Wirtschaft

Auch am Gold glänzt nicht alles

Von Nadja Siebenmann. Aktualisiert am 10.10.2011 13 Kommentare

Der Goldpreis wird immer stärker von wankelmütigen Anlegern mit einem Hang zum Herdentrieb bestimmt. Wirklich werthaltig ist das Edelmetall nur langfristig.

Den europäischen Zentralbanken ist die Lust an den Goldverkäufen offensichtlich vergangen: Bis es ein Anlageprodukt ist, durchläuft Gold viele Stufen.

Den europäischen Zentralbanken ist die Lust an den Goldverkäufen offensichtlich vergangen: Bis es ein Anlageprodukt ist, durchläuft Gold viele Stufen.
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Hier ist Gold, was glänzt

Hier ist Gold, was glänzt
Goldgewinnung aus der Erde, aus dem Wasser – und aus dem Mund. Die zeitweise hohen Goldpreise verhalfen dem Edelmetall zu neuem Glanz.

Gold $/Unze

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Wie viel kosten 8000 Kubikmeter Gold?

Der weltweit vorhandene Goldbestand wird auf 160'000 Tonnen geschätzt. Das klingt nach viel, ist aber eine überschaubare Menge: Würde man alles Gold in einen Würfel giessen, hätte er eine Kantenlänge von gerade mal 20 Metern und würde 12'000 Milliarden Dollar kosten.

Die Lagerung von Gold war immer aufwendig. Eine platzsparende Methode bestand darin, es zu Blattgold auszutreiben und es auf Bilderrahmen oder, weil es nicht rostet, auf Dächern von Kathedralen aufzutragen. Gold ist nicht nur eine Augenweide, sondern ein unbedenkliches Lebensmittel. Dann heisst es Farbstoff E175 und kostet dreimal mehr.

Banken versilbern Gold seit 2004, als an der Wallstreet der SPDR Gold Shares, der erste mit Gold hinterlegte Fonds, kotiert wurde. Heute wiegt er 1200 Tonnen und ist immer noch der grösste Fonds seiner Art. Im Vergleich dazu sind die 22 an der Schweizer Börse angemeldeten Fonds Winzlinge. Dafür bieten sie jedem Geschmack etwas: eine Feinunze (30,1 Gramm), 100 Gramm oder ganze Brocken von 12,5 Kilo des Edelmetalls, mit oder ohne Währungsabsicherung. Dann tragen sie den Zusatz Quanto.

Für altmodische Sparer, die ihr Gold immer noch mittels eines Edelmetallkontos aufbewahren, zündet EFG Financial Products heute eine nächste Stufe: Mit Gold können nun direkt strukturierte Produkte gekauft werden. So kann Gold, was es in vielen 1000 Jahren nicht schaffte: Es trägt erstmals Zins. (es)

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«Für Metalle war die letzte September-Woche rekordverdächtig», sagt Ole Hansen, Rohstoffexperte bei der Saxo Bank. Für einmal fiel der Goldpreis durch negative Rekorde auf: Er sackte 20 Prozent unter den Spitzenwert von 1900 Dollar je Feinunze. Und er fällt weiter. Auch andere Edel- und Basismetalle haben innerhalb kürzester Zeit markant an Wert eingebüsst. Silber ist um 34 Prozent eingebrochen, Kupfer hat gegenüber dem Februar-Hoch ein Drittel seines Werts verloren.

Es gibt aus der Sicht der Experten zahlreiche Gründe für den Kursverlust des Goldes: Der steigende Dollarkurs, die Verkäufe zur Deckung von Verlusten an den Devisen- und Aktienmärkten sowie die Erhöhung der Einschussforderungen für Gold-Derivate an der Rohwarenbörse CME. An den Basisszenarien, wie der Schuldenkrise in Europa, der Angst vor einer neuen Finanzkrise und einer Hyper-Inflation, hat sich dagegen nichts geändert. Deshalb, so die Meinung zahlreicher Beobachter, werde die Nachfrage nach Gold bald wieder steigen, zumal sie von den Minen trotz Mehrproduktion bloss zu rund zwei Dritteln befriedigt werden kann.

Die UBS (UBSN 11.15 -0.89%) hat ihre erst kürzlich angehobene Prognose schon wieder gesenkt, rechnet aber dennoch damit, dass sich der Goldpreis dank der robusten Nachfrage der Schmuckindustrie schnell auf über 1900 Dollar erholen wird. Die Bank verweist auch auf die jüngst gestiegenen Baisse-Positionen in den Gold-Derivaten, die, sollten wieder schlechte Nachrichten zur Schuldenkrise auftauchen, schnell liquidiert werden müssen, was den Goldpreis zusätzlich antreiben würde.

Gold-Bullen sind zuversichtlich

Die Gold-Bullen der Bank of America, Merrill Lynch sowie Philip Klapwijk, Leiter Global Market Analytics der Edelmetall-Spezialistin GFMS, sehen die 2000 Dollar-Marke bereits in diesem Jahr erreicht, falls der Dollar nicht weiter steigt. Für Ole Hansen von der Saxo Bank sind die Argumente für Gold mit der Ausdehnung der Schuldenkrise in Europa im Sommer noch gewichtiger geworden. «Gold wird wieder glänzen», erklärt er. «Allerdings muss die Volatilität fallen, denn sie ist das grösste Risiko für das Image eines sicheren Hafens.»

