Wirtschaft

Drei sorgen für Transparenz im Private Banking

Von Erich Solenthaler. Aktualisiert am 06.04.2009 3 Kommentare

Drei Vermögensverwalter stellen sich dem Wettbewerb und legen offen, welche Resultate sie für ihre Private-Banking-Kunden erzielten.

Ein Trio für Transparenz: Urs Bosisio, AKB, Michael Krinner, CS, Marc Weber, VZ.

Ein Trio für Transparenz: Urs Bosisio, AKB, Michael Krinner, CS, Marc Weber, VZ.

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Gips

Diskrete Leistung wird messbar

    Die Global Investment Performance Standards (Gips) sind ein Regelwerk für Banken und Vermögensverwalter. Gips hat eine objektive, aussagekräftige Performance-Messung zum Ziel. Nötig sind die Richtlinien, weil unterschiedliche Methoden die Vergleiche verfälschen. Ebenso könnten Vermögensverwalter versucht sein, nachteilige Informationen zu unterschlagen.
  • Es ist Banken freigestellt, ob sie die Standards anwenden. Wenn sie sich dafür entscheiden, müssen sie die Berichte potenziellen neuen Kunden auf Verlangen aushändigen.

  • In Gips werden ähnliche Anlagestrategien in sogenannten Composites zusammengefasst. Jedes Portfolio muss einem Composite zugeordnet werden.

  • Gips-Berichte müssen mindestens die Renditen der letzten fünf Jahre enthalten. Verlangt wird die Bruttoperformance (Gesamtperformance abzüglich transaktionsbedingte Kosten). Die Vermögensverwaltungskosten und andere für einen Vergleich nötigen Tatsachen sind offenzulegen.

  • Zu jedem Bericht gehört die passende Benchmark, ihre Zusammenstellung und Rendite. Die Differenz von Benchmark- und Portfolio-Rendite ergibt die relative Rendite - die für Bankenvergleiche wichtigste Kennzahl.

  • Die Zertifizierung durch Revisionsgesellschaften ist freiwillig, aber ohne Persilschein, der bestätigt, dass Reports mit den Richtlinien übereinstimmen, sind Gips-Berichte wertlos.


Unser Service

Nicht vertraut mit Gips? - Dann bestellen Sie einfach mit einer E-Mail die Performance-Berichte von der Aargauischen Kantonalbank, Credit Suisse und des VZ Vermögenszentrums. Code nicht vergessen:

geld@tages-anzeiger.ch

Code: ITR8


Die meisten wohlhabenden Kunden von Schweizer Banken und Vermögensverwaltern müssen rätseln, wie gut ihr Money-Manager ist. Mehr Transparenz hat, wer bei der Aargauer Kantonalbank, dem VZ Vermögenszentrum und der Credit Suisse andockt: Diese drei Finanzinstitute legen sogenannte Gips-Berichte offen. Nur mit diesen Performance-Analysen haben Bankkunden eine faire Chance, wenn sie die Leistungen verschiedener Anbieter vergleichen wollen (siehe Box).

Von der Redaktion wurden die Gips-Berichte für Frankenanleger mit einem konservativen Auftrag verlangt. Die Aktienanteile der Portfolios von VZ, Credit Suisse und Aargauischer Kantonalbank schwanken zwischen 15 und 25 Prozent. So grosse Unterschiede verunmöglichen einen direkten Rendite-Vergleich zwischen den drei Anbietern. Immerhin lässt sich sagen, dass gemischte Anlagefonds der gleichen Kategorie über 5 Jahre mit einer durchschnittliche Rendite von 0,03 Prozent sehr ähnliche Resultate brachten.

Bis 2007 lief es bei allen drei Vermögensverwaltern rund, aber gegen die Finanzkrise kannten auch die Private Banker keine Wundermedizin. 2008 verzeichneten alle konservativen Portfolios Verluste zwischen 11 und 14 Prozent.

Kein Umsatzdenken

Aussagekräftiger und genauer ist eine Gegenüberstellung von jedem Anbieter mit der passenden Benchmark. Dabei schneidet die Aargauer Kantonalbank am besten ab. Über 10 Jahre hat sie die Benchmark nur geringfügig verpasst, über 5 Jahre sogar leicht übertroffen. Credit Suisse liegt 0,4 Prozent, das VZ Vermögenszentrum rund 1 Prozent pro Jahr hinter dem Vergleichsindex.

