Wirtschaft
Warum die Börse trotzdem zulegt
Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 05.04.2011 20 Kommentare
Die Krisen schlagen bisher kaum auf die Börse durch: Eine Händlerin wirft sich an der deutschen Börse während der Fastnacht in eine Römeruniform. (Bild: Keystone )
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Während aktuell weltweit gleich eine ganze Reihe von Krisenherden laufend die News dominieren, scheint das die Börsen weltweit kaum zu berühren. Seit Mitte März legen sie praktisch überall zu: Der Schweizer Index SMI ist seither zum Beispiel um 7 Prozent angestiegen, der amerikanische Dow Jones um 7,3 Prozent und selbst der japanische Nikkei um 11,7 Prozent – trotz der Tsunami-, Erdbeben- und Atomkatastrophe im Land. Neben dem Drama in Japan wären für gewöhnlich auch die steigenden Ölpreise – die Sorte Brent kostet bereits mehr als 120 Dollar pro Fass –, die Sorge vor steigenden Zinsen und die Angst vor einem Taucher in aufstrebenden, überhitzten Volkswirtschaften Grund genug für sinkende Aktienkurse. Auch die Euro-Krise ist alles andere als überwunden, wie die rekordhohen Risikosätze für Portugal dieser Tage zeigen.
Warum zeigen sich die Aktienkurse von all dem unbeeindruckt? Claude Zehnder, Chefanalyst der Zürcher Kantonalbank, verweist darauf, dass andere Faktoren überwiegen. Die wichtigsten Treiber von Börsenkursen sind schliesslich die Unternehmensgewinne. Hier zeigen sich laut Zehnder keine Hinweise für einen Einbruch. Im Gegenteil. Gemessen an den jüngsten Wachstumsdaten scheinen die wichtigsten Wirtschaftsblöcke der Welt deutlich zu wachsen.
Optimismus von der Konjunkturfront
In den USA hat zum Beispiel der Arbeitsmarktbericht vom letzten Freitag positiv überrascht. Zwar ist die Arbeitslosigkeit dort mit 8,8 Prozent noch immer sehr hoch, doch die Erholung der Wirtschaft zeige sich nun doch auch an den Arbeitsmärkten, was laut Zehnder ein gutes Zeichen ist. Die Krise in Europa sei für die Aktienmärkte so lange nicht besonders belastend, als sie relativ kleine und wirtschaftlich weniger bedeutsame Länder betreffe. Die grossen Länder, allen voran Deutschland, zeigen ebenfalls ein starkes Wachstum. Gegen einen baldigen Absturz an den Börsen spricht auch, dass die Aktien gemessen an historischen Bewertungskennzahlen wie dem Kurs-Gewinn-Verhältnis momentan billig zu haben sind.
Daraus lässt sich allerdings auch keine kommende starke Hausse ableiten. Denn historisch tiefe Kurs-Gewinn-Verhältnisse bedeuten umgekehrt höhere Risikoprämien. Sie stehen momentan für die tatsächlich vorhandenen Risiken. Die grössten gehen von weiter steigenden Ölpreisen und höheren Zinsen aus. Sollten die Ölpreise zum Beispiel auf 150 Dollar pro Fass steigen, geht auch Claude Zehnder von der ZKB von einem spürbaren Dämpfer für die Aktienmärkte aus. Japan belastet die Aktienmärkte so lange nicht mehr, wie die Angst um die Stadt Tokio – den Wirtschaftsmotor der japanischen Wirtschaft – nicht wieder aufkommt. Der Analyst weist allerdings darauf hin, dass die «Risiken» in beide Richtungen bestehen. Wenn etwa die Ölpreise deutlich sinken – dann haben die Aktien tatsächlich ein starkes Aufwärtspotenzial.
Kein Zinsschock zu erwarten
Dass die Zinsen steigen werden, dürften die Märkte insgesamt bereits erwarten. So geht man auf den Märkten generell davon aus, dass die Europäische Zentralbank am Donnerstag ihren Leitzins anheben wird. Ein ähnlicher Schritt wird in den USA gegen Ende Jahr erwartet und in der Schweiz im zweiten Halbjahr. In den USA rechnen die Marktbeobachter zudem generell damit, dass die Notenbank ihr «Quantitative Easing 3»-Programm im Sommer auslaufen lässt. Damit kauft sie im Umfang von 600 Milliarden Dollar Staatsschulden auf. Ein möglicher Effekt könnten danach steigende Langfristzinsen sein. Wie Zehnder betont, würde aber selbst nach den erwarteten Massnahmen der Zentralbanken die Geldversorgung der Wirtschaft eher expansiv bleiben.
Daher glaubt der ZKB-Chefanalyst nicht an einen Zerfall der Aktienkurse auch bei einem Anstieg der Zinsen. Dafür hält er das Gesamtbild für zu gut. Eine «Pause» an den Märkten hält er aber durchaus für möglich. Befragt nach den Branchen setzt Zehnder – seinem Konjunkturoptimismus folgend – vor allem auf zyklische Branchen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 05.04.2011, 12:54 Uhr
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20 Kommentare
Die Börse legt deshalb zu, weil das viele billige QE Geld die Aktienkurse stützt. Die erwarteten Profite, die diese Kurse rechtfertigen würden, sind nicht realisierbar. Speziell nicht, weil durch die inflationären Tendenzen (z.B. Rohstoffpreisen) die Margen unter Druck geraten werden. Eine Korrektur steht also an. Wir leben in einer Plutonomie, Aktien gehören wenigen, deshalb QE. Antworten
Der Hauptgrund ist ganz klar QE2, dank diesem sind die Zinsen seit Monaten auf Rekordtief und da die meisten grossen prof. Anleger mit viel Fremdkapital operieren, haben sie viel mehr "Pulver" zur Verfügung. Also Börsenhausse sponsored by FED. Verdienen können nur die Reichen, der Durchschnittsbürger hat nix davon. Die Schulden (600Mia allein QE2) zurückzahlen hingegen können die Steuerzahler! Antworten


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