«Waren Sie zu gutgläubig, Herr Hofmann?»

Der Aargauer Volkswirtschaftsdirektor zeigt sich überrascht vom massiven Alstom-Abbau. Von einem Kahlschlag will er aber nichts wissen.

Wurde von General Electric überrascht: Aargauer Regierungsrat Urs Hofmann.

Wurde von General Electric überrascht: Aargauer Regierungsrat Urs Hofmann. Bild: Urs Flüeler/Keystone

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Herr Hofmann, der Kanton Aargau verliert 1300 Industriejobs. Sie müssen über den Kahlschlag entsetzt sein.
Für Baden und den Kanton Aargau ist der Abbau eine schlechte Nachricht. Von Kahlschlag will ich dennoch nicht sprechen. Immerhin hat General Electric betont, dass der Standort Baden mit zwei globalen Headquarters der Bereiche Spezialturbinen und Services gestärkt werden solle.

Sie selbst haben sich seit dem letzten Sommer, als Alstom von General Electric übernommen worden war, immer zuversichtlich gegeben, dass es keinen Aderlass gebe. Jetzt kommt er trotzdem. Sie haben betont, wie gut der Kontakt mit den neuen Alstom-Besitzern GE ist, und gaben sich optimistisch. Wurden Sie von GE hinters Licht geführt?
Nein. Wir hatten sehr früh Kontakt mit GE. Deren Verantwortliche haben stets betont, dass der Kanton Aargau ein wichtiger Standort bleiben und sogar gestärkt werden solle. Deshalb sind wir davon ausgegangen, dass kein grosser Stellenabbau stattfinden wird. Über das Ausmass des Stellenabbaus sind wir überrascht.

Waren Sie zu gutgläubig gegenüber dem grossen US-Konzern?
Nein, sicher nicht. Unser Ziel war es, dass das Know-how und die Produktion in Baden bestehen bleiben. Denn vor der Übernahme von Alstom durch GE musste man von Szenarien ausgehen, die viel weitreichender gewesen wären. Der Abbau, der heute bekannt gegeben wurde, ist schlimm, aber er ist im Lichte der schwierigen Situation auf dem weltweiten Energiemarkt zu sehen. Es ist nicht der Fall, dass ganze Produktionsbereiche geschlossen werden, es werden vor allem Überkapazitäten abgebaut.

Dennoch, Jobs, die in der Schweiz nun abgebaut werden, werden in Frankreich neu besetzt. Gewerkschaften sagen denn auch, die hiesige Politik habe zu wenig für die Sicherung der Arbeitsplätze getan. Frankreich habe mit GE eine Arbeitsplatzgarantie ausgehandelt.
Das weise ich zurück. Wir haben in allen Gesprächen mit GE auch verlangt, dass keine Stellen abgebaut werden in der Schweiz. Eine Jobgarantie haben wir jedoch nicht erhalten. Eine solche ist in dieser Situation auch nicht zu erreichen.

Die 420 Mitarbeiter, die von Alstom zur italienischen Ansaldo wechseln mussten, haben offenbar eine. Dort sollen bis 2018 keine Arbeitsplätze in der Schweiz abgebaut werden.
Uns gegenüber hat der Energiekonzern Ansaldo wie GE die Aussage gemacht, dass er an den Aktivitäten in der Schweiz festhalten werde. Das kommt keiner Jobgarantie gleich.

Was werden Sie jetzt tun, um den Industriestandort Baden zu stärken?
Der Kanton hat eine Taskforce einberufen, die mit den Arbeitnehmervertretern und GE analysieren wird, wie man den Abbau reduzieren kann. Es ist auch im Sinne von GE, dass die Kapazitäten nicht zu stark reduziert werden, um bei einer Erholung des Energiemarktes rechtzeitig parat zu sein.

Beurteilen Sie den aktuellen Abbau als weiteres Beispiel einer fortschreitenden Deindustrialisierung im Kanton Aargau?
1300 Stellen sind sicherlich ein Aderlass. Alstom ist aber nicht das Paradebeispiel einer Deindustrialisierung. Denn der Hauptgrund für diesen Abbau ist nicht der starke Franken, sondern die schwierige Marktsituation in der Energiebranche.

Exponenten in der Schweizer Industrie haben vom Bund mehrfach eine aktivere Industriepolitik gefordert. Sie auch?
Ja, ich würde es begrüssen, wenn sich der Bundesrat zusammen mit den Sozialpartnern intensivere Überlegungen machen würde, wie man die Industrie in der Schweiz stärken kann.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 13.01.2016, 16:58 Uhr)

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