Urs Bosisio, Leiter Private Banking, erklärt sich die gute Leistung der Aargauischen Kantonalbank mit der Unabhängigkeit, die er seinen Vermögensverwaltern gewährt. «Das Portfoliomanagement ist bei uns kein Profitcenter. Für die Portfoliomanager zählt nur die Performance, die sie für die Kunden erzielen. Sie müssen nicht Anlageprodukte verkaufen und keinen Ertrag für die Bank erwirtschaften. Das bringt Portfoliomanager unweigerlich in einen Konflikt.» Bei der Auswahl gelte strikte das Prinzip «Best-in-Class», ergänzt Bosisio. Nur die Qualität eines Finanzprodukts zähle.

Zudem befinden sich seit 10 Jahren die selben Personen in den leitenden Positionen. «Gerade in Zeiten wie jetzt zeigt sich, ob man Schulter an Schulter kämpft oder jeder für sich schaut.» 10 Jahre habe es aber schon gedauert, um einen soliden Leistungsausweis vorweisen zu können.

Fragt man Bosisio nach weiteren Gründen des Erfolgs, bekommt man nicht den Eindruck, seine Bank verfolge einen besonderen Anlagestil. Sie scheint dieselben Rezepte zu befolgen wie andere, nur dass die Portfolios sehr breit diversifiziert sind.

«Zufrieden darf man nie sein», kommentiert Rolf Biland, Leiter der Anlagestrategie des VZ, das Gips erst kürzlich eingeführt hat und sich erstmals an der Erhebung beteiligt. Wie die Credit Suisse verfehlte das VZ die Benchmark, allerdings nur knapp. Im zweiten Semester 2008 konnte das VZ durch eine starke Untergewichtung der Aktien eine Outperformance erzielen und aufholen. «Einem Branchenquervergleich können wir standhalten», so Biland.

Zum dritten Mal nur ein Trio

Wir veröffentlichen zum dritten Mal einen Performance-Vergleich für die Vermögensverwaltung. Wie früher haben sich nur 3 von 43 angefragten Banken und unabhängigen Vermögensverwaltern beteiligt. Gips-Berichte dürften in der Schweiz von etwa 10 Instituten eingesetzt werden.

Nicht mehr dabei sind Hyposwiss und St. Galler Kantonalbank. Beide Institute zeigten im Vorjahr gute Resultate, begründeten aber trotz wiederholter Anfrage nicht, warum sie dieses Jahr schwänzen.

Die UBS gewährt nach eigenem Bekunden interessierten Kunden Einblick in die normierten Performance-Ausweise, will sie aber nicht veröffentlichen. Gleich halten es Migros-Bank und Julius Bär. Maerki Baumann und Pictet sind dabei, die Standards einzuführen. Gar keinen Kommentar gab es von Sarasin, Vontobel, Wegelin und der Zürcher Kantonalbank. Da müssen die Kunden wohl noch lange warten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.04.2009, 16:13 Uhr

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3 Kommentare

Felix Gerber

06.04.2009, 17:13 Uhr
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Wenn ich mich erinnere, wie mein VZ-Berater in den 1 1/2 Jahren meines Vermögensverwaltungsmandats die darin enthaltenen Werte regelrecht vergammeln liess, bis ich die Notbremse zog und ausstieg, frage ich mich, ob mit Gips (Global Investment Performance Standards) tatsächlich ein wirksames Werkzeug Einzug hält, oder weiterhin der Gips im Kopf des Beraters entscheidend sein wird. Antworten


Roger Sigrist

06.04.2009, 17:36 Uhr
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Vergleiche zwischen den Banken sind nur moeglich, falls das Composite identisch ist, ansonsten vergleicht man Aepfel mit Birnen. Bezueglich der aktiven Leistung: die ist sehr mager, von 2002 bis 2007 gings nur aufwaerts, der BM wurde nicht geschlagen, im 2008 gings nur abwaerts und auch hier wurde der BM nicht geschlagen. Wo bleibt da das aktive Management ? Antworten



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