Ist die Credit Suisse jetzt Übernahmekandidatin?

Die CS ist ein Schnäppchen, allerdings dürfte es Schweizer Gegenwehr geben. 4 Fragen zum Börsensturz der Grossbank.

Düster steht es um die Börsenbewertung der zweitgrössten Schweizer Bank: Sitz am Zürcher Paradeplatz.

Düster steht es um die Börsenbewertung der zweitgrössten Schweizer Bank: Sitz am Zürcher Paradeplatz. Bild: Keystone

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Der Börsenwert der Credit Suisse beträgt derzeit noch etwas mehr als 25 Milliarden Franken. Das entspricht einem Rückgang um 40 Prozent seit Jahresbeginn. Eine CS-Aktie kostet derzeit noch etwas mehr als 12 Franken, im Sommer des letzten Jahres waren es noch mehr als 27 Franken. Die Aktie der zweitgrössten Schweizer Bank hat damit deutlich stärker an Wert verloren als die anderen Titel der gebeutelten Branche. Zum Vergleich: Die Aktien der UBS haben rund 25 Prozent ihres Werts eingebüsst.

Einfach nur abwärts: Der CS-Aktienkurs der letzten drei Monate.

Weshalb sinkt der CS-Kurs so stark?
Die Börse straft derzeit alle Bankenaktien ab. «Die Marktreaktion ist stellenweise völlig übertrieben und führt zu nahezu lächerlich tiefen Bewertungen», sagt Rainer Skierka, Bankenanalyst beim Zürcher Unternehmen Research Partners. Konjunkturelle Bedenken, politische Debatten und die Unsicherheit über Kreditausfälle bei Rohstoffhändlern sorgen für eine Abwärtsspirale bei den Bankenaktien. Doch bei der Credit Suisse kommt mehr hinzu – sie hat in den vergangenen Monaten seit dem Führungswechsel und der Kapitalerhöhung viel Vertrauen eingebüsst. Hohe operative Verluste und Goodwill-Abschreibungen im Investmentbanking sowie hohe Rechtsrisiken widerspiegeln auch die Versäumnisse des Verwaltungsrats. «Es ist dem Management und dem Verwaltungsrat nicht gelungen, Vertrauen bei den Aktionären zu schaffen», so Günter Käser vom Zürcher Analyseunternehmen KK Research. Die neue Strategie der Bank überzeugt bislang nicht. «Ich sehe derzeit keine Anzeichen für eine Trendwende», so Käser.

Die CS hat derzeit eine Marktkapitalisierung von weniger als 30 Milliarden Franken. Wird sie zur Übernahmekandidatin?
Für einen kapitalkräftigen Partner wäre sie in der aktuellen Verfassung ein interessantes Übernahmeobjekt. Die Bewertung ist tief. Es gibt aber kaum potenzielle Käufer, die über genügend Mittel verfügen. Zudem müssten die Behörden zustimmen. Wegen vieler offener Fragen zur «Too big to fail»-Problematik ist es kaum vorstellbar, dass die Behörden das zulassen würden. «Ich glaube nicht, dass es zu einer Übernahme der Bank kommt», so das Fazit von Käser.

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Die saudische Olayan-Gruppe und der Staatsfonds von Katar zählen zu den wichtigsten Investoren bei der Grossbank. Was halten sie von der aktuellen Situation?
Das ist nicht bekannt. Sie dürften über den Kursverlauf der CS-Aktie nicht glücklich sein. Doch die wichtigsten Investoren werden eng in die Pläne und die aktuelle Entwicklung einbezogen. Zudem haben sie einen langfristigen Horizont.

Auch die Deutsche Bank steht derzeit schlecht da. Sie und die CS haben zum Teil die gleichen Aktionäre. Macht ein Zusammenschluss der beiden Banken Sinn?

Es wurde vor einigen Jahren darüber spekuliert. Damals hätte das perfekt gepasst. Heute kämpfen beide Banken darum, das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen. «Ein Zusammenschluss der beiden würde dieses Problem nicht lösen», so Käser. Und die Finanzierung der Transaktion wäre kaum zu stemmen.

2017 sollen 30 Prozent des Schweizer Geschäfts der CS via Börsengang verkauft werden. Welche Szenarien sind danach für die Bank vorstellbar?
Skierka begrüsst grundsätzlich den geplanten Börsengang des Schweizer Geschäfts der Grossbank. Die Frage ist jedoch, was danach mit dem Rest der Bank geschieht. So muss sich die Bank Gedanken machen, wie sie danach das kapitalintensive Investmentbanking und die internationale Vermögensverwaltung positioniert. «Nach dem Teilverkauf wird das internationale Geschäft der Bank zu einem interessanten Übernahmekandidaten», so Käser. Es besteht aus einer im internationalen Vergleich mittelgrossen Investmentbank und einem mittelgrossen Vermögensverwalter. Beide hätten für sich einen schweren Stand. Zum richtigen Preis würde sich für sie jedoch bestimmt ein Käufer finden lassen.

Die CS kommentierte eine Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet zu ihrem Aktienkurs nicht. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 11.02.2016, 21:05 Uhr)

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