Wirtschaft

Spiel und Schutz mit Differenzlern

Von Felix Weber. Aktualisiert am 12.10.2009

Differenz-Kontrakte sind vielfältige Produkte. Mit ihnen kann man spekulieren oder ein Portfolio gegen Verluste absichern. Das kommt ganz aufs Temperament und die Ziele an.

Ganz für erfahrene Trader eingerichtet: Bildschirm der Saxo Bank.

Ganz für erfahrene Trader eingerichtet: Bildschirm der Saxo Bank.

Selbst wer schon Erfahrung hat im Online-Börsenhandel und sich gewohnt ist, am Computer Aufträge im Wert von vier- oder fünfstelligen Frankenbeträgen abzuwickeln, schluckt erst mal leer, wenn er vor dem SaxoTrader sitzt. Die Online-Handelsplattform des weltweit tätigen dänischen Finanzinstituts mit einer Schweizer Niederlassung ist mit aktuellen Informationen überfüllt; Fachbegriffe, Abkürzungen, Symbole und Charts prägen das Bild. Unaufhörlich blinken farbige Felder auf, gleichzeitig ändern sich mehrstellige Zahlen, mitunter schneller als im Sekundentakt. Einsteiger müssen erst mal lernen, sich mit dem System zurechtzufinden.

Dafür bietet Saxo Bank ihren Kunden Handelsmöglichkeiten, die sie bei den meisten andern Anbietern vergeblich suchen. Ein Beispiel dafür sind Differenzkontrakte (Contracts For Difference, CFD), die wie Optionen und Futures zu den Finanzderivaten gehören, aber spezielle, attraktive Eigenschaften haben.

Weniger Kapital nötig

Der Clou am CFD-Geschäft ist, dass der Marktteilnehmer nicht auf absolute Wertschriften-Kurse spekuliert, sondern auf Kursveränderungen. Ein Beispiel: Statt wie ein Aktienanleger an der Börse 100 Aktien à 300 Franken zu kaufen, ordert der Investor Differenzkontrakte der entsprechenden Aktie. Bei der Saxo Bank sind diese CFD typischerweise für einen Zehntel des Aktienpreises erhältlich, also für 30 Franken pro Stück.

Der CFD-Investor entscheidet sich für die gleiche Stückzahl wie der Aktienkäufer: 100 Stück. In diesem Fall muss er bei der Saxo Bank 3000 Franken (100 x 30) als Sicherheit (Margin) hinterlegen. Und was passiert? Trotz völlig unterschiedlichem Einsatz partizipieren beide Marktteilnehmer im gleichen Ausmass an den Kursschwankungen der Aktie X. Steigt diese beispielsweise von 300 auf 306 Franken, verdienen der Aktionär wie auch der CFD-Investor je 600 Franken. Der Unterschied zeigt sich erst am prozentualen Gewinn: Der Aktionär hat 2 Prozent verdient, der CFD-Investor hingegen 20 Prozent.

Das Risiko läuft mit

Natürlich funktioniert dieser Hebeleffekt auch in umgekehrter Richtung: Fällt die Aktie X, verliert der CFD-Investor prozentual zehnmal mehr als mit der Aktie.

Kritisch wird es, wenn sich der Kurs gegen 270 Franken bewegt: Weil dann praktisch die vom CFD-Investor hinterlegte Sicherheit verspielt ist, verlangt die Bank das Einschiessen von Neugeld (sogenannter Margin-Call). Trifft dieses nicht rechtzeitig ein, wird die Position von der Bank liquidiert, und der CFD-Investor erleidet einen Totalverlust.

Hätte der CFD-Investor den Kursrückgang der Aktie richtig vorausgesehen, hätte er aus der Abwärtsbewegung Profit schlagen können. Einfach indem er das Geschäft mit einem Verkauf statt einem Kauf begonnen hätte. Dazu hätte er sich die CFD von der Bank ausgeliehen und sofort für 30 Franken verkauft, in der Erwartung, sie später zu einem günstigeren Kurs zurückkaufen zu können. Mit CFD sind solche sogenannte Short-Trades (Leerverkäufe) gang und gäbe; mit Aktien hingegen ist dies in der Schweiz nicht möglich.

Auch zur Absicherung

Differenzkontrakte gibt es für Tausende von einzelnen Aktien, Aktienindizes, aber auch Rohstoffe. Sogar Zinsen kann man bei Saxo handeln. Mit allen diesen Instrumenten lässt sich nicht nur riskant spekulieren. Mit ihnen kann man auch Wertschriftendepots gegen Kursrückgänge absichern.

Um beispielsweise ein 50'000 Franken schweres SMI-Portfolio gegen Rückschläge abzusichern, verkauft man 8 CFD auf den SMI (8-mal der Indexstand von rund 6250 entspricht 50 000 Franken). Die Saxo Bank verlangt dafür eine Sicherheitshinterlegung von 6 Prozent, also rund 3000 Franken. Die Kosten betragen lediglich 24 bis 32 Franken. Das ist viel günstiger, als die Titel zu handeln. Dazu kommen allerdings noch Zinskosten für die 50'000 Franken, die beim gegenwärtig tiefen Zinsniveau weniger als 2,5 Prozent pro Jahr betragen.

Devisengeschäfte funktionieren ähnlich. Obschon sie nicht über CFD, sondern direkt abgewickelt werden, ist das Resultat das gleiche. Die Zinskosten, die in diesem Fall auf der Differenz der Zinsniveaus von USD und Franken basieren, sind zurzeit vernachlässigbar (siehe Box). Aber das kann sich jederzeit ändern. Wer permanent handelt, sollte die Zinsen nicht aus den Augen verlieren.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.10.2009, 15:14 Uhr

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