Spur des Geldes – Chinas milliardenschwerer Einkaufszettel

Der Pirelli-Deal ist die jüngste Übernahme in einer Serie von Beteiligungen chinesischer Investoren an europäischen Unternehmen. Eine Übersicht.

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Das Interesse chinesischer Investoren an europäischen Firmen ist ungebrochen. Im vergangenen Jahr erreichten Geldzuflüsse aus China einen Rekordwert. Auf 18 Milliarden Dollar wird das investierte Volumen in einem Bericht der Rhodium Group beziffert. Mit dem jüngsten Pirelli-Deal ist die Einkaufsliste der Chinesen um ein prominentes Beispiel reicher. Über 7 Milliarden Euro will das Staatsunternehmen Chem China für den weltbekannten Reifenhersteller zahlen.

Die Milliarden aus China sind zu einem wichtigen Faktor für die europäische Wirtschaft im Zeitalter der Schuldenkrise geworden. Und Italien scheint ein beliebtes Ziel für die Gelder aus China zu sein.

Am Bootshersteller Ferretti, dem Herrenmodeunternehmen Caruso und dem Lederwarenspezialisten Salvatore Ferragamo sind chinesische Investoren beteiligt. In den Energieunternehmen Terna und Snam Rete Gas steckt heute ebenfalls chinesisches Geld.

Exotisch sind die Investoren aus China längst nicht mehr: «Heute gehört es dazu, dass auch chinesische Investoren angegangen werden, wenn europäische Unternehmen zum Verkauf stehen», sagt Stefan Schmid, der sich beim Beratungsunternehmen PWC mit China befasst.

Grossbritannien als erste Adresse

Punkto Volumen liegen aber andere europäische Länder vor Italien, wie ein Vergleich der Heritage Foundation zeigt. Im Zeitraum zwischen 2005 und Mitte 2014 zog Grossbritannien 23,6 Milliarden Dollar aus China an und damit weitaus am meisten in Europa, wie Zahlen des US-Thinktanks Heritage Foundation zeigen. Die weitere Rangfolge: Frankreich mit 10,6, Italien mit 6,9, Deutschland mit 5,9, Griechenland mit 5,5, Portugal mit 5,4 und Spanien mit 2,4 Milliarden Dollar.

Nicht erst mit Pirelli waren immer wieder bekannte Firmennamen im Spiel:

  • Hafen Piräus / Cosco: Für 490 Millionen Euro sicherte sich die China Ocean Shipping Company (Cosco) eine 30 Jahre gültige Lizenz für den Betrieb eines Container-Terminals im Hafen von Piräus. Seit diesem Einstieg hat sich das umgeschlagene Frachtvolumen dort versiebenfacht.

  • Geely / Volvo: Für 1,3 Milliarden Euro kaufte der chinesische Geely-Konzern 2010 den schwedischen Autohersteller. Der vorherige Besitzer, Ford, hatte für Volvo 6,5 Milliarden Dollar bezahlt.

  • Lenovo / Medion: 2011 übernahm der chinesische Computerkonzern Lenovo den deutschen PC-Hersteller Medion und bezahlte dafür 900 Millionen Dollar. Der globale Siegeszug von Lenovo zum heute grössten PC-Anbieter begann im Jahr 2005 mit der Übernahme der PC-Sparte von IBM für 1,75 Milliarden Dollar. Letztes Jahr kaufte Lenovo von IBM das Server-Geschäft für 2,1 Milliarden Dollar. Ebenfalls im letzten Jahr kaufte Lenovo von Google den US-Handy-Hersteller Motorola für 2,9 Milliarden Dollar.

  • Bright Food / Salov Group: Der zweitgrösste chinesische Lebensmittelkonzern hat letztes Jahr die Mehrheit am italienischen Olivenölproduzenten Salov Group übernommen. Der Gruppe gehört unter anderem die Marke Filippo Berio, die in der Schweiz bei Coop im Angebot ist. Zuvor sicherte sich Bright Food 2012 die Mehrheit am britischen Frühstücksflockenhersteller Weetabix und am französischen Weingrosshändler Diva Bordeaux.

  • Dongfeng / Peugeot-Citroën: Bis in die 80er-Jahre zurück reichen die Geschäftsbeziehungen in der französischen und chinesischen Autoindustrie. Damals wurde ein erstes Joint-Venture besiegelt. Seit letztem Jahr ist nun Dongfeng bei den Franzosen mit 14 Prozent beteiligt, nachdem die Beteiligung um 1,1 Milliarden Dollar aufgestockt wurde. Zusammen mit dem französischen Staat sind die Chinesen damit die grössten Aktionäre.

  • Pizza Express / Hony Capital: Für 1,5 Milliarden Dollar sicherte sich die chinesische Beteiligungsfirma Hony Capital letzten Sommer den britischen Schnellverpfleger Pizza Express.

  • Fosun / Club Med: Vor einem Monat konnte Fosun die Kontrolle am französischen Ferienresort-Betreiber Club Med sichern. Der Deal bewertete das französische Unternehmen mit 940 Millionen Euro. Fosun ist schon oft als Investor auf europäischem Boden in Erscheinung getreten. Etwa beim britischen Reisekonzern Thomas Cook oder in Deutschland beim Modekonzern Tom Taylor und BHF, einer ehemaligen Tochter der Deutschen Bank.

Spuren in der Schweiz

Auch hierzulande haben chinesische Investoren mit Beteiligungen bereits für Aufsehen gesorgt. Und die Bedeutung könnte weiter zunehmen: «Das Freihandelsabkommen hat dazu geführt, dass die Schweiz innerhalb von Europa stärker in den Fokus gerückt ist», sagt PWC-Experte Schmid.

Zu reden gab etwa die Übernahme des Uhrenherstellers Eterna 2011. Laut Bilanz bezahlte die China Haidian Holdings Limited 10 bis 15 Millionen Franken für die Manufaktur aus Grenchen. China Haidian gehört dem chinesischen Unternehmer Hon Kwok Lung, der in China mit lokalen Uhrenmarken marktführend ist.

Ein Jahr später ging das Geschäft mit Naturfasern und Textilmaschinenkomponenten von OC Oerlikon an die chinesische Firmengruppe Jinsheng. Nach der 650 Millionen teuren Übernahme benannten die neuen Besitzer aus China das Geschäft auf den ursprünglichen Namen Saurer um.

Im selben Jahr kam die chinesische Beteiligungsgesellschaft Baoshida Swissmetal zu Hilfe. Der Buntmetallhersteller mit Werken in Dornach und Reconvilier war pleite gegangen.

Die Bedeutung der Investitionen aus China dürfte laut Prognosen weiter zunehmen. Bis 2020 sollen über 250 Milliarden Dollar aus China allein in Europa investiert werden, wie Rhodium schätzt. Im selben Zeitraum wird mit chinesischen Investitionen im Ausland von über 1,2 Billionen Dollar gerechnet. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 23.03.2015, 19:10 Uhr)

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Geld zählen: Eine Bankangestellte in Taiyuan in der Provinz Shanxi. (2013) (Bild: Reuters )

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