BVK: Ein Astrologe bestimmte bei Investitions-Entscheiden mit

Der Entwurf des PUK-Abschlussberichts zum Korruptionsskandal bringt diverse neue Fakten ans Licht.

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Der Bericht der parlamentarischen Untersuchungskommission (PUK) zum Korruptionsskandal in der kantonalen Pensionskasse (BVK) wartet mit einigen brisanten Enthüllungen auf. Gemäss einem Entwurf ihres Abschlussberichts, der dem «Tages-Anzeiger» vorliegt, ist der grösste Einzelverlust – 273 Millionen Franken bei der Beteiligungsgesellschaft BT & T – auf ein krasses Versagen jeglicher Kontrollen und auf das Ignorieren aller Warnungen zurückzuführen.

Geradezu grotesk mutet an, dass sich Walter Meier, Chef der BT & T, bei Investitionsentscheiden und bei den Sanierungsbemühungen in den Jahren 2000 und 2001 auf die Mithilfe eines Astrologen verliess. Daniel Gloor, langjähriger Anlagechef der BVK, ist angeklagt, weil er sich angeblich von Meier hat schmieren lassen, damit sich die BVK mit total 63 Millionen Franken an den Sanierungsbemühungen der BT & T beteiligt. «Ob es die mittlerweile regelmässig erfolgten Zahlungen von Walter Meier an Daniel Gloor waren, welche ihn (. . .) zum Mitmachen bewegten, oder ob es die Nutzung der günstigen Stunde war, welche Walter Meier für pauschal 5000 Franken pro Monat (plus Erfolgsbeteiligung) durch einen Astrologen berechnen liess, bleibe dahingestellt. Die BVK musste schliesslich sämtliche Forderungen aus dem Repogeschäft vollständig abschreiben», heisst es dazu im PUK-Bericht.

Verschwundene Unterlagen

Gemäss Vertrag hatte der Astrologe auch die Aufgabe, den idealen Zeitpunkt für Investitionen der BT & T zu bestimmen und Angestellte zu beraten. Ehemalige Mitarbeiter in Meiers Firmen berichten davon, dass bei Neueinstellungen jeweils die Sternenkonstellationen für einzelne Mitarbeiter ausschlaggebend waren. Auch Vertragsabschlüsse und Handelsregistereinträge wurden zeitlich mit den Sternenkonstellationen harmonisiert.

Meiers Anwälte wehren sich gegen diese Darstellung, die Erwähnung des Astrologen sei tendenziös. Weiter stellen sie in Abrede, dass es Meier war, der Gloor schmierte. In diesem Punkt scheint die Beweislage sowohl im PUK-Bericht als auch in der Anklage der Staatsanwaltschaft eher dünn, zumal bei der Staatsanwaltschaft Akten verloren gingen, namentlich Meiers Buchhaltung 2000/01. Es könnte sein, dass Gloor seine Zuwendungen von anderer Seite bekam, das zeigen Unterlagen aus der Strafuntersuchung.

Gloor hat in den Einvernahmen mehrmals versucht, Meier zu belasten. Auch zur Rolle des damals zuständigen Regierungsrats Christian Huber (SVP) gibt es neue Fragezeichen. Gemäss Anklageschrift hat Gloor bei der BT&T-Sanierung 43 Millionen Franken ohne die Zustimmung Hubers eingesetzt. Im Bericht steht nun aber, dass Huber davon wusste. Gloor informierte Huber demnach bereits am 15. April 2003 in einem Memo darüber, dass der Sanierungsbeitrag von 20 Millionen und das Repogeschäft von 43 Millionen Franken «nicht im Rahmen der Anlagestrategie beziehungsweise des jährlich zur Verfügung stehenden Anlagebudgets erfolgt» seien. Trotzdem hat Christian Huber von einer Entlassung Daniel Gloors abgesehen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.08.2012, 06:42 Uhr

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