Spott und Ablehnung für die Gold-Ideen des Weltbank-Präsidenten

Der Vorschlag von Robert Zoellick zündet nicht: Eine Rückkehr zum Goldstandard lenkt nur von den Ursachen der Währungskrise ab, sagen Kritiker.

Goldbarren-Herstellung im Tessin: Der Vorschlag einer Rückkehr zum Goldstandard stösst auf Kritik.

Goldbarren-Herstellung im Tessin: Der Vorschlag einer Rückkehr zum Goldstandard stösst auf Kritik. Bild: AFP

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Der Vorschlag von Robert Zoellick könnte dem Rezeptbuch der Tea Party entnommen sein. Die Wiedereinführung des Goldstandards ist eine Lieblingsidee von Ron Paul, einem der geistigen Väter der ultrakonservativen Bewegung, und wurzelt in der Überzeugung, dass die Notenbanken weltweit die Märkte nach Belieben manipulieren und über kurz oder lang das Notengeld zerstören. Nur wenn die Notenbank die Geldmenge erneut mit Goldreserven unterlegt, so die Überlegung, werden sie zu Disziplin gezwungen, da Gold – im Unterschied zu Papiergeld – nur begrenzt vorhanden ist.

Gold als alternative Währung

Dass Zoellick aus heiterem Himmel diese Idee aufgegriffen und in einem Gastbeitrag der «Financial Times» kurz vor dem G-20-Gipfel öffentlich vertreten hat, ist allerdings nicht ganz überraschend. Angesichts der akuten Verstimmung über die lockere Geldpolitik der US-Notenbank und der gehässigen Schuldzuweisungen wegen der unterbewerteten chinesischen Währung steht die Weltbank unter Erfolgsdruck. Sie droht, von der Gruppe der G-20-Länder, die 85 Prozent der globalen Wirtschaftsproduktion ausmachen, an den Rand gedrängt zu werden. Zoellick wartet denn auch mit einem umfangreichen neuen Währungsmodell auf, das er als Bretton Woods II verstanden haben will, als Nachfolger mithin des nach dem Zweiten Weltkrieg geschmiedeten Währungsverbunds, der auf dem US-Dollar als Leitwährung und dem Goldstandard aufbaute, aber 1971 zusammenbrach.

«Obwohl die Lehrbücher Gold als altes Geld bezeichnen, brauchen die Märkte heute Gold dennoch als alternative Währung», hält Zoellick korrekt fest. Gold befindet sich seit zehn Jahren in einer konstanten Aufwertung und durchbrach gestern – wie als Bestätigung von Zoellicks Intervention – erstmals die Marke von 1400 Dollar pro Unze. Gemäss dem Weltbank-Chef müsste ein neues Währungsmodell zunächst die fünf grossen Devisen, den US Dollar, den chinesischen Renminbi, das britische Pfund, den Euro und den japanischen Yen umfassen. Zusätzlich sollte Gold wieder als Fixpunkt für die Inflationsund die Deflationserwartungen sowie die künftigen Währungsbewertungen dienen, so Zoellick, der die Weltbank seit 2007 führt. Er gilt als gemässigter Republikaner und arbeitete unter anderem im Finanzministerium, als die USA in den 80er-Jahren die letzte grosse Liberalisierung im Welthandel (UruguayRunde) anstiessen. Damals wie heute drohen protektionistische Eingriffe, wozu der Entscheid der US-Notenbank, weitere 600 Milliarden Dollar in den Finanzkreislauf zu spülen, zählt. Der Preis dafür ist die Abwertung des Dollars bzw. die Aufwertung von den in Dollar gehandelten Rohstoffen wie Gold und Silber.

«Stupidest man alive»

Vor diesem Hintergrund brauchte Zoellick für Spot nicht zu sorgen. BerkeleyÖkonom Brad de Long sprach von einer beschleunigten Deflationsspirale und verlieh dem Weltbank-Chef den Titel des «stupidest man alive», ein Urteil, das Nobelpreisgewinner Paul Krugman noch als zu gnädig erachtet. «Was für ein Problem hofft Zoellick mit Gold zu lösen?», so Krugman. Der Goldstandard hat sich überholt, meint auch die UBS. «Jede Währungsreserve muss eine Reserve aufweisen, die mit dem globalen Handel Schritt halten kann», so die Bank in einer kurzen Notiz. «Gold erfüllt diese Bedingung in keiner Weise.»

Wie gross die Kluft ist, zeigt eine Studie von McKinsey für das Jahr 2008. Damals betrugen die weltweiten Einlagen im Bankensystem 61 000 Milliarden Dollar, denen die Notenbanken Goldreserven von nur 1300 Milliarden Dollar entgegenstellen konnten. Eine solch massive Unterdeckung würde lediglich die Tür zu noch grösseren Manipulationen öffnen, wie auch Martin Wolf, Chefökonom der «Financial Times», festhält. Gold habe nur so lange als Fixstern funktioniert, als die Leute an dessen preisstabilsierende Wirkung glaubten. Dieser Glaube sei verschwunden. «Wir können nicht mehr im 19. Jahrhundert leben, und so zu tun als ob, ist nur töricht.» (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 09.11.2010, 14:38 Uhr)

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