Wirtschaft

«Man spricht von einem drohenden Kollaps»

Das diesjährige Weltwirtschaftsforum hat unter dem Motto «Die Welt nach der Krise gestalten» in Davos begonnen. Res Strehle, Wirtschaftsexperte und Stellvertretender Chefredaktor des Tages-Anzeigers, schildert seinen Eindruck vor Ort.

Überfüllte Säle: Die Veranstaltungen am WEF sind gut besucht.

Überfüllte Säle: Die Veranstaltungen am WEF sind gut besucht.
Bild: Keystone

Vor Ort: Res Strehle, Stellvertretender Chefredaktor des Tages-Anzeigers, in Davos.

Vor Ort: Res Strehle, Stellvertretender Chefredaktor des Tages-Anzeigers, in Davos.

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Impressionen vom WEF

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Wie macht sich die Finanzkrise am WEF bemerkbar?
Es herrscht eine riesige Nervosität. Die Vorträge zur Finanzkrise sind total überfüllt. Vor allem die Gurus, die die Finanzkrise vorausgesagt haben, haben Zulauf. Es wird geschätzt, dass weltweit rund 3,6 Billionen Dollar – also 3600 Milliarden Dollar – nötig sind, um die Löcher im Finanzsystem zu stopfen.

Wie ist die Stimmung? Was überwiegt, Pessimismus oder Ratlosigkeit?
Es überwiegt die Unsicherheit, man spricht von einem drohendem Kollaps. Ich habe bisher nur einen gehört, der sich optimistisch gab. Das war Stephen Roach, Chef-Analyst der US-Bank Morgan Stanley, sonst in Davos als notorischer Pessimist bekannt. So schlimm sei alles nicht, meint er und rechnet damit, dass die Weltwirtschaft in den nächsten drei Jahren mit 2,5 Prozent wachse.

Werden auch neue Lösungsansätze diskutiert?
Interessant ist die Forderung, die Länder wie Brasilien, Südafrika oder die Türkei äusserten: Demnach soll der Internationale Währungsfonds in der multilateralen Regulierung des Finanzsystems wieder eine grössere Rolle spielen. Widersprüche gibt es bei der Frage der Verstaatlichung der Banken. Ein türkischer Industrieller war etwa der Auffassung, dass, wenn ein Staat schon so viel Geld aufwerfe, er die Bank auch übernehmen könne. Die Folge wäre eine Nationalisierungswelle der Banken, die politisch ziemlich quer in der Landschaft stünde.

Bleibt neben der Finanzkrise überhaupt noch Platz für andere politische Themen?
Die politischen Themen werden erst am späteren Nachmittag behandelt. Der chinesische Ministerpräsident Wen Jibao wird erwartet. Vor meinem Hotel findet deswegen eine Demonstration von Falun Gong-Anhängern statt, die – umstellt von einem grossen Polizeiaufgebot – beten und meditieren. Später wird auch Wladimir Putin auftreten.

Wie steht es mit der Sicherheit in und um Davos?
Die Sicherheitsvorkehrungen sind ausgeprägter als sonst. Man muss noch eine Schleuse mehr passieren. Das Gelände ist grossräumig abgesperrt, das Militär- und Polizeiaufgebot massiv, auch in der Luft.

Gibt es auch Anti-WEF-Demonstrationen?
Auf heute Nachmittag ist eine Demonstration von Tibetern angekündigt. Das sind aber eher ruhige, bewilligte Demonstrationen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.01.2009, 17:28 Uhr

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