Subventionen für Frauen: Firmen greifen nicht zu

Der Bund stellt Firmen Millionen für die Frauenförderung zur Verfügung, doch diese holen das Geld nicht ab. Das Bundesprogramm sei zu wenig bekannt, sagen Führungsfrauen und lancieren ihre eigene Initiative.

Es liegen Millionen bereit, doch die Frauen müssen selbst die Initiative ergreifen, damit das Geld von den Firmen auch eingesetzt wird. Foto: flickr.com

Es liegen Millionen bereit, doch die Frauen müssen selbst die Initiative ergreifen, damit das Geld von den Firmen auch eingesetzt wird. Foto: flickr.com Bild: Arnd Wiegmann

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Der Geldtopf ist üppig. 6 Millionen Franken stellte der Bund seit 2009 insgesamt zur Verfügung, um die Gleichstellung von Frauen und Männern in den Unternehmen zu fördern. Bloss, die Firmen rufen das Geld nicht ab. Bis Ende 2014 wurden aus dem Fördertopf gerade mal 900'000 Franken abgeholt, wie SRF berichtete.

Auch im letzten Jahr wurde der Maximalbetrag von einer Million Franken, den das Eidgenössische Büro für Gleichstellung jährlich zur Verfügung hat, bei weitem nicht ausgeschöpft. Sieben Firmengesuche über insgesamt 134'000 Franken wurden bewilligt, wie es auf der Website des Gleichstellungsbüros heisst.

Darunter figurieren beispielsweise der Thurgauer Modekonzern Holy Fashion Group, der für ein Projekt zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie einen Betrag von 27'500 Franken zugesprochen erhalten hat, oder die Aargauer Spitalgruppe Asana, welche das Zertifikat der Familienförderungsfachstelle UND anstrebt. Auch die IT-Abteilung der Post bekommt Geld, 17'220 Franken für die Förderung einer Teilzeitkultur.

Frauen in KMU fördern

Die Frage, weshalb seit der Lancierung vor sechs Jahren nur wenige Firmen Subventionen nachfragen, kann selbst das Gleichstellungsbüro nicht beantworten. Es evaluiert derzeit das Projekt. Frauenförderungsgruppen in Unternehmen, die von der staatlichen Unterstützung wissen, sagen, die Hürde, um Gelder zu beantragen, sei sehr hoch. «Das hat uns davon abgehalten», so eine Betroffene. Das Gleichstellungsbüro hat einen entsprechenden Richtlinienkatalog, wer wie wie viel Geld beantragen kann.

In Genuss kommen sollen vor allem KMU mit weniger als 500 Mitarbeitern. Ihnen bezahlt der Bund 50 Prozent der Projektkosten. Unternehmen mit mehr Angestellten sind aber nicht ausgeschlossen, sie müssen, wenn ihr Projekt bewilligt ist, indes mehr als 50 Prozent der Kosten selber finanzieren.

Fehlende Präsenz

Dass auch grössere Unternehmen in den Genuss kommen sollen, kommt nicht von ungefähr. In Bern erhofft man sich davon für den Geldtopf mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Denn von Wirtschaftsverbänden und Unternehmen wird die fehlende Bekanntheit des Programms bemängelt.

«Das Gleichstellungsbüro hat es verpasst, das Förderprogramm genügend bekannt zu machen», nennt Clivia Koch, Präsidentin des Verbandes Wirtschaftsfrauen Schweiz, einen Grund für die schwache Nachfrage nach den Bundesgeldern. Man müsse aktiv auf die Wirtschaftsvertreter zugehen, um Frauen in den Unternehmen erfolgreich zu fördern.

Coaching für Chefs

Koch war früher Chefin der Pensionskasse Energie und in Unternehmen für die Frauenförderung verantwortlich. Heute ist sie Beraterin im Bereich Management- und Leadership-Entwicklung. Staatliche Fördergelder für die firmeninterne Frauenförderung seien nicht unbedingt notwendig, sagt sie. «Es ist keine Frage des Geldes, sondern des Engagements», sagt sie.

Ihr Verband lanciert deshalb jetzt ein eigenes Programm. «Wir werden den Unternehmen ein Coaching-Programm anbieten, um die Frauen in den Unternehmen gezielt vorwärtszubringen», sagt Koch. Nächsten Monat wollen die Wirtschaftsfrauen das Programm mit dem Namen «Female Leader» starten.

Vom Verband akkreditierte Fachfrauen, wie beispielsweise die Zürcher Headhunterin Doris Aebi, sollen Firmenchefs beraten, wie sie den Frauen helfen, es an Spitzenpositionen in Management und Verwaltungsräten zu schaffen. Zudem wollen sie den Firmen bei der Suche nach geeigneten Frauen helfen. Getragen wird das Programm auch von anderen Verbänden wie der Schweizer Kader-Organisation. Finanzieren sollen die Unternehmen das Coaching selber. Eine Erstberatung sei gratis.

Ob der Bund derweil seine Gelder weiterhin fliessen lässt, ist noch offen. «Nach der Evaluation wird entschieden, ob das Projekt, das von vornherein als Pilotprojekt auf acht Jahre limitiert war, weitergeführt wird oder nicht», sagt Marianne Ochsenbein vom Eidgenössischen Gleichstellungsbüro.

(Erstellt: 14.04.2015, 16:23 Uhr)

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