naturally Splendid in Lebensmittel eingearbeitet. «Man kann damit zum Beispiel einen Relaxing-Riegel herstellen: einen Snack, um sich am Abend zu entspannen.»

Als sich die Stimmung zum Abschied etwas auflockert, erzählen die Unternehmer von einem weiteren Produkt, das sie auf den Markt bringen möchten: ein Aphrodisiakum. «Die entspannende und angstlösende Wirkung von CBD könnte Frauen beim Orgasmus helfen», sagt Toniolo. Auch eine erotisierende Wirkung von Cannabidiol ist nicht wissenschaftlich belegt. An Versuchspersonen wird es aber nicht fehlen.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 27.06.2015, 04:39 Uhr)

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Drogen in der Medizin

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Opium Die Substanz aus dem Milchsaft von Schlafmohnkapseln wurde Jahrhunderte lang als Schmerzmittel eingesetzt. Die erste Erwähnung findet sich 4000 vor Christus. Wegen der Missbrauchsgefahr ist der Anbau von Schlafmohn in Deutschland verboten, in der Schweiz ist er erlaubt.

Cannabis Die medizinische Nutzung von Hanf taucht erstmals in chinesischen Schriften auf. Verbreitet war die Nutzung im Kindbett. Heute wird Cannabis vor allem in der Palliativ­medizin eingesetzt.

16. Jahrhundert

Kokain Die medizinische Verwendung der Droge ist seit dem 16. Jahrhundert dokumentiert. Heute wird es in begrenztem Ausmass für lokale Betäubungen verwendet oder um Blutgefässe zu verengen.

19. Jahrhundert

GHB Gamma-Hydroxybuttersäure wird auch Liquid Ecstasy genannt. Es wurde 1874 erstmals synthetisiert, wird in der Medizin aber erst seit 1960 eingesetzt, vorab als Behandlung für Narkolepsie (Schlafkrankheit).

Heroin Der Pharmakonzern Bayer brachte Heroin 1896 als vermeintlich nicht süchtig machende Alternative zu Opium auf den Markt. Heute wird Heroin nur noch unter strengen Auflagen als Schmerzmittel verabreicht.

Methamphetamin Crystal Meth wurde 1893 in Japan als Mittel gegen Müdigkeit erfunden. Im 2. Weltkrieg wurde es verwendet, um das Angstgefühl der Soldaten zu unterdrücken. In den USA ist es heute als Mittel gegen ADHS zugelassen.

20. Jahrhundert

Amphetamin Die medizinische Wirkung ist seit 1927 bekannt, damals als Asthmamittel wegen der abschwellenden Wirkung auf Schleimhäute. Heute wird es verwendet, um die Aufmerksamkeit zu steigern – etwa bei ADHS.

LSD Der Schweizer Chemiker Albert Hofmann wollte eigentlich ein Kreislaufmittel entwickeln – und erlebte 1943 den ersten LSD-Trip beim Selbstversuch. Das Mittel wurde erst in der Psychotherapie eingesetzt, dann aber verboten. Heute wird wieder damit geforscht.

Barbiturat Die Substanz war in den 60er- und 70er-Jahren beliebt zur Behandlung von Angst­zuständen und Krämpfen. Später wurde es als Narkosemittel eingesetzt. Heute wird es nur noch eingeschränkt verwendet. Exit und Dignitas nutzen das Mittel in der Sterbehilfe.

Ketamin Seit 1962 wird das Mittel für Narkosen eingesetzt, sowohl in der Human- wie auch in der Tiermedizin. Es gilt als unverzichtbar.

Ecstasy Das als Partydroge bekannte Mittel wurde in den 70er-Jahren von Psychiatern eingesetzt. Später wurde es verboten, Forscher brauchen eine Spezialbewilligung. (aba)

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