2325 Menschen gehören vier Prozent des Weltvermögens

Der Reichtum auf der Welt konzentriert sich in den Händen weniger. Zwar leben sie überall auf der Welt, doch auf einem Kontinent gedeihen neue Milliardäre besonders üppig.

Er gehört zu den jungen Superreichen: Der 30-jährige Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, Foto: Getty Images

Er gehört zu den jungen Superreichen: Der 30-jährige Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, Foto: Getty Images

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Die Konzentration des Reichtums in den Händen weniger ist nur mit der Epoche der «Räuber-Barone» vor mehr als hundert Jahren zu vergleichen, als Stahl- und Eisenbahnmonopolisten wie die Carnegies, Rockefellers und Vanderbilts in den USA ihre Vermögen anhäuften.

Trotzdem sind die Milliardäre von heute von anderem Kaliber: In den USA sind es IT-Unternehmer und Financiers, die ihr Vermögen oft sehr rasch – begünstigt durch vorteilhafte Steuergesetze – erarbeitet haben. Zudem haben auffällig viele Jungunternehmer ihr Studium abgebrochen. 75 Prozent aller Milliardäre unter 40 Jahren haben Eliteuniversitäten ohne Abschluss verlassen, um Firmen zu gründen. Berühmte Beispiele sind Mark Zuckerberg, der Facebook gründete und heute 35 Milliarden Dollar reich ist, oder Elizabeth Holmes, die dank ihrer Labor-Kette Theranos auf 4,5 Milliarden Dollar kommt.

Anders sieht das Bild in Europa aus, wie eine globale Studie der UBS und der Marktforschungsfirma Wealth-X in Singapur zeigt. Auf dem alten Kontinent werden Riesenvermögen nicht mehr von Grund auf erarbeitet. Sie werden meist vererbt. Die Töchter von Christoph Blocher sind ein Beispiel dafür. Sie begannen mit dem Startkapital ihres ­Vaters und hätten es ohne diese Geldspritze kaum in die Toprangliste geschafft, auch wenn ihre Geschäfts­tüchtigkeit unbestritten ist.

7 Milliardäre unter 40 Jahren leben in Europa. Sie alle haben ihr Vermögen geerbt. Dies erklärt auch die Sonderposition von Genf. Die Stadt zählt 23 Milliardäre mit einem mittleren Vermögen von 2,2 Milliarden Dollar. Doch Genf ist altes Geld. Die Superreichen sind im Schnitt 67 Jahre alt, aber nur 39 Prozent haben den Reichtum selber erarbeitet. In Genf ist man deshalb auf die Verwaltung des Geldes spezialisiert, so die Studie, nicht mehr auf dessen Vermehrung.

Die Jüngste kommt aus China

Eine Mischung zwischen altem und neuem Geld zeigt sich in Asien. Es gibt Jungmilliardäre wie Alibaba-Gründer Jack Ma, der seinen Reichtum nach amerikanischem Muster machte. Von den 15 Jungmilliardären in Asien haben 10 auf die gleiche Weise wie Ma mit Unternehmensgründungen ihr Geld gemacht. 5 haben geerbt, darunter auch die jüngste aller Vermögenden, die 24-jährige Chinesin Perenna Kei, Erbin des Immobilienkonzerns Logan Property.

Asien holt rasch auf. Innert eines Jahres ist die Zahl der Milliardäre um fast ein Fünftel gestiegen. Die Vermehrung des Reichtums ist so gross, das fast ein Drittel des neuen Geldes hier zu finden ist. In China wächst die Zahl der Milliardäre heute doppelt so schnell wie in den USA. Hält der Trend an, so wird es 2027 mehr chinesische Milliardäre geben als amerikanische.

Und wo leben die Milliardäre am liebsten? In Europa fällt die Spitzenposition von Moskau mit 85 Milliardären auf. Die russische Hauptstadt spielt damit eine ähnlich dominante Rolle wie Hongkong in Asien. Übertroffen werden beide Städte nur von New York – nach wie vor die wichtigste Metropole der Superreichen mit einem kumulierten Reichtum von 354 Milliarden Dollar. New York bestätigt einen weiteren Trend: Die Superreichen sind nicht mehr an ein bestimmtes Land gebunden. Sie fühlen sich und verhalten sich als «Transnationale».

Ihr Wohnort ist eine der etwa 20 Städte weltweit, die ihnen bieten, was sie wünschen, und ihnen erlauben, optimal von Investitionsmöglichkeiten zu profitieren.

Notenbank sei Dank

Dies bestätigt auch der aktuelle «Wealth Report Europe» der Privatbank Julius Bär. Wichtigste Treiber der Vermögenskonzentration in Europa sind demnach nicht national unterschiedliche Gesetze, sondern die Kapitalmärkte. «Vermögen haben sich vor allem darum weiter konzentriert, weil die Kapitalrenditen über dem Wirtschafts- und Lohnwachstum liegen», sagt Studienmitautor Robert. Mitgeholfen haben die Notenbanken. Das billige Geld habe weniger die Wirtschaft als vielmehr die Vermögen wachsen lassen.

In absehbarer Zeit dürfte sich daran nichts ändern: «Wenn weiterhin die Kapital­rendite über dem Wirtschaftswachstum liegt, dann wird auch in den nächsten Jahren die Konzentration der Vermögen anhalten», so die Bank Bär. Geld anzulegen scheint für viele Reiche profitabler zu sein als zu arbeiten. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 05.10.2014, 23:40 Uhr)

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