Welche Büros krank machen

Forscher haben die Abwesenheiten von knapp 2000 Leuten ausgewertet. Das Resultat: Im Grossraumbüro sind die Angestellten fast doppelt so oft krank wie im Einzelbüro. Und es gibt Unterschiede je nach Geschlecht.

Für die männliche Gesundheit unproblematischer als für die weibliche: Grossraumbüros wie der Handelsraum der deutschen Commerzbank in Frankfurt.

Für die männliche Gesundheit unproblematischer als für die weibliche: Grossraumbüros wie der Handelsraum der deutschen Commerzbank in Frankfurt. Bild: Boris Roessler/EPA/Keystone

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Am schlimmsten sind Grossraumbüros mit zwischen 10 und 24 Arbeitsplätzen. Dort werden Frauen im Schnitt mehr als doppelt so oft krank wie im Einzelbüro. Etwas besser sieht es bei offenen Büroflächen mit etwas mehr und etwas weniger Arbeitsplätzen aus. Dafür macht es für die Frauen offenbar keinen Unterschied, ob sie ihren Arbeitsplatz fix im Zweier- oder Dreierbüro haben oder sich jeden Tag aufs Neue einen freien Tisch suchen müssen.

Für Männer hingegen sind diese flexiblen Arbeitsplätze schlimmer als jedes Grossraumbüro. Sie werden zweieinhalbmal so oft krank, wenn sie keinen eigenen Platz haben. Zwar sind auch offene Büroflächen mit vielen Arbeitsplätzen ihrer Gesundheit nicht gerade förderlich, die Zahlen sind aber tiefer als bei den Frauen. Erstaunlich ist auch, dass die Männer in Zweier- und Dreierbüros sogar seltener krank werden, als wenn sie alleine einen Raum belegen.

Zufriedenheit spielt keine Rolle

Die Auswertung stammt von Forschern der Universität Stockholm und umfasst knapp 2000 Arbeitnehmer. Sie wurde ursprünglich im Rahmen einer nationalen Arbeitsplatzbefragung in Schweden durchgeführt, die alle zwei Jahre wiederholt wird und versucht, auf diese Art auch längerfristige Effekte nachzuweisen. 2012 machten bei dieser Befragung knapp 10'000 Schweden mit. Für die nun vorgelegte Auswertung wurden nur Angestellte berücksichtigt, die bereits 2010 mitgemacht und den Arbeitgeber nicht gewechselt hatten, deren Pensum mehr als 30 Prozent beträgt und die klare Angaben zu ihrer Bürosituation gemacht hatten.

Im Rahmen der ursprünglichen Befragung hatten die Schweden unter anderem angegeben, wie oft sie im letzten Jahr krank waren – wobei unterschieden wurde zwischen normalen Krankheitsausfällen, die weniger als eine Woche dauerten, und langwierigen Absenzen. Bei der Auswertung, die kürzlich im Fachjournal «Ergonomics» publiziert wurde, stellten die Forscher um die Architektin Christina Bodin Danielsson fest, dass sich die normalen Krankheitsausfälle je nach Bürosituation stark unterscheiden. Im Schnitt meldeten die Arbeitnehmer, die in einem Grossraumbüro sassen, fast doppelt so viele Abwesenheiten.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Befragungen in diesem Zusammenhang geht die nationale Studie in Schweden nicht auf die Zufriedenheit der Arbeitnehmer mit ihrer Bürosituation ein. Es wurden auch keine Krankheitssymptome erfasst. Die Studie macht also keine Aussage darüber, wie wohl sich die Mitarbeitenden im Einzel- respektive Grossraumbüro fühlen. Aus den Daten lassen sich auch keine direkten Schlüsse ziehen, wieso Grossraumbüros zu mehr Krankheitsabwesenheiten führen.

Männer brauchen Statussymbole, Frauen Beziehungen

Die Autoren der Studie haben aber mehrere Hypothesen, die durch andere Studien gestützt werden. In Grossraumbüros dürfte das Risiko höher sein, dass Viren und Bakterien verbreitet werden. Ausserdem verlieren die Arbeitnehmer die persönliche Kontrolle über ihre Arbeitsumgebung, sind vielleicht mehr Lärm ausgesetzt. Hinzu kommen gruppendynamische Prozesse, die in beide Richtungen ausschlagen können: Entweder, kranke Mitarbeitende bleiben früher zu Hause aus Angst, die Kollegen anzustecken. Oder sie kommen trotz Krankheit zur Arbeit, um die Kollegen nicht stärker zu belasten. Beides ist laut den Autoren möglich.

Die Tatsache, dass flexible Arbeitsplätze die Gesundheit der Männer belasten, erklären die Schweden damit, dass der persönliche Arbeitsplatz für Männer aus Statusgründen eine höhere Bedeutung haben könnte. Bei den Frauen orten sie ein stärkeres Bedürfnis für sozialen Zusammenhalt und Identifikation – was im Grossraumbüro ein Problem sein könne.

Die Schweizer fühlen ähnlich

Die letzte Schweizer Studie, die den gleichen Fragen nachgegangen ist, stammt aus dem Jahr 2010 – und auch dort schnitten Grossraumbüros schlecht ab. Allerdings hat sich die Schweizerische Befragung in Büros, die die Hochschule Luzern in Zusammenarbeit mit dem Staatssekretariat für Wirtschaft durchgeführt hat, vor allem auf die Befindlichkeiten der Schweizer abgestützt. Eine Mehrheit gab an, sich im Grossraumbüro weniger gesund zu fühlen und weniger produktiv zu sein. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 28.02.2014, 17:13 Uhr)

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