Wirtschaft
Nationalbank will den starken Franken bändigen
Aktualisiert am 03.08.2011 238 Kommentare
Kaum Auswirkungen auf Hypotheken
Die Zinssenkung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) wird sich kaum auf den Hypothekarmarkt auswirken. Grund: Die Zinsen sind schon so tief, dass der Spielraum nach unten beinahe ausgeschöpft ist.
«Der Druck auf die Zinsen hat bereits stattgefunden», sagt Franz Würth, Sprecher der Raiffeisen Gruppe. «Die Frage ist eher, wie sich die letzten zwei Jahre auswirken», sagt auch Martin Scherrer, Bankenexperte beim Vergleichsdienst comparis.ch. Er verweist auf die früher höheren Zinsen. Die aktuelle Senkung passiere auf sehr tiefem Niveau und mache «den Braten nicht mehr feiss».
Dass die Anpassung grosse Auswirkungen hat, bezweifelt auch Thomas Rieder, Senior Economist bei der Credit Suisse. «Die Libor-Hypotheken könnten zwar schon am Donnerstag fünf Basispunkte günstiger sein», sagt er. Geringe Schwankungen könnten in den nächsten Wochen nicht ausgeschlossen werden. «Weiteren Spielraum gegen unten gibt es aber kaum noch», schätzt er. Bis Ende Jahr rechnet er aber auch nicht mit einer Erhöhung.
Libor-Hypotheken werden alle paar Monate angepasst. Hauskäufer müssen darum grundsätzlich abwägen, ob sie ihre Hypothek an dem momentan günstigen Zins orientieren und Schwankungen in Kauf nehmen oder über einen längerfristigen Zeitraum mit gleichen Zinssätzen rechnen wollen.
Dass die nun noch tieferen Zinssätze zu einer regelrechten Überhitzung antreiben, glaubt Rieder nicht. «Unsere Einschätzung zum Immobilienmarkt ändert sich durch die Anpassung nicht», sagt er.
Für den Hauseigentümerverband Schweiz (HEV Schweiz) ist er SNB- Zinsentscheid sowohl für die Eigentümer von Liegenschaften als auch für die Mieter positiv, da sie weiterhin von von tiefen Hypothekarzinsen profitieren könnten.
Den Banken und den Kreditnehmern rät er, die Sorgfalt bei der Tragbarkeitsberechnung für Hypothekarkredite zu verstärken. «Auch heute muss mit einem Tragbarkeitszins von 5 Prozent gerechnet werden, denn der Libor kann sehr schnell ändern», heisst es in einer Mitteilung. (sda)
Die Schweizerische Nationalbank stemmt sich gegen den starken Franken: Sitz in Zürich. (Bild: Keystone )
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Für einen Moment hat es so ausgesehen, als werde der Euro bald 1:1 zum Franken gehandelt. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) holt nun zu einem neuen Versuch aus, die für die Wirtschaft bedrohliche Frankenstärke zu dämpfen.
Wochenlang hatten an erster Stelle Exportindustrie und Tourismus, die am meisten unter der Frankenstärke leiden, die Währungshüter zu Massnahmen aufgerufen. Indem diese das Franken-Angebot in den Märkten erhöhen und die Zinsen senken, soll der nun «sichere Hafen» Franken für Investoren unattraktiver werden.
Unmittelbar nach der Ankündigung des Massnahmenpakets am Mittwochmorgen legte der Euro wie gewünscht zum Franken auf über 1.11 Franken zu, nachdem er davor ein historisches Tief unter 1.08 Franken erreicht hatte. Auch der Dollar erhob sich etwas von seinem Tiefststand bei knapp über 76 Rappen und stieg um 1.5 Rappen.
Erster Zinsschritt seit 2009
Konkret wollen die Währungshüter das Zielband für den geldpolitisch wichtigen Dreimonats-Libor von 0 bis 0,75 Prozent auf 0 bis 0,25 Prozent drücken. Das ist der erste Zinsschritt seit 2009, im Gegensatz zur europäischen Zentralbank macht die SNB (SNBN 1089 2.06%) aber eine Senkung. Höhere Zinsen, also teureres Geld, würden den sowieso schon stark nachgefragten Franken für die Investoren noch interessanter machen.
Dazu will die SNB den Investoren, die den Franken in den letzten Wochen immer höher schraubten, die Suppe mit einem grösseren Angebot etwas versalzen. Sie will mehr Franken in Umlauf bringen.
Um das zu bewerkstelligen, kauft die SNB unter anderem eigene Schuldverschreibungen zurück. Der Girobestand der Banken soll von derzeit 30 Milliarden Franken auf hohe 80 Milliarden Fr. ausgeweitet werden. Allerdings erhöht die SNB auf diesem Weg auch die Inflationsgefahr.
Skepsis bleibt
Wie viele seiner Kollegen wertet Credit-Suisse-Wirtschaftsanalyst Fabian Heller die Massnahmen als den Versuch der SNB, ein starkes Signal an die Märkte zu schicken: «Die SNB tut, was sie kann», sagte er dazu. Die Experten fragen sich allerdings, ob die Massnahmen über die kurze Frist hinaus wirklich greifen.
«Wenn die Märkte die Euro-Franken-Parität wollen, werden sie das austesten», sagte Ökonom Janwillem Acket von der Bank Julius Bär. Auch Börsenhändler sagten, der Grund für das Frankenhoch, die Schuldenkrise in Europa und den USA, sei durch die SNB nicht aus der Welt geschafft.
Problematische Devisenkäufe
Ohne den Kauf von Devisen sei es schwierig, die Frankenstärke zu bekämpfen, finden Bernard Lambert von der Genfer Bank Pictet und Daniel Kalt von der UBS. Während Politiker der grossen Parteien die SNB-Ankündigung begrüssten, bezeichneten die Schweizer Gewerkschaften das Programm als «Light-Paket».
Zuletzt 2009 und bis etwa Mitte 2010 hatte die Nationalbank grosse Summen an Euro eingekauft, um die Erstarkung des Frankens zu dämpfen. Die Interventionen endeten etwa zum gleichen Zeitpunkt, als sich die Krise um das hochverschuldete Griechenland immer deutlicher abzuzeichnen begann.
Das Problem weiteten sich in den folgenden Monaten zur Schuldenkrise in mehreren Ländern aus, die auch grosse Länder wie Italien und Spanien erfasste. Wegen des dramatischen Wertzerfalls der Gemeinschaftswährung muss die SNB inzwischen Milliardenverluste ausweisen.
Kritik aus der Politik
Wegen der Verluste in ihren Büchern haben die Währungshüter aus der Politik viel Kritik geerntet. «Man kann nun nicht mehr sagen, die SNB schaue tatenlos zu», sagte Janwillem Acket nach dem Massnahmenpaket vom Mittwoch. Die SNB handle in einer äusserst schwierigen Situation gezielt, so der Experte. (bru/sam/sda)
Erstellt: 03.08.2011, 09:02 Uhr
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238 Kommentare
Hat man sich einmal mehr den Reichen und Mächtigen gefügt. Sie sind nämlich die einzigen welche Geld verloren haben, Buchwert wohlgemerkt. Kein einziger Schweizer Bürger, kein einziger hat unter dem Franken gelitten, die Konjunktur ging weiter und die Auftragsbücher sind voll. Aber dem dummen Bürger kann man alles erzählen, es wird mehr Arbeitslose geben, aber gleichzeitig mehrarbeit fordern, klar Antworten
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