Die hohe Volatilität könnte sich tatsächlich zu einem ernsthaften Problem entwickeln. Denn am Goldmarkt dominieren mittlerweile nicht mehr rationale Geschäftsleute aus der Schmuckindustrie; immer stärker wird der Preis von wankelmütigen Anlegern mit einem Hang zum Herdentrieb bestimmt: Zwischen 2002 und dem zweiten Quartal 2011 hat sich der Anteil der spekulativen Nachfrage am Goldkonsum von 10 auf knapp 40 Prozent vervierfacht; der Anteil der Schmuckindustrie ist dagegen von 79 auf 48 Prozent geschrumpft. Während Anleger in diesem Zeitraum über 1000 Tonnen zusätzliches Gold erworben haben, ist der jährliche Goldkonsum der Schmuckindustrie wegen stetig steigender Preise von 2680 auf 2000 Tonnen gesunken.

Entsprechend labil präsentiert sich mittlerweile das Preisgefüge am Goldmarkt, wo Übertreibungen in Zeiten extremer Ereignisse schon seit jeher zum Programm gehören, wie das Forschungszentrum Oxford Economics in einer Studie darlegt. Immer wenn Banken, Systeme oder Währungen fallen, wenn die Inflation die Ersparnisse auffrisst oder die Deflation Firmen und Schuldner in den Ruin treibt, würden Anleger ihre Golddepots über das empfohlene Mass von fünf Prozent des Gesamtvermögens hinaus auffüllen.

Die Oxford-Analysten wollen den aktuellen Aufwärtstrend nicht schon für beendet erklären. Wie das Beispiel der 70er Jahre zeigt, können Goldhaussen sehr lange anhalten. Der Goldkurs könnte also durchaus noch substanziell steigen. Insbesondere dann, wenn sich – wie vielerorts erwartet – in den kommenden vier Jahren eine Inflationsphase einstellen sollte. In Zeiten hoher Teuerung rentiert Gold von allen Anlageinstrumenten nämlich am besten.

Wirklich werthaltig sei Gold indes bloss auf sehr lange Sicht, sagen die Spezialisten von Oxford Economics. Wenn der Goldpreis richtig stark gefallen sei, springt die Nachfrage nach Schmuck an. Dann wird das Angebot knapper, vorausgesetzt, die Minenbetreiber müssen ähnlich wie die Ölförderer immer tiefer und teurer schürfen. Und da die Inflation gerade in Schwellenländern hoch ist, bleibe auch die spekulative Nachfrage aus diesen Gegenden hoch.

Keine Lust auf Goldverkäufe

Schon seit geraumer Zeit erwerben China, Russland und Indien einen Teil des Goldes, das die europäischen Zentralbanken Anfang der Jahrtausendwende auf den Markt geworfen haben. Ende 2009 trat auch Japan erstmals als Käuferin in Aktion.

Läuft das dritte Abkommen der europäischen Zentralbanken, das die jährlichen Goldverkäufe auf 400 Tonnen limitiert, im September 2014 aus, könnten sich auch andere hoch verschuldete Länder in Europa dazu entschliessen, ihre Goldreserven zu liquidieren. Für den Goldmarkt wären solche (unkontrollierten) Verkäufe zweifelsohne ein Schock. Die Verkaufszahlen der letzten drei Jahre weisen jedoch darauf hin, dass mit dem Ausbruch der Finanzkrise bei den Regierungen und Notenbanken möglicherweise ein Umdenken stattgefunden hat. Seit 2008 liegen die Verkäufe unterhalb der vereinbarten Höchstgrenzen. 2011 betrug die Differenz bloss noch 50 Tonnen. Offensichtlich ist den europäischen Zentralbanken die Lust an den Goldverkäufen vergangen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.10.2011, 19:42 Uhr

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13 Kommentare

peter garstig

10.10.2011, 09:16 Uhr
Melden 31 Empfehlung

Die Regierungen betreiben Raub an der Bevölkerung. Jedes Gramm Gold, dass verkauft wird, wird den Leuten später fehlen. Und wie der Artikel sagt: Gold ist vor allem ein Werterhaltungsmittel.
Wieder wird kurzfristig gehandelt, und damit die Zukunft verspielt. Unsere Politiker und Banker gehören vor die Gericht, es ist eine Schande sondergleichen.
Antworten


Eron Thiersen

10.10.2011, 10:45 Uhr
Melden 11 Empfehlung

Preissteigerungen sind Ergebnis einer höheren Nachfrage bei gleichzeitig sinkendem, bzw. fehlendem Angebot. Wer in Gold investiert hat nur dann etwas davon, wenn er das Gold physisch besitzt. Alles andere ist Verkauf von wertlosen Papieren die im Notfall ihren Wert verlieren und einen 100% Verlust zur Folge haben. Antworten



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