Wo die Konkurrenz Zurich überholt

Das Hauptgeschäft von Zurich läuft schlecht. Die Mitbewerber haben daher bei einem wichtigen Wert die Nase vorn.

Warten auf die neue Strategie bei Zurich: VR-Präsident Tom de Swaan.

Warten auf die neue Strategie bei Zurich: VR-Präsident Tom de Swaan. Bild: Walter Bieri /Keystone

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Es sieht nicht gut aus beim grössten Versicherer der Schweiz. Der Reingewinn von Zurich halbierte sich im letzten Geschäftsjahr auf 1,8 Milliarden Dollar, die Aktie sackte heute deutlich ab. Die Ursache für das schlechte Ergebnis ist schnell gefunden: Das wichtige Schadengeschäft enttäuschte im letzten Jahr.

An Mario Greco, dem designierten Zurich-Chef, ist es, das Ruder bei Zurich herumzureissen. Greco hat eine komplexe Aufgabe vor sich. Die schwierige Situation, in der sich das Unternehmen befindet, lässt sich an der Schaden-Kosten-Quote ablesen. Sie ist im Versicherungsgeschäft ein wichtiger Wert und zeigt das Verhältnis zwischen Prämieneinnahmen und Schadenskosten.

Die Schaden-Kosten-Quote ist bei Zurich in den letzten Jahren deutlich angestiegen und liegt aktuell bei 103,6 Prozent. Im letzten Jahr notierte sie noch bei rund 97 Prozent. Ein Blick auf die Konkurrenz zeigt, dass diese viel profitabler unterwegs ist. Das gilt besonders für Generali – den bisherigen Arbeitgeber von Neo-Zurich-Chef Greco. Doch auch bei den anderen Konkurrenten von Zurich hat sich die Quote in den letzten Jahren höchstens leicht nach oben bewegt, wie die unten stehende Grafik der Analysten von Barclays zeigt.

Es sind verschiedene Faktoren für die Baisse verantwortlich. Unter anderem verzeichnete Zurich hohe Kosten beim Unfall im chinesischen Tianjin, oder das Nordamerika-Geschäft lief nicht gut. Für die Analysten der Barclays Bank grenzt es fast schon an Ironie, dass das Schadengeschäft für Zurich nun zur Achillesferse wird. Es war bislang lukrativ und für die Konkurrenten schwer anzugreifen. Nun ist es am Zurich-Management dafür zu sorgen, dass es wieder profitabler wird. Für die Analysten sind die Chancen für eine Trendwende intakt. Um wieder mit der Konkurrenz gleichzuziehen, müsse Zurich zu offensichtlichen und einfachen Mitteln greifen. Damit werde das Unternehmen zwar nicht zum Marktführer, so Barclays, es könne aber aufholen.

750 Stellen in der Schweiz betroffen

Dafür sollen nun die Kosten sinken. Bis 2018 sollen die Ausgaben des Versicherungskonzerns um 1 Milliarde Dollar gekürzt werden. 8000 Stellen werden in den nächsten drei Jahren gestrichen. Dafür wird an der Effizienz gearbeitet, und Funktionen werden ausgelagert. Zudem will das Unternehmen in neue Technologien wie die Digitalisierung von Geschäftsprozessen investieren. Genaueres zur Fitnesskur gibt das Unternehmen im Verlauf des Jahres bekannt. Zurich legte heute nicht offen, wo und wie die Arbeitsplätze verschwinden werden. Nur so viel: Ein Grossteil der Stellen soll über natürliche Fluktuation wegfallen. Dies sei Zurich etwa in Deutschland gelungen, wo das Unternehmen 500 Stellen abbaute, ohne dass es zu Kündigungen gekommen sei.

Für die Schweizer Zurich-Angestellten wird die Lage sicher unangenehm. Hält sich der Konzern an seine Vorgaben, dürften hier 15 Prozent der 5000 Stellen wegfallen – das entspricht etwa 750 Stellen. Das Unternehmen hat bereits damit begonnen, Funktionen aus der Schweiz nach Bratislava in der Slowakei oder in das polnische Krakau zu verlegen. Dort sind die Kosten für das Personal tiefer.

Neue Strategie solls richten

Die Massnahmen liegen auf dem Tisch, damit die Firma wieder profitabler wird. «Wir haben viel Arbeit vor uns», sagte heute Interimschef de Swaan. Der bisherige Planhorizont von Zurich endet dieses Jahr. Es ist nun an Greco, die neue Strategie für die kommenden Jahre vorzugeben und Zurich auf Vordermann zu bringen. Viel Zeit bleibt ihm nicht. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 11.02.2016, 12:55 Uhr)

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