Warum die Leute noch immer Gold kaufen
Von Marc Badertscher. Aktualisiert am 23.02.2010 17 Kommentare
Eine Unze Gold zu schürfen, kostet einen Minenbetreiber rund 350 Dollar. Das ist gegenwärtig der Produktionspreis für das schöne Metall. Gewinne sind damit garantiert: Auf den Weltmärkten konnten die Minenkonzerne das Gold gestern für 1120 Dollar pro Unze verkaufen. Das sind gut 200 Prozent Marge.
Die Furcht treibt
Innert weniger Jahre hat sich der Verkaufspreis damit verdoppelt. Vorsicht Blasengefahr, sagen die Warner. Die Preisexplosion sei fundamental nicht erklärbar, sondern nur mit der Psychologie der Käufer. Nichts wissen von ungerechtfertigten Preisen will Peter Munk, das 83-jährige Urgestein der Goldbranche. Die Psyche der Anleger ist allerdings auch beim «Baron», wie sie den Gründer und Präsidenten des weltgrössten Minenbetreibers Barrick in der Branche nennen, zentral.
Doch anders als bei vergangenen Blasen ist es nicht die Gier, welche die Anleger treibt, sondern die Furcht. «Wir sitzen hier am Beginn einer neuen Welt. Einer Welt, die Unsicherheiten mit Ängsten kombiniert», sagt Munk an einem Investorentreffen in Zürich. Weltweiter Terrorismus, finanzieller Kollaps von Firmen, Erstarken des Nationalismus, Chinas Powerplay, schwacher Euro, schwacher Dollar, schwache Staatsfinanzen. Munk kann minutenlang aufzählen. «Wir haben den Optimismus verloren. Immer mehr Leute glauben das, und ich sehe nichts, das diesen Trend brechen könnte.» Die Konsequenz: Die Leute flüchten ins Gold, in Sicherheit. Es erstaunt nicht, dass Munk steigende Kurse prognostiziert: Solange Gold zulegt, so lange werden die Aktien seiner Barrick gekauft. Er sagt das ganz unverblümt: «Wir können gegenüber den Aktionären nur Leistung bringen, wenn der Goldpreis steigt.»
Notenbanken legen zu
Reine Werbung in eigener Sache ist die Goldprognose dennoch kaum, denn Munks Worten entsprechen Taten: Vor einigen Wochen hat sich Barrick von der letzten Absicherung gegen einen fallenden Goldkurs getrennt. «Ein 5-Milliarden-Dollar-Statement für unsere Überzeugung», wie ein Geschäftsleitungsmitglied sagt. Die Furcht der Anleger ist dabei nicht der einzige Grund für Barrick, die Versicherung bleiben zu lassen. Da sind zum Beispiel noch die Notenbanken. Bis vor kurzem traten sie unter dem Strich als Verkäufer von Gold auf und haben damit dämpfend auf den Preis gewirkt. Seit letzten Sommer kaufen sie indessen mehr als sie verkaufen (siehe Grafik).
«Was Gold treibt, ist eine sich verändernde Welt», sagt Munk. Und damit verlieren traditionelle Goldfaktoren wie zum Beispiel die Goldschmiede und die Industrie an Bedeutung. Bisher hatten sie grossen Einfluss auf den Goldpreis. Wurde wegen einer Rezession weniger Gold in Schmuck oder Geräten verarbeitet, sank auch der Preis. Diese Zeiten sind vorbei. Letztes Jahr wurde zum ersten Mal weniger Neugold verarbeitet als Altgold. Und trotzdem stieg der Preis an. «Ich selber hasse es, in einer Welt zu leben, in der Gold die einzig verbliebene Sicherheit ist», sagt Munk. Aber so sei nun mal die Realität. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 23.02.2010, 13:20 Uhr
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