Die Geldesel der Banken

In der Schweiz gibt es immer weniger Bankfilialen und immer mehr Geldautomaten. Sie sind für die Banken eine gute Einnahmequelle – und die Kunden fühlen sich an ihnen sicher.

Selbst ist die Bankfiliale: Ein Kunde beim Bargeldbezug an einem CS-Bancomaten in Lugano. Foto: Christian Beutler (Keystone)

Selbst ist die Bankfiliale: Ein Kunde beim Bargeldbezug an einem CS-Bancomaten in Lugano. Foto: Christian Beutler (Keystone)

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Auf den schweren und etwas unbequemen Ledermöbeln warten, bis ein Schalter frei wird, dabei mit dem roten Kindertelefon spielen und das Sparkässeli leeren. So erlebten viele ihren Gang in die Bankfiliale. Doch die Erinnerung verblasst zunehmend. Laut Angaben der Schweizer Nationalbank ist die Zahl der Bankfilialen deutlich gesunken: Gab es 2002 noch fast 3700 Geschäftsstellen, waren es 2014 noch rund 3200. Der Trend setzt sich fort. Raiffeisen und Credit Suisse haben jüngst angekündigt, dass sie künftig über weniger Geschäftsstellen verfügen werden.

Bei den Geldautomaten verläuft die Tendenz in die entgegengesetzte Richtung. In der Schweiz sind gemäss den Londoner Marktforschern von RBR derzeit rund 6800 Bancomaten im Einsatz. In den letzten Jahren ist ihre Zahl laut den Experten angestiegen. Damit entwickelt sich die Schweiz entgegen dem europäischen Trend. In Deutschland oder Grossbritannien verschwinden nicht nur Filialen, sondern auch die Geldmaschinen. Für die höhere Zahl der Automaten in der Schweiz gibt es einen guten Grund: Sie sind für hiesige Banken eine gute Einnahmequelle. Zudem werden sie von Bankkunden benutzt, die dem E-Banking misstrauen.

Lohnende Fremdbezüge

Je nach Standort ist der Betrieb von Automaten für die Banken ein lohnendes Geschäft. Im schlechtesten Fall kostet er sie Geld, etwa dann, wenn sie an einem wenig frequentierten Ort stehen. Denn je mehr Transaktionen an dem Gerät ablaufen, desto mehr Umsatz generiert das Institut mit ihm. Besonders lohnend ist es, wenn Kunden von anderen Banken Bargeld beziehen. Je nach Institut werden dann 2 Franken Gebühren fällig. An einem guten Standort generiert eine Bank ein Einkommen von durchschnittlich 30 Rappen pro Transaktion, so ein Branchenkenner. Der Geldautomat hat daher wohl ein längeres Leben vor sich als die Bankfiliale.

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Die Grossbank UBS ersetzt derzeit ihre alten Multifunktionsautomaten durch modernere Maschinen. Bald stehen an fast allen Standorten sogenannte Multimaten. An ihnen können Kunden einzahlen, Daueraufträge bearbeiten oder Informationen zu ihren Wertschriften abrufen. «Der Multimat ist ein wichtiger Kanal für den Kundenkontakt», sagt eine UBS-Sprecherin. Die Bank betreibt an derzeit 410 Automatenstandorten 350 Multimaten. 50 weitere Geräte sollen in den kommenden Monaten hinzukommen, sodass sie bald an fast allen Standorten zu finden sind.

Die Kunden scheinen die Automaten zu schätzen, vor allem solche, die ihrem E-Banking misstrauen. Sie erledigen ihre Geldgeschäfte eigenständig und in einer sicheren Umgebung. Offenbar verweilen einige Kunden zum Teil so lange an den Automaten, dass die Bank den Funktionsumfang einschränkt, um lange Warteschlangen zu verhindern. Der Erfolg der Multimaten hat sich in der Branche herumgesprochen. Eine Kantonalbank plant laut Branchenkennern offenbar ebenfalls, bald solche Multimaten einzusetzen. Welche, ist nicht bekannt. Die ZKB ist es sicher nicht, denn dort geht man davon aus, dass Kunden am Automaten nur möglichst schnell Geld beziehen wollen.

Auch die CS setze künftig nicht auf Multimaten, sagt ein Sprecher. Allerdings bemüht sich die Bank offenbar, ihre etwa 570 Bancomaten an den rund 300 Standorten aufzurüsten. So laufen dem Vernehmen nach derzeit mehrere Pilotprojekte mit neuen Funktionen.

Die Raiffeisenbank rühmt sich, über das dichteste Bankstellennetz der Schweiz zu verfügen. Doch dürfte dieses bald deutlich lichter daherkommen. Bei der Bank soll die Zahl der Filialen in den nächsten fünf bis zehn Jahren von derzeit rund 1000 auf circa 700 sinken, prognostizierte Raiffeisen-Chef Patrik Gisel vor wenigen Tagen. Das Kundenbedürfnis hat sich in den letzten Jahren verändert. Digitale Kanäle wie E-Banking und Bezahl-Apps verdrängen allmählich die Bankfilialen. Trotzdem verfügt Raiffeisen auch nach dem Abbau noch über die meisten Niederlassungen. Hinzu kommt, dass die Bank auch die meisten Geldautomaten betreibt. Ihre Zahl stieg zuletzt um rund 1 Prozent. Einer Sprecherin zufolge erfolgte der Ausbau insbesondere bei Bancomaten an Drittstandorten, also dort, wo nicht schon eine Raiffeisen-Geschäftsstelle zu finden ist. Für Raiffeisen ist es nun aber genug: «Wir gehen davon aus, dass sich die Gesamtmenge in den kommenden Jahren in dieser Grössenordnung einpendeln wird.»

Filiale verändert sich

Die Schweizer Banken folgen dabei einer globalen Entwicklung. In Westeuropa können bereits rund 27 Prozent der Bancomaten mehr, als nur Geld auszugeben und den Kontostand anzuzeigen, so die Marktforscher von RBR. In Asien liegt der Anteil gar bei 45 Prozent. Diese neuen Automaten spielen eine grosse Rolle dabei, die Bankfilialen umzugestalten. Während die Kunden einfache Geschäfte selbstständig abwickeln, wandeln sich die Filialen zu Beratungszentren ohne einen Schalter.

Hohe Ziele hat sich diesbezüglich die Credit Suisse gesetzt. Sie hat vor wenigen Monaten angekündigt, bis ins Jahr 2020 45 ihrer aktuell rund 184 Filialen zu Beraterbanken umzubauen. Mit der jüngsten Wiedereröffnung in Rüti ZH kommt die Bank bereits auf 6 Filialen im neuen Stil.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 02.03.2016, 21:20 Uhr)

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