Der weltweit wertvollste Schein

Die EZB will dem 500-Euro-Schein den Garaus machen. Das macht die Schweizer 1000-Franken-Note noch attraktiver. Doch es wäre gar nicht so einfach, diese vom Markt zu nehmen.

«Kein Thema»: Die Schweizerische Nationalbank hält ihre Hand auf der 1000-Franken-Note.

«Kein Thema»: Die Schweizerische Nationalbank hält ihre Hand auf der 1000-Franken-Note. Bild: Keystone

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Die Europäische Zentralbank (EZB) macht offenbar Ernst mit der Abschaffung des 500-Euro-Scheins. Ihr oberstes Entscheidungsorgan, der 25-köpfige EZB-Rat, hat kürzlich den Banknotenausschuss – den sogenannten Banco – beauftragt, die technischen Einzelheiten zu klären, wie die Banknote mit dem höchsten Wert im Euroraum aus dem Verkehr gezogen werden könne. Dies berichtet das deutsche «Handelsblatt» in seiner heutigen Ausgabe. Die Abklärungen des Banco sollen bis zu drei Monate dauern, anschliessend will der EZB-Rat endgültig über das Schicksal des 500er-Scheins befinden.

Obwohl die Notenbanken Deutschlands, Österreichs und Luxemburgs dem Vernehmen nach gegen die Abschaffung der lilafarbenen Banknote sind, gilt es laut «Handelsblatt» als sicher, dass sich der EZB-Rat für deren Verzicht aussprechen wird. Die Mehrheit der europäischen Währungshüter verspricht sich von diesem Schritt, Geldtransaktionen mit kriminellem Hintergrund – die überwiegend in bar erfolgen – zu erschweren. Je grösser der Wert von Geldscheinen, desto bequemer, platzsparender und kostengünstiger lassen sich hohe Summen physisch verschieben.

1000-Franken-Note noch mehr im Fokus

Insbesondere nach den Anschlägen in Paris ist auch die Terrorismusfinanzierung verstärkt ins Visier der Behörden geraten. Schliesslich soll die Abschaffung der 500er-Note mithelfen, noch andere Sümpfe trockenzulegen wie Geldwäscherei, Steuerumgehung und Schwarzmärkte aller Art. EZB-Präsident Mario Draghi liess gestern an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. «Der 500-Euro-Schein ist ein Instrument für illegale Aktivitäten», sagte er in einer Anhörung vor dem Europäischen Parlament.

Dessen Abschaffung in unseren Nachbarländern – womit die 200-Euro-Note die höchste Werteinheit würde – würde unweigerlich den 1000-Franken-Schein und seine Zukunftsperspektiven in den öffentlichen Fokus rücken. Gefragt, ob sich die Schweizerische Nationalbank (SNB) ebenfalls damit befasse, ihre werthaltigste Banknote aus dem Verkehr zu ziehen, sagte ihr Sprecher Walter Meier klipp und klar: «Das ist bei uns kein Thema.» Wie das Noteninstitut reagieren würde, falls der internationale Druck zur Abschaffung massiv zunähme, steht freilich auf einem anderen Blatt. Ob sich die Aussage Draghis zur Rolle des 500-Euro-Scheins bei gesetzeswidrigen Aktivitäten auch auf die 1000er-Note übertragen lässt, wollte Meier nicht beantworten. Er verwies auf die Bestimmungen des Geldwäschereigesetzes und die entsprechenden Verordnungen, die «einem allfälligen Missbrauch des Bargeldes zu kriminellen Zwecken vorbeugen».

Immerhin besitzt der 1000er-Schein den weltweit höchsten Wert, nachdem die Notenbank von Singapur 2014 beschloss, den Druck der 10'000-Singapur-Dollar-Note einzustellen, und diese seither nach und nach einzieht. Die hohe Werthaltigkeit der 1000er-Note zeigt sich darin, dass die Aufbewahrung von 1 Million Franken ausschliesslich mit diesen Geldscheinen einem Paket von gerade mal 1,14 Kilogramm Gewicht entspricht. Würde man 1 Million Euro in 500-Euro-Noten horten, wäre das Gewicht bereits etwa doppelt so hoch.

Umstellung braucht Zeit

SNB-Sprecher Meier verweist darauf, dass dem 1000-Franken-Schein – der seit bald 101 Jahren besteht – eine erhebliche Rolle im Zahlungsverkehr zukomme und dieser nicht nur zur Wertaufbewahrung respektive zum Horten diene. Gestützt auf ihren Jahresbericht 2013, teilte die Nationalbank in Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage mit, in besagtem Jahr seien 22 Millionen 1000er-Noten auf die Girokonten der SNB eingezahlt und umgekehrt 25 Millionen Scheine von ihr bezogen worden – dies bei mittlerem Umlauf von 36 Millionen. Nach der Aufkündigung des Euromindestkurses im Januar 2015 hat die Beliebtheit des 1000ers nochmals zugenommen, sodass inzwischen rund 38 Millionen solcher Scheine in Umlauf sind. Ihr Anteil am Gesamtwert der Frankengeldscheine macht über 60 Prozent aus. Diese durch andere Noten mit kleinerer Stückelung zu ersetzen, wäre nicht zuletzt eine beträchtliche logistische und drucktechnische Herausforderung.

Letzteres gilt auch für den Ersatz der 500-Euro-Noten, obwohl auf sie nur rund ein Drittel des Banknotenumlaufs in der Eurozone entfällt. Um diese Scheine gegen andere mit geringerem Wert umzutauschen, müssten laut «Handelsblatt» 3 bis 6 Milliarden neue Banknoten gedruckt werden, je nach konkreter Aufteilung der neuen Notenstückelung. Am einfachsten wäre es wohl für die EZB, im Rahmen der laufenden Erneuerung aller Eurobanknoten – die neuen 5er-, 10er- und 20er-Noten sind bereits erschienen – den 500er-Schein ganz wegzulassen und den Druck der alten Exemplare einzustellen. Allerdings würde es dann noch viele Jahre dauern, bis die grösste Euronote endgültig vom Markt verschwindet. Die gleiche Option, was den Verzicht auf die 1000er-Note betrifft, stünde auch der Nationalbank offen: Sie beginnt im April die bis 2019 dauernde Emission der neuen Banknotenserie mit der Lancierung der neuen 50er-Scheine und will dann in einem Abstand von jeweils sechs bis zwölf Monaten schrittweise auch die anderen Banknoten durch die frischen Exemplare ersetzen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 16.02.2016, 16:45 Uhr)

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