Wer 2016 die grösste Lohnerhöhung kriegt

Eine Umfrage unter Personalchefs zeigt, wer auf einen Zustupf hoffen darf und wer nicht.

Dieses Jahr steigen die Löhne im Durchschnitt um 0,72 Prozent.

Dieses Jahr steigen die Löhne im Durchschnitt um 0,72 Prozent. Bild: Christian Beutler/Keystone

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Die Beschäftigten im Bildungswesen und im Informatiksektor erhalten dieses Jahr die grössten Lohnerhöhungen, am knausrigsten sind die Medien- und Telekommunikationsbranche und die Energiewirtschaft. Das zeigt die bedeutendste repräsentative Umfrage unter den Schweizer Personalchefs, die der Sonntags-Zeitung vorliegt. Die St. Galler Beratungsfirma Know.ch befragte zwischen Mitte Februar und