Wirtschaft
Einstiger Ölpreismacher blickt in unbestimmte Zukunft Hintergrund
Die Folgen der Ölkrise in den 1970er Jahren könnten aus Expertensicht in Zukunft wieder Realität werden.
Doch die Auslöser der damaligen Krise, die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC), hat den Ölpreis nicht mehr in der Hand. Sie fördert ein Drittel des weltweit verfügbaren Erdöls und kontrolliert 80 Prozent der Reserven. Dennoch blickt das mächtige Kartell mit Sitz in Wien zu seinem 50. Geburtstag am kommenden Dienstag in eine ungewisse Zukunft.
Schwindende fossile Ressourcen bei steigender Nachfrage, Klimawandel, Finanzspekulationen und Konkurrenz von anderer Förderländern - das sind nur einige Faktoren, die heute auf den Ölpreis einwirken und ihn schwierig vorhersehbar machen. Für Experten gibt es zwei Szenarien: Unkontrollierbarer Anstieg oder ein Preisverfall.
Sinkende Nachfrage befürchtet
Die 1960 von Iran, Irak, Kuwait, Saudi Arabien und Venezuela gegründete Organisation mit heute 12 Mitgliedsländern könnte sich bald mit sinkender Nachfrage konfrontiert sehen, prognostiziert der ehemalige OPEC-Chef und Öl-Experte Fadhil Chalabi.
Ein weltweiter Trend zu erneuerbaren Energien, alternativen Antrieben und Gesetzen gegen den Klimawandel mache die Länder unabhängiger vom Schwarzen Gold. Zusammen mit Bestrebungen der USA, sich von ausländischem Erdöl zu emanzipieren, verheisse das nichts Gutes, so der Iraker: «Das schädigt alles die Nachfrage.»
Andere Experten werfen ein, dass die Welt noch immer stark am Ölhahn hängt. Öl ist nicht nur als Brennstoff wichtig, auch viele Produkte von Kosmetik bis zur Plastikflasche sind ohne das Schwarze Gold nicht produzierbar. Mit erwartet steigender Nachfrage in aufstrebenden Industrienationen wie China und Indien bei gleichzeitig schwindenden Ressourcen könnte das den Ölpreis in exorbitante Höhen treiben.
Machtverlust
Die OPEC hat darauf nur noch begrenzt Einfluss. «Ich denke sie hat sowohl Relevanz als auch Macht», sagt der deutsche Politikwissenschaftler Andreas Goldthau, der mit seinem Co-Autor Jan Martin Witte das Buch «Die OPEC. Macht und Ohnmacht des Öl-Kartells» geschrieben hat. Aber anders als noch in den 1980er Jahren könne der Verbund heute nicht mehr die Preise diktieren.
Als sich 1973 im Westen wartende Menschen vor den Tankstellen drängten, war der Schuldige schnell gefunden: Die OPEC- Mitgliedsländer Saudi-Arabien und Kuwait nutzten das Kartell als politische Waffe im Nahost-Konflikt und setzten eine Drosselung der Fördermengen durch. Durch Panik ausgelöste Hamsterkäufe liessen die Nachfrage weiter steigen.
Als der Ölpreis mit 147 Dollar pro Fass (159 Liter) im Juli 2008 seinen höchsten Wert aller Zeiten erreichte, habe das kaum mehr die OPEC zu verantworten gehabt, sagt Goldthau. Vielmehr wurde die Preissteigerung durch einen komplexen Mischung aus steigender Nachfrage und Finanzspekulationen ausgelöst.
Bleibender Einfluss
Ganz ohne Einfluss ist das Kartell dennoch nicht: «Die OPEC hat definitiv Möglichkeiten, die Märkte zu beeinflussen aber nicht mehr direkt, sondern indirekt über Informationen», sagt Goldthau.
Passendes Beispiel ist das zweimal im Jahr stattfindende Treffen der OPEC-Ölminister in Wien: Zig Journalisten belagern mit Handy im Anschlag dann die Wiener Hotellobbys, um von einer Gesichtsregung der dort wohnenden Minister vor der Sitzung auf die Veränderung der Förderquote schliessen zu können. Die Spekulationen bewegen weltweit die Märkte. Notiz an die Redaktion: folgt Extra.
Erstellt: 10.09.2010, 16:36 Uhr
Wirtschaft
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.


