Wirtschaft
Der Yen steigt - und Japan kann wenig dagegen tun Hintergrund
Doch die Welt im Jahr 2010 ist eine andere als noch in den 1990ern.
Obwohl die japanische Währung auf einem 15-Jahres-Hoch notiert und auch das Rekordhoch von 80 Yen je Dollar in Reichweite gerät, erscheint es unwahrscheinlicher denn je, dass die Bank von Japan einschreitet. Denn dafür wäre sie auf die Unterstützung der Notenbanken in USA und Europa angewiesen - und die zeigen wenig Bereitschaft, ihren asiatischen Kollegen wie damals zur Seite zu springen.
«Die meisten Leute sind sich einig, dass eine erfolgreiche Intervention am Devisenmarkt abgestimmt werden muss, und das wird schlichtweg nicht passieren», sagt Devisenstratege Tom Levinson aus London. Der Grund dafür ist die schleppende Konjunktur: Die Wirtschaftsleistung in Europa wächst vergleichsweise schwach. In den USA verlor der Aufschwung im Frühjahr an Schwung, und manche Experten befürchten einen Rückfall in die Rezession. Eine schwache Währung kommt den Zentralbanken dabei nicht ungelegen, schliesslich hilft sie den Exporteuren.
Erst vergangene Woche wurde klar, dass Europa eine Devisenmarktintervention zugunsten des Yen ablehnt. Ein gemeinsames Vorgehen mehrerer Notenbanken stehe keinesfalls auf der Tagesordnung. «Die USA und Europa haben so viele andere Dinge, um die sie sich im Moment sorgen müssen», sagte Win Thin von Brown Brothers Harriman. «Sie geben Japan das Signal: Kümmert euch um eure eigenen Probleme.» Schliesslich müsse auch Europa seit 2005 alleine mit dem starken Euro zurechtkommen.
Auch China spielt seine Rolle in der Frage: Sollte Japan den Kurs der eigenen Währung künstlich drücken, wird es nicht gerade einfacher, die Volksrepublik zu einer Aufwertung des Yuan zu drängen. So, wie es aussieht, müsste die krisen- und deflationsgeschwächte Regierung in Tokio also allein gegen Devisenhändler ankämpfen, die auf einem Markt mit drei Billionen Dollar Umsatz je Tag entschlossen sind, von den steigenden Kursen des Yen zu profitieren.
Yen nicht so stark, wie er aussieht
Japans Regierung redet seit längerem gegen den Yen-Anstieg an und versucht, über verbale Interventionen den Kurs zu drosseln. Kommenden Montag steht ein Treffen von Ministerpräsident Naoto Kan und Notenbank-Gouverneur Masaaki Shirakawa an. Kan befürchtet, dass die starke Währung die Exporteure belastet und das ohnehin schwache Wachstum in Japan abwürgt. Zudem verschärft die Entwicklung die Deflation.
Das kann dramatische Folgen für die Wirtschaft haben: Fallen die Preise, halten sich die Verbraucher in Hoffnung auf noch günstigere Angebote mit Käufen zurück. Die Firmen senken als Reaktion darauf ihre Preise weiter, die Gewinne geraten unter Druck, Mitarbeiter werden entlassen, der Konsum bricht ein.
Allerdings zeichnet sich ab, dass die Sorgen der Regierung zumindest bei den Exportfirmen überzogen sind. Im Zuge der Deflation sind die Löhne in Japan gesunken, das hat die Firmen wettbewerbsfähiger gemacht. Zudem haben Konzerne wie Panasonic oder Toyota vermehrt Werke im Ausland errichtet, das macht sie weniger anfällig gegenüber Wechselkursschwankungen. Der nominale Wechselkurs ist zwar stark gestiegen, der effektive Kurs legte jedoch deutlich schwächer zu und ist noch weit von seinem Rekordhoch entfernt, das Mitte der 1990er Jahre erreicht wurde.
«Die USA, die Europäer und sogar der Internationale Währungsfonds sind der Meinung, dass der Yen-Kurs nicht mit seinem gegenwärtigen Niveau unvereinbar ist, wenn man sich die Handelsbilanzüberschüsse ansieht», sagt Chris Scicluna von Daiwa Capital Markets. «Deswegen sollte sich Japan nicht dagegen wehren, sondern beim Wachstum weniger abhängig von den Exporten werden.»
Durchaus möglich, dass Japan dennoch den Yenhahn aufdreht, und etwa über eine weitere Lockerung der Geldpolitik versucht, den Kursanstieg der Landeswährung zu drosseln.
Erstellt: 22.08.2010, 13:38 Uhr
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