Die Schweiz, ein Volk von Bio-Essern

Knapp 65 Prozent essen mindestens einmal oder sogar mehrmals täglich biologisch hergestellte Lebensmittel. Dies zeigen die Resultate einer Umfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

Nicht nur das Auge isst mit: Konsumenten achten immer stärker auf die Herkunft sowie die Art und Weise, wie Lebensmittel hergestellt werden.

Nicht nur das Auge isst mit: Konsumenten achten immer stärker auf die Herkunft sowie die Art und Weise, wie Lebensmittel hergestellt werden.

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Das Thema Essen bewegt. «Ich bereite alles selber zu», lautet die selbstbewusste Antwort eines Lesers, der an der Umfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet zum Thema Ernährung teilgenommen hat. Insgesamt haben 4862 Nutzer Fragen dazu beantwortet, wie sie einkaufen und wie sie sich ernähren.

Die Resultate der Umfrage sind nicht repräsentativ. Die Antworten lassen jedoch darauf schliessen, dass viele Teilnehmer einen sehr bewussten Umgang mit dem Thema Ernährung pflegen.

Überraschende Resultate liefern etwa die Antworten auf die Frage, wie oft die Teilnehmer der Umfrage Bioprodukte essen. Knapp 65 Prozent essen mindestens einmal oder sogar mehrmals täglich biologisch hergestellte Lebensmittel. Nur gerade 10,6 Prozent sagen, ihnen sei es egal, ob «Bio» draufsteht oder nicht.

Dass Bioprodukte im Trend liegen, zeigen die Zahlen des Dachverbands Bio Suisse. So stieg die biologisch bewirtschaftete Fläche in der Landwirtschaft im vergangenen Jahr um 4'000 auf total 137'000 Hektaren. Somit beträgt der Anteil der Biofläche an der gesamten Nutzfläche 12,8 Prozent. Der Umsatz mit Bioprodukten stieg um 5,2 Prozent auf 2,3 Milliarden Franken und erreicht damit einen Marktanteil von 7,7 Prozent.

Beachtlich ist auch, dass knapp 60 Prozent der Teilnehmer bereit sind, 10 Prozent oder mehr für Bioprodukte auszugeben. Nur gerade 13 Prozent wollen nicht mehr als 5 Prozent mehr bezahlen.

Regionale Produkte im Trend

Neben Bio ist auch die Herkunft ein fast ebenso wichtiges Thema für die Teilnehmer der Umfrage. So gaben jeweils mehr als zwei Drittel an, auf die regionale oder schweizerische Herkunft von Lebensmitteln zu achten. Wichtig ist auch, ob ein Produkt unter fairen Bedingungen hergestellt wurde (Fairtrade).

Ein Thema, das mehr und mehr bewegt, heisst «Food Waste» oder übersetzt die Verschwendung von Nahrungsmitteln. Immerhin 47 Prozent werfen mindestens einmal pro Woche Lebensmittel weg.

Insgesamt verhalten sich die Teilnehmer der Umfrage überraschend vorbildlich. So geben 62 Prozent an, nur naturbelassene und unverarbeitete Produkte und Zutaten zu kaufen. Ob sie tatsächlich nie etwa Senf oder Pelati kaufen, ist schwer nachprüfbar.

Die Teilnehmer der Umfrage sind auch fleissige Nutzer von Küchenhilfen. Neben den gängigen Utensilien wie Küchenwaagen, Mixer oder Wasserkocher sind vor allem Rühr- & Knetgeräte der Marken Kenwood und Kitchen Aid im Einsatz in Schweizer Küchen.

Der fleissige Einsatz von Küchenhilfen ist vermutlich mit ein Grund dafür, wieso die Teilnehmer der Umfrage oft selber aktiv werden, statt fertige Produkte im Laden zu kaufen. Erstaunliche 69 Prozent geben an, sämtliche Saucen selber zu machen. Immerhin knapp 40 Prozent greifen zu Mehl und Wasser, um den Pizza- oder Kuchenteig selber zuzubereiten. Ein Viertel bäckt entweder Brot oder zumindest den Sonntagszopf selber.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.08.2016, 15:16 Uhr

Wie wir uns ernähren

Serie zum Thema Nahrung

In einer mehrteiligen Serie widmet sich Tagesanzeiger.ch/Newsnet dem Thema Nahrung. Den Auftakt macht der vorliegende Teil rund um die grosse Nachfrage nach regionalen Lebensmitteln. Im zweiten Teil geht es um Spezialnahrungsmittel, womit etwa glutenfreies Essen oder Nahrung ohne Zusatzstoffe gemeint sind. Das Label «gesund» verhilft dabei den Herstellern und Detailhändlern zu guten Geschäften. Fortgesetzt wird die Serie mit den USA. Dort setzt allmählich eine Gegenbewegung zum Fast Food ein. Ähnlich wie in Europa setzen die Amerikaner vermehrt auf gesunde und qualitativ höherwertige Nahrungsmittel.

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