Wieso Millionen Stellen unbesetzt bleiben

Jobs sind da. Doch weltweit kämpfen Firmen vermehrt damit, die richtigen Mitarbeiter zu finden. Eine Studie zeigt, weshalb.

Viele offene Stelle, wenig passende Bewerber: Weltweit wächst der Graben zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt.

Viele offene Stelle, wenig passende Bewerber: Weltweit wächst der Graben zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt. Bild: Gaetan Bally/Keystone

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In der Schweiz gibt es derzeit fast 150'000 Arbeitslose. Gleichzeitig sind etwa 50'000 Stellen frei. Polemisch formuliert, müsste also ein Drittel der Arbeitslosen gar nicht arbeitslos sein. Doch so einfach ist es nicht. Immer öfter passen die Qualifikationen von Arbeitnehmern nicht zu den Ansprüchen der Arbeitgeber.

Seit Jahren beschäftigt der Fachkräftemangel die Schweiz. Vor allem im Kontext der Migration. Die Wirtschaftsverbände sagen, ausländische Arbeitskräfte seien notwendig, um den inländischen Mangel an qualifizierten Personen zu decken. Die Politik, allen voran die SVP, kämpft dafür gegen die steigende Zuwanderung an. In der Schweiz haben gemäss dem Personalvermittler Manpower 41 Prozent der Unternehmen Mühe, Fachkräfte zu finden, der globale Durchschnitt liegt bei 38 Prozent.

Es sind strukturelle Probleme

Der Graben zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt ist aber kein spezifisch schweizerisches, sondern ein weltweites Phänomen. Laut einer Studie von Indeed.com, einer international operierenden Jobsuchmaschine, bleiben in den USA jede vierte und in Deutschland jede fünfte Stelle länger als 60 Tage unbesetzt; in Kanada, Frankreich und Grossbritannien ist es deutlich mehr als jede zehnte. Indeed.com kommt zum Schluss, dass weltweit die Diskrepanz zwischen Arbeitssuchenden und Arbeitgebern wächst. Die wichtigsten Gründe dafür sind:

  • Der Braindrain
    Stetiges Wirtschaftswachstum und das steigende Durchschnittsalter haben in vielen OECD-Ländern die Nachfrage nach ausländischen Arbeitskräften erhöht. Denn im Inland fehlt es an genügend Fachkräften. Das Problem: Wandern Arbeitskräfte aus, um in einem anderen Land zu arbeiten, gehen diese in ihrem Ursprungsland verloren – der sogenannte Braindrain setzt ein. Die Schweiz setzt bekanntlich stark auf Arbeitnehmer aus dem Ausland. Gleichzeitig ist der Braindrain relativ gering. Deshalb platziert sich die Schweiz in einem Ranking der Studie auf Platz 4, da laut den firmeneigenen Daten mehr Ausländer nach Arbeitsmöglichkeiten in der Schweiz suchen als umgekehrt. Nur Brasilien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Russland sind noch vor der Schweiz platziert. Das überrascht: Brasiliens, aber auch Russlands Wirtschaft stagnieren. Trotzdem wollen mehr Menschen in diesen Ländern arbeiten als abwandern. Die Studie erklärt das damit, dass es ihren Nachbarstaaten noch schlechter gehe. Auf den letzten Rängen sind Norwegen, Griechenland und Pakistan.
  • Die Bildung
    Eigentlich sind viele Menschen so gut gebildet wie nie zuvor. Zwischen 2000 und 2012 ist der Anteil der Menschen in OECD-Ländern mit einem Hochschulabschluss (Tertiärstufe) von 22,1 auf 32,6 Prozent gestiegen. Trotzdem haben Arbeitgeber zunehmend Mühe, passende Mitarbeiter zu finden. Das Problem sei, dass die Bildung oft nicht auf viele neu entstandene Jobs, beispielsweise in den technischen Branchen, ausgerichtet sei. Die Autoren fordern deshalb, dass sich das in Zukunft ändern müsse.
  • Die neuen Arbeitsformen
    Die Nachfrage nach Homeoffice, Teilzeitarbeit oder Gleitzeiten nimmt stetig zu und damit auch die Ansprüche der Arbeitnehmer an die Firmen. Ermöglichen Firmen diese flexiblen Arbeitsformen nicht, schauen sich die Arbeitssuchenden – vor allem die gut ausgebildeten – anderweitig um. Die Rahmenbedingungen für solche Arbeitsformen variieren je nach Land. In der Schweiz sind sie noch nicht besonders verbreitet. Homeoffice nutzen hierzulande etwa 4 Prozent der Beschäftigten, in Amerika hingegen 37 Prozent.
(sip)

(Erstellt: 20.01.2016, 19:44 Uhr)

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