Der Goldfranken glänzt nicht

Gestern hat der Verein Goldfranken an der ETH seine Absicht vorgestellt, in der Schweiz eine Goldmünzenwährung neben dem normalen Franken einzuführen. Das Projekt ist sektiererisch und sinnlos.

Ein weiches Metall für einen harten Franken: Fantasienotenserie in Massivgold mit einem Nennwert von 50 Franken.

Ein weiches Metall für einen harten Franken: Fantasienotenserie in Massivgold mit einem Nennwert von 50 Franken. Bild: Keystone

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Die Idee eines Goldfrankens geistert seit einiger Zeit durch den Blätterwald. Dahinter steht ein überparteilicher Verein. Er will mit dieser Goldmünze dem Kleinsparer ermöglichen, sein Geld krisensicher anzulegen. Wirtschaftsprofessoren wie Martin Janssen, Peter Bernholz und Hans Geiger unterstützen das Anliegen. Die Wirtschaftskommission des Nationalrates allerdings lehnte eine entsprechende Initiative im vergangenen Mai ab. Jetzt überlegt sich der Verein, ob er eine Volksinitiative lancieren soll. Worum geht es dabei?

Rein faktisch ist die Geschichte des Goldfrankens rasch erzählt. So wie früher Schweizer Münzen einen Anteil Silber hatten, soll der Goldfranken richtiges Gold enthalten. Gedacht wird dabei an eine Spannweite von 0,1 bis 1 Gramm Gold. Eine Goldmünze mit 0,1 Gramm würde dabei nach heutigem Wert etwa einem Fünfliber entsprechen. Goldmünzen können wie normale Münzen verwendet werden. Warum aber braucht es ihn dann überhaupt?

Papiergeldsystem vor dem Kollaps?

Die Verfechter der Goldmünze sind überzeugt, dass das Papiergeld dem Untergang geweiht ist. An eine ETH-Veranstaltung haben sie daher den Finanzexperten Detlev Schlichter eingeladen. Er hat ein Buch unter dem Titel «The Collapse of Paper Money» verfasst. Darin vertritt er die These, dass das gegenwärtige System des Papiergeldes dem Untergang geweiht und dass dieser Untergang nicht mehr allzu weit entfernt ist. Hyperinflation wird die unausweichliche Folge dieses Kollapses sein. Der Goldfranken ist daher die Rettung des kleinen Mannes. Er hat einen realen Gegenwert und verhindert so die totale Vernichtung des Vermögens.

Schlichters These beruht auf den sattsam bekannten Argumenten der sogenannten Österreicher Schule, deren bekannteste Vertreter Ludwig von Mises und Friedrich A. von Hayek sind. Beide sind die Vordenker einer extremen Variante der Marktwirtschaft. Sie wollen einen reinen Nachtwächterstaat, der einzig Schutz- und Polizeiaufgaben zu verrichten hat. Alles andere erledigt der Markt, auch das Geldwesen. Deshalb braucht es keine Zentralbank, die Papiergeld schöpfen kann, sondern harte Privatwährungen, die mit Gold gedeckt sind. In diesem System gibt es kein Fiat-Geld mehr und damit auch keine unkontrollierbare Schuldenwirtschaft.

Vorstellungen vom Paradies

So weit zur Theorie. In der Praxis haben sich die Anhänger des Goldes längst zu einer Sekte entwickelt. Sie vertreten die Thesen der Österreicher so inbrünstig und unreflektiert wie uneinsichtige Marxisten die Thesen des Kommunistischen Manifests. Auch sie wiederholen stets: Das aktuelle System ist dem Untergang geweiht. Erst wenn es zusammengebrochen ist, kann mit dem Gold eine paradiesische Ära anbrechen.

Wie die Marxisten unterdrücken die Gold-Enthusiasten alles, das nicht in dieses schlichte Weltbild passt. Dazu gehört etwa die Tatsache, dass in den Zwischenkriegsjahren die Rückkehr zum Goldstandard zu Massenarbeitslosigkeit und Deflation und beides zusammen zum Aufstieg von Faschismus und Kommunismus geführt hat. Die globalisierte Weltwirtschaft des 21. Jahrhunderts an einen Goldstandard zu binden, wäre etwa so sinnvoll, wie die Transportprobleme in den Alpen mit einer Rückkehr zur Postkutsche lösen zu wollen.

Etwas Weiteres vergessen die Gold-Enthusiasten. Es gibt in der Geschichte der Menschheit kaum ein blutigeres und grausameres Kapitel als den Kampf um das gelbe Metall. Gold ist, wie es Maynard Keynes zu Recht formuliert hat, ein «barbarisches Relikt». Damit lässt sich keines der aktuellen Probleme lösen. Deshalb brauchen wir Goldmünzen etwa so dringend wie einen Kropf.

(Erstellt: 04.07.2012, 18:12 Uhr)

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