Wirtschaft
US-Börsenaufsicht klagt gegen den Erfinder der UBS-Schrottpapiere
Thomas Priore
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Die amerikanische Börsenaufsicht SEC macht Ernst mit Klagen gegen die grossen Spieler im gefallenen Markt der Subprime-CDO (Schrotthypotheken). Kein Wunder, denn der amerikanische Staat hat über die Rettung des Kreditversicherers AIG 182 Milliarden Dollar in diesem Geschäft verloren. Erst kam die Klage gegen Goldman Sachs, ( 96.7 -0.17%) diese Woche hat es Thomas Priore erwischt. Priore war der Erfinder des CDO-Geschäfts in der UBS-Investmentbank, und dieselbe UBS (UBSN 11.15 -0.89%) war später seine Klientin.
Schillernde Karriere
Prione soll laut Anklage für Dutzende von Millionen Gebühren ergaunert haben. Obwohl erst 42, hat Prione eine schillernde Karriere hinter sich. 1990 fiel er erstmals auf, nicht als Banker, sondern als Spielmacher der Football-Mannschaft der Harvard University. Seine Mannschaft verlor jedoch das entscheidende Spiel – Priore wurde Banker.
1999 kreierte Priore bei der Investmentbank PaineWebber den ersten CDO. Kurz darauf waren die Produkte zuhauf in den Depots der Kunden. Entlarvend ist, was Priore 2008 über diese Zeit sagte: «Der Zweck der CDO war nie, eine attraktive Investitionsmöglichkeit für die Kunden zu kreieren, sondern für die Bank Gebühren zu scheffeln.» Als die UBS im Jahr 2000 PaineWebber übernahm, kassierte Priore mit. Und war schnell weg. 2004 kaufte er die Institutional Credit Partners (ICP). Innert kürzester Zeit schaffte er es, Gelder in der Höhe von 22 Milliarden Dollar zu verwalten.
Keine gute Hinterlassenschaft
Das Hauptgeschäft war wiederum, CDO zu kreieren und zu verkaufen. Einer dieser CDO, der 2006 für 11 Milliarden Dollar Anteile verkaufte, war Triaxx. Anteile von Triaxx verhökerte Priore an zwei Banken, nämlich Goldman Sachs und seinen ehemaligen Arbeitgeber UBS. Chef der UBS-Investmentbank und eines UBS-eigenen Hedgefonds war zu dieser Zeit John Costas. Costas war einer der Ersten, der bei der UBS wegen Milliardenverlusten gehen musste, und er war der, der dabei die meisten Millionen mitnahm. Triaxx war keine gute Hinterlassenschaft. Innert zwei Jahren wurde das Investment um zwei Drittel abgeschrieben. Die UBS hatte 1,5 Milliarden Dollar Triaxx in den Büchern. Ein Glück für die Schweizer Grossbank war, dass sie den Kredit versichert hatte, nämlich bei der AIG. 3,8 Milliarden Franken bekam die UBS letztes Jahr dank solcher Kreditversicherungen vom amerikanischen Steuerzahler, einen Grossteil wegen Triaxx.
Die grosse Zeit von Priore kam 2008, als Bear Stearns ins Wanken geriet. Er gehörte zu den grossen Käufern der abgeschriebenen Schrottpapiere. Da seine ICP zu wenig Geld hatte, nahm sie Kredite auf relativ sichere CDO auf, die nicht ihr, sondern dem verwalteten Vermögen von Triaxx gehörten.
Absage in letzter Sekunde
Anfang dieses Jahres kreuzten sich die Wege Priores und Costas wieder. Damals kam es zu Kündigungen bei ICP, namentlich der Chef der Kapitalmarktabteilung verliess ICP im Streit. Doch offenbar gelang es Priore trotzdem wieder, Costas einen grossen Deal anzudrehen. Costas gab vor zwei Monaten bekannt, dass seine PrinceRidge die ICP kaufen würde. Man hatte grosse Pläne im Investmentbanking.
Als ruchbar wurde, dass die SEC ermittelt, hat Costas den Deal in letzter Sekunde abgesagt. Inwiefern die Affäre für die UBS abgeschlossen ist, wird sich zeigen. Denn der Staat will mindestens einen Teil der Auslagen von AIG zurück. Im Mai wurde publik, dass das US-Justizministerium mit der Börsenaufsicht SEC eine Voruntersuchung gegen verschiedene Banken, darunter die UBS, eröffnet hat. Es soll geklärt werden, ob Investoren in die Irre geführt wurden. Bereits im vergangenen Sommer erhielt UBS eine Editionsverfügung der SEC, die damit umfassende Informationen über das CDO-Geschäft einforderte. Die UBS wollte zu den Ermittlungen nicht Stellung nehmen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 25.06.2010, 10:13 Uhr





