Wirtschaft
Titel, die den Fondsmanager interessieren
Von Nadja Siebenmann. Aktualisiert am 06.12.2010 1 Kommentar
Ralf Rybarczyk: Ralf Rybarczyk ist Senior Fund Manager Equities bei DWS in Frankfurt und verantwortlich für europäische und Schweizer Aktienfonds, darunter den DWS Aktien Schweiz.
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Herr Rybarczyk, Sie treffen häufig Investoren. Wie ist ihre Stimmung?
Im Vergleich zum Jahresbeginn sind die Anleger tendenziell wieder optimistischer für Aktien, auch, weil die Renditen an den Geld- und Anleihenmärkten sehr tief sind.
Sind die Bewertungen von Schweizer Aktien gerechtfertigt?
Ja. Wir haben teilweise höhere Gewinne als 2007, und die Unternehmen produzieren momentan extrem effizient, auch wegen der Kurzarbeit. Das wirkt wie ein Hebel. Ausserdem gibt es Unternehmen wie Swatch, die Rekordumsätze in Aussicht stellen. Im erdölnahen Bereich oder in der Energiebranche sind die Kapazitätsgrenzen überdies noch nicht erreicht. Insgesamt entsprechen die Bewertungen dem langfristigen Durchschnitt. Wir haben keine Überbewertung.
Wo steht der SPI Ende 2010?
Gut möglich, dass wir dann dort stehen, wo wir uns heute befinden. Die Stimmung ist derzeit zu unbekümmert. Deshalb halte ich jetzt auch höhere Kassabestände. Bis vor kurzem war das noch ganz anders. Da glaubten die Investoren, die Märkte könnten wegen der 600 Milliarden von der amerikanischen Notenbank gar nicht fallen.
Sie meiden Aktien von Schweizer Versicherern. Weil diese viele europäische Staatsanleihen besitzen?
Vor allem wegen der niedrigen Zinsen, mit denen sie kaum mehr Geld verdienen, aber auch wegen des Anleihenrisikos.
Sie haben Aktien von Credit Suisse verkauft. Warum?
Wir glauben, dass Pharmaaktien aktuell mehr Potenzial haben als Bankaktien und haben kürzlich unsere RochePosition aufgestockt. Nach der Genentech-Fusion waren wir für Roche sehr skeptisch und lagen damit nicht falsch. Aber die Aktie ist doch ziemlich stark gefallen.
Ein Thema für Export-Unternehmen sind Währungen. Gewinnt der Franken noch mehr an Wert?
1.30 Franken pro Euro sind zwar fair, aber der Euro könnte über die nächsten zwölf Monate bis auf 1.10 Franken fallen. Die Baisse wird schubartig erfolgen.
Sie haben in den letzten Tagen verschiedene Firmenchefs besucht. Ist der starke Franken ein Thema?
In vielen Unternehmen wird bereits dort produziert, wo verkauft wird. Wenn der Euro sinkt, sinken auch die Produktionskosten. Der Wechselkurs ist nur ein Kriterium. Wenn sie eine dominierende Marktstellung oder ein Superprodukt oder beides zugleich haben, können sie auch höhere Preise durchsetzen. Das gilt selbst für Firmen wie Geberit, die in der kriselnden Bauindustrie tätig sind. Und auch in der Zementbranche sehen wir erste Preiserhöhungen.
Hören Sie, dass Schweizer Unternehmen wegen des starken Frankens Jobs in die EU oder in die USA verlagern werden?
Ein Grossteil der Stellenauslagerungen ist bereits vollzogen worden. Ich denke nicht, dass wir eine grössere Exoduswelle erleben werden.
Sie haben viele konsumnahe Aktien im Depot. In vielen Ländern Europas sinkt die Konsumentenstimmung und die Detailhandelsumsätze fallen.
Das trifft nicht für die Hersteller von Luxusgütern zu, die einen Grossteil ihrer Umsätze in Asien und Lateinamerika erwirtschaften. Sie profitieren vom dortigen Boom und werden voraussichtlich Rekordzahlen ausweisen.
Welche Branchen haben Ihrer Meinung nach noch Kurspotenzial?
Vor allem Rohwaren und Energie.
Sie setzen auch auf Schweizer Nebenwerte. Glauben Sie, dass diese die grossen Standardwerte übertreffen werden?
Der DWS Aktien Schweiz ist grösstenteils in Aktien grosser Unternehmen investiert und mischt Small und Mid Caps zu etwa einem Drittel bei. Diese kleineren Werte sind deshalb so interessant, weil sie häufig in Nischen mit äusserst hohen Margen tätig sind und zu den weltweit dominierenden Unternehmen in ihren Märkten zählen.
Irland hat gezeigt, dass die Grosswetterlage sehr instabil ist. Finden Sie den Vorschlag der deutschen Regierung, die Gläubiger von Staats- und Bankschulden künftig zur Kasse zu bitten, gut?
Ja. Er ist ein sinnvoller Beitrag, um eine dauerhafte Lösung zu finden. Zurzeit schieben wir die Schuldenprobleme ja nur auf. Dadurch steigt aber die Sorge der Anleger darüber, wie sicher ihre Anleihen sind. Rechnet man den Einfluss der Aufkäufe durch die Notenbanken heraus, wären die Zinsen wohl noch viel höher.
Wer zählt zu den Gläubigern der irischen und griechischen Schulden?
Interessanterweise auch wieder der Steuerzahler, nämlich indirekt über die Europäische Zentralbank (EZB), die den Banken die ganzen Staatsanleihen abgekauft hat. Daneben besitzen noch Banken, vor allem viele Landesbanken, solche Anleihen. Wenn die EZB wegen dieser Anleihen Verluste macht, kann sie den Ländern keine Gewinne mehr auszahlen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 06.12.2010, 14:11 Uhr
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Economiesuisse sieht den Euro 2011 bei 1.33, Rybarzcyk bei 1.10. Die CS sieht 2011 keine Krisenherde, die Economiesuisse sieht deren 3. Und dass der Steuerzahler einmal mehr die Krise zahlt, ist nicht (Zitat:) "interessant", sondern logisch und unumgänglich. Der Steuerzahler zahlt letztlich ausnahmslos alles. Das ändert sich erst, wenn das aktuelle Wirtschaftssystem abdankt. Antworten




