3 Prozent Kosten sind keine Seltenheit

Von Erich Solenthaler. Aktualisiert am 23.11.2009

Vermögensverwalter kennen unzählige Gebühren. Laien können wegen des Wirrwarrs die Gesamtkosten nicht schätzen.

Kosten beachten

Kleine Differenz - grosse Folgen Modellrechnungen zeigen, welch entscheidender Einfluss die Kosten über viele Jahre hinweg auf den Erfolg einer Vermögensverwaltung haben. Der Vergleich geht von einer Anlagestrategie mit einer Rendite von 3 Prozent aus.

In einer teuren, sehr aktiven Vermögensverwaltung können sich die Gesamtkosten ohne weiteres auf 3 Prozent belaufen, wenn das Vermögen mit Fonds oder strukturierten Produkten bewirtschaftet wird. Im Beispiel sind die Kosten sogar so hoch, dass ein Gewinn fast ausgeschlossen ist. Bei konservativen Portfolios ist dies eine reelle Gefahr.

Eine bessere Chance besteht, wenn der Vermögensverwalter eine geringe Pauschalgebühr ansetzt und es ihm gelingt, die Fremdkosten tief zu halten. In unserm Modell wurden die Gesamtkosten auf 1,3 Prozent etwa halbiert.

Der kleine Unterschied hat erhebliche Auswirkungen: Bei einem Startkapital von 500 000 Franken tritt die teure Vermögensverwaltung an Ort. Mit einer günstigen Vermögensverwaltung besteht die Chance, dass das Vermögen bei einer Bruttorendite von 3 Prozent in 20 Jahren auf beinahe 700 000 Franken steigt. Das entspricht einem Unterschied von 200 000 Franken aus. (es)

Wer sich nach einem Vermögensverwalter umsieht, schaut sicher zuerst auf die Qualität in der Beratung und auf die Anlagestrategie. Rasch kommen dann aber die Kosten der Vermögensverwaltung aufs Tapet, denn es ist offensichtlich: Bei Renditen von 3 bis 5 Prozent, die man von herkömmlichen Anlagestrategien erwarten kann, macht es viel aus, ob die Kosten ein, zwei oder mehr Prozent betragen. Da ist der Punkt, an dem der Vermögensverwalter mehr verdient als sein Kunde, schnell einmal erreicht.

Als erste Orientierung dient sicher die Vermögensverwaltungsgebühr, also der vertraglich festgelegte Prozentsatz. «Dazu kommen aber unzählige weitere, für den Kunden vielfach versteckte und nicht überprüfbare Gebühren, Kommissionen, Steuern und Kostenkomponenten dazu», sagt Florian Schubiger von Vermögens-Partner in Winterthur. Was es effektiv kostet, das Vermögen von einem Profi bewirtschaften zu lassen, ist alles andere als offensichtlich. Zahlreiche Aufwandpositionen, so Schubiger, würden gar nie vertraglich abgemacht oder offengelegt.

1,3 Prozent gelten als günstig

Der Winterthurer Vermögensverwalter schätzt öfter die Kosten von Portfolios, die ihm von potenziellen Neukunden unterbreitet werden. Die Resultate dieses Gratisangebots lassen aufhorchen: Bei Vermögen bis 500'000 Franken würden etwa 10 Prozent der eingereichten Dossiers Gesamtkosten von 3 Prozent und mehr aufweisen. 2 Prozent seien üblich, so Schubiger. Bei Vermögen bis 1 Million sind immer noch Gesamtgebühren von 1,5 Prozent üblich.

Aber auch günstige Anbieter verrechnen bei kleineren Vermögen sichtbare und unsichtbare Kosten von 1,3 Prozent. Viel weniger liegt kaum drin.

Dennoch bleibt der Unterschied zwischen einer teuren und günstigen Lösung enorm: Über Jahre hinaus kann der Unterschied rasch Zehntausende von Franken ausmachen (Kasten).

Kunden zahlen sogar Startgeld

In seinen Schätzungen unterscheidet Schubiger drei Stufen von Gebühren:

  • Vermögensverwaltung: Sie umfasst die vom Kunden bezahlten und vertraglich festgelegten Dienstleistungen für die eigentliche Vermögensverwaltung. Das Honorar dafür ist fixiert und umfasst die Portfoliobewirtschaftung, Beratung und Information. Sie beträgt bis zu 1,5 Prozent. Der Ansatz ist meistens von der Höhe des eingebrachten Vermögens abhängig.
  • Gewinnbeteiligung: Sie fällt an, wenn ein vereinbartes Performance-Ziel vereinbart wurde.
  • Einstiegsgebühr: Sie wird für die Erstberatung und das Einrichten des Depots fällig und kann bis zu 5 Prozent gehen.
  • Bankgebühren: Sie müssen vom Vermögensverwalter an die Bank abgeliefert werden, in erster Linie für die Depotführung. Dafür sind bis zu 0,5 Prozent fällig. Gelegentlich wird zusätzlich ein Fremdwährungszuschlag belastet, der gemäss Schubiger bis zu 0,15 Prozent des Depotwerts ausländischer Valoren ausmachen kann.
  • Courtagen: Sie beginnen bei 0,2 Prozent des Handelsvolumens, können bei exotischen Produkten aber auch viel höher liegen.
  • Fremdwährungen: Bei Devisen muss der Geld-Briefkurs zu den versteckten Kosten gerechnet werden. Die Bank verdient, indem der Kaufkurs für den Kunden höher ist als der Verkaufskurs. Das kann ins Tuch gehen: Der sogenannte Spread kann bis zu 1,5 Prozent des Transaktionsvolumens ausmachen.
  • Positionsgebühr: Hier können zusätzlich 10 bis 40 Franken pro Titel im Depot anfallen.
  • Verwaltungshonorar, Bankgebühren und Courtagen werden oft als All-in-Fee zusammengefasst. Aber es bleibt Banken und Vermögensverwalter überlassen, was sie darunter subsumieren. Und von diesem Recht machen sie auch Gebrauch: Kaum zwei Bankinstitute oder Vermögensverwalter verstehen darunter dasselbe. «Laien haben keine Chance, die wahren Kosten zu erkennen», meint Schubiger. Das erschwert auch Vergleiche zwischen Anbietern.
  • Externe Kosten: Ein weiterer Kostenblock fällt in den vom Vermögensverwalter eingesetzten Finanzprodukten an. Er wird nicht erfasst und direkt bezahlt, sondern schlägt sich in einer tieferen Rendite der Fonds und strukturierten Produkte nieder. Deshalb ist er der am wenigsten sichtbare Teil der Gesamtkosten.

Warnsignale beachten

Kommen Fonds zum Einsatz, so kann die Total-Expense-Ratio (TER) der Fonds als Indikator dafür dienen, ob der Vermögensverwalter auf geringe Kosten achtet oder möglicherweise mehr auf Retrozessionen aus ist. Weitere Warnsignale sind häufige Umschichtungen von Finanzprodukten und Fremdwährungen.

Dies ist der Fall, wenn während eines Jahres mehr als jede zweite Position ausgewechselt wird. Dagegen gilt ein Umschlag von 20 Prozent in einer aktiven Vermögensverwaltung durchaus als normal. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.11.2009, 13:33 Uhr

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