Wirtschaft

«Anstieg des Goldpreises auf 1365 Dollar realistisch»

Von Erich Solenthaler. Aktualisiert am 01.02.2010

David Greely von Goldman Sachs glaubt, dass die Hausse bei den Rohstoffen vorerst vorüber ist. Nur für Gold sieht er noch ein grosses Kurspotenzial.

David Greely: Gold könnte noch dieses Jahr auf 1365 Dollar steigen.

Nicola Pitaro

SwissquoteExklusiver Trading-Partner

[Alt-Text]

Rohstoffpreise im Vergleich

Rohölpreis (Brent) in USD



Goldpreis in USD/Unze
test

Während der vergangenen Jahre gab es in den Rohstoffpreisen viel Auf und Ab. Wo befinden wir uns heute im Erdöl-Zyklus?
Man muss zwei Zyklen unterscheiden. Langfristig ist die Versorgung mit Erdöl unzureichend, weil es wenig grosse Projekte gibt, die die erschöpften Quellen ersetzen könnten. Wegen des Engpasses in der Versorgung befindet sich das Erdöl in einem Aufwärtstrend. Dies wird zurzeit aber von der konjunkturellen Entwicklung überdeckt: Die Wirtschaft hat eben erst begonnen, sich zu erholen. Die Öltanks sind noch gut gefüllt, obwohl der Abbau schon im vergangenen August begonnen hat. Der kalte Winter in den USA beschleunigt diesen Prozess, aber in den Industrieländern ist die Nachfrage immer noch geringer als vor Beginn der Rezession. Gleichzeitig verschiebt sich die Nachfrage zusehends in die Schwellenländer, wo sie kaum rückläufig war.

Wann werden die Lager abgebaut sein?
Das dürfte gegen Ende des ersten Semesters dieses Jahres der Fall sein. Dann werden die Lager voraussichtlich auf den 10-Jahre-Durchschnitt gefallen sein, sodass die Opec die Förderung erhöhen wird. Das Risiko besteht natürlich darin, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung verlangsamt und die Nachfrage nachlässt.

Was bedeutet dies für den Ölpreis?
Wir erwarten einen Anstieg des Ölpreises auf nahe 95 Dollar pro Barrel im Zeitraum der nächsten 6 bis 12 Monate.

Welches Wirtschaftsszenario liegt Ihrer Ölpreis-Prognose zugrunde?
Unsere Prognosen gehen von einem Wachstum der Weltwirtschaft von 4,5 Prozent 2010 aus. Dabei werden nach unserer Einschätzung die BRIC-Staaten um 9,3 Prozent wachsen, die G-7 hingegen nur um 2,2 Prozent.

Gibt es Projekte, die die langfristige Versorgungsproblematik entschärfen könnten? Der Ölsand in Kanada zum Beispiel?
Die Produktion aus diesen Quellen war und ist nicht ausreichend, um den Preisanstieg zu dämpfen und das Problem zu lösen.

Aber in Brasilien und Russland gibt es ebenfalls neue, grosse Projekte.
In Brasilien handelt es sich um Tiefseebohrungen, da weiss man noch nicht, wie teuer das Erdöl schliesslich sein wird. Russland bringt zusätzliche Kapazitäten, und das Land wird zu einem gewichtigen Produzenten, aber es ist eben nur eine von vielen Regionen. In Nigeria ist die Entwicklung rückläufig, und auch wenn im Irak grosse Reserven bestehen, wird es lange dauern, bis die Ölgesellschaften diese voll ausschöpfen werden können. Solche politischen Hindernisse existieren an vielen Orten. Ihretwegen und wegen geologischer Gegebenheiten muss man an den technisch realisierbaren Projekten ständig Abstriche vornehmen.

Wird es wieder zu einem Versorgungsengpass kommen wie 2005 und 2006?
Unsere Befürchtung ist, dass es 2011 und 2012 wieder zu einer Einschränkung des Verbrauchs kommen könnte, wenn der Verbrauch und die Ölpreise stark steigen. In diesem Fall wäre es wirklich schwierig, vorauszusagen, was geschehen wird. Die Konsumenten könnten auf andere Energiequellen ausweichen, oder es könnte zu einer technischen Innovation kommen.

Wie stark kann der Rohölpreis über längere Frist steigen?
Alle würden gerne eine Situation wie in den 90er-Jahren vorziehen, mit einer ziemlich stabilen Produktion und nur kurzfristigen, mässigen Preisveränderungen. Aber wenn immer mehr Leute mehr Erdöl konsumieren, setzt dies eine permanente Preissteigerung in Gang. Dann stellt sich die Frage, auf welchem Niveau die Erdölpreise die wirtschaftliche Entwicklung zu bremsen beginnen, wie es im Frühling 2008 der Fall war. Damals wurden viele Konsumenten bei einem Erdölpreis von 125 Dollar pro Fass viel preisbewusster, was einen enormen Rückgang im Verbrauch verursachte.

Von welchen Rohstoffen kann man die beste Absicherung gegen eine Inflation erwarten?
Von Erdöl und Kupfer. Deren Preise steigen als Erstes in einer aufkommenden Inflation. Gold eignet sich nicht oder nur über hundert Jahre. Kurzfristig reagieren Goldnotierungen zu empfindlich auf Bewegungen bei den Realzinsen, als dass sie einen Schutz vor Inflation bieten könnten.

Was kostet Gold in 12 Monaten?
Wir halten einen Anstieg des Goldpreises auf 1365 Dollar je Feinunze in den nächsten 12 Monaten für realistisch. Diese Steigerung wird unseres Erachtens möglich, weil die Geldpolitik in den USA expansiv bleibt und das Fed in den kommenden 12 Monaten wahrscheinlich die Leitzinsen niedrig halten wird und damit auch die realen Zinsen. Dies bereitet den Weg für höhere Goldpreise. Als Hauptrisiko für den Goldpreis in den nächsten 12 Monaten sehen wir aber eine früher als erwartete Straffung der US-Geldpolitik.

Wie beurteilt Goldman Sachs ( 96.7 -0.17%) die Inflationsrisiken?
Wir glauben, dass es zu keiner signifikanten Inflation in den USA kommen wird. Die Konsumentenpreise werden 2010 voraussichtlich lediglich um 2 Prozent steigen. Für China ist es möglich, dass die Inflation auf 3,5 Prozent steigen könnte.

Der Goldpreis und der Dollar verlaufen oft gegenläufig. Gibt es dafür einen triftigen Grund?
Nein, dafür gibt es keine ausreichende ökonomische Erklärung. Zudem ist die Korrelation zwischen Goldpreis und dem Dollar tendenziell flüchtig im Laufe der Zeit, mit Phasen stärkerer Korrelation, gefolgt von einem Auseinanderklaffen der Preise und Wechselkurse und einer Anpassung auf einem anderen Niveau. Besser belegt ist der Zusammenhang mit den realen Zinsen, zum Beispiel mit der Rendite inflationsgeschützter, 10-jähriger Anleihen.

Gibt es in den nächsten Monaten andere Rohstoffe, die für eine Überraschung sorgen könnten?
Wir erwarten keine spektakulären Preissteigerungen. 2011 könnte der Mais einen Kurssprung machen,wenn das Wetter nach drei sehr guten Jahren wieder durchschnittlich sein wird.

Der Ökonom David Greely ist leitender Rohstoff- und Energie-Stratege von Goldman Sachs in New York.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.02.2010, 12:36 Uhr

Wirtschaft

Populär auf Facebook Privatsphäre


Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.