Wenig Zahlungsbereitschaft

Seit Oktober 2012 sind die Inhalte der NZZ im Netz kostenpflichtig. Die Nachfrage nach Digitalabos ist sehr gering, wie Zahlen zeigen.

Qualität auf Papier: NZZ-Leser bei der Lektüre. 
(Bild: Keystone)

Qualität auf Papier: NZZ-Leser bei der Lektüre. (Bild: Keystone)

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Seit Monaten künden die Verleger hierzulande, aber auch im Ausland an, Bezahlschranken, sogenannte Paywalls, für ihre Inhalte im Netz zu errichten. Mit der Gratiskultur soll Schluss sein. Ganz kostenpflichtig werden die Angebote vielerorts aber nicht. Die Verlagsbosse setzen auf das «­metered model». Die ersten 20 Abrufe sind gratis. Danach müssen die User den Artikel bezahlen oder ein Abo abschliessen.

In der Schweiz hat die «Neue Zürcher Zeitung» eine Vorreiterrolle. Seit letzten Herbst steht die Paywall. Und seither fragt sich die Medienwelt, wie viele User diese Bezahlhürde genommen haben. Zahlen waren bisher ein gut gehütetes Geheimnis. Doch an einer NZZ-Kadertagung gewährte die Führungsspitze einen Einblick. «Unter tausend» registrierte Nutzer kann die NZZ seit Einführung im Oktober aufweisen. Wie aus Redaktionskreisen zu hören ist, sollen es rund 800 registrierte User sein, die ein Digitalabonnement gekauft haben. Auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet will Mediensprecherin Bettina Schibli keine Zahlen bestätigen. Sie sagt, dass die Paywall allein nur eine Massnahme sei in der Gesamtstrategie. Mittlerweile sei die Anzahl an Registrierungen auf der Website auf rund 40'000 angestiegen. «Neben den Neukunden werden die neuen digitalen Möglichkeiten auch sehr stark von den bestehenden Kunden genutzt, welche sich in erfreulichem Ausmass registrieren. Die hybride Nutzung überzeugt die bestehende Kundschaft und wirkt kundenbindend. Ein weiterer Hinweis dafür ist unser Newsletter am Morgen, welcher mittlerweile bei einer Versandauflage von über 129'000 Empfängern steht», so Schibli.

Steiniger Weg bis zur Profitabilität

Trotzdem: Die aktuellen Zahlen dürften die Schweizer Verleger, die das Projekt NZZ genau verfolgen, nicht in Euphorie versetzen. Geht man von einem Preis von 428 Franken pro NZZ-Digitalabo aus, hat man mit der neuen Digitalstrategie gegen 300'000 Franken Umsatz erzielt. Damit dürften die Kosten, die mit der Lancierung der Paywall anfielen, bei weitem nicht gedeckt sein. Und die Zahl ist auch deshalb nicht als beachtlicher Erfolg zu werten, weil unklar ist, wie viele NZZ-Leser ihr Papierabo durch ein Digitalabo ersetzt haben.

Während der Verkauf von Digitalabos harzt, erholten sich hingegen die Zugriffszahlen von «NZZ online». Seit dem Seiten-Relaunch im letzten Sommer und der Lancierung der Paywall im Herbst kämpften die Onlinemacher mit einem Leserrückgang. Die neu lancierte Seite (Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete) punktet. Die Weisung der Chefredaktion, die publizistischen Kernstärken neben der rein nachrichtlichen Orientierung besser sichtbar zu machen, kommt bei der Leserschaft offenbar gut an, wie der Einblick von Netmetrix zeigt. Alle Kennzahlen zeigen seit Dezember nach oben. NZZ-Sprecherin Bettina Schibli sagt: «Die Stärkung der Nachrichtenredaktion verbunden mit einer aktiveren Themensetzung bereits am frühen Morgen hat zur Steigerung der Zugriffszahlen beigetragen. Zudem bringen neue Apps mehr mobilen Traffic.»

Ringier nimmt sich Zeit

Wie sieht die künftige Entwicklung aus? Interessant wird sein, wie sich die Schweizer Medienhäuser nun verhalten. Auch der «Tages-Anzeiger» arbeitet an einer Bezahlschranke. Bei Ringier ist man bereits vorsichtiger geworden. So hat der Verlag jüngst verlauten lassen, seine Paywall beim «Blick» nicht wie angekündigt diesen Herbst hochzuziehen, sondern diesen Schritt erst zu einem späteren Zeitpunkt zu vollziehen. Man sei gerne Pionier, sagte Verleger Michael Ringier. Aber bei diesem wichtigen Projekt warte man lieber noch etwas ab. Man wolle von anderen Medienhäusern lernen und beobachten, wie sich die Leser verhalten würden. Abschauen will Ringier nicht zuletzt bei der deutschen Boulevardzeitung «Bild», welche die Paywall im Sommer hochzieht. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 15.05.2013, 15:36 Uhr)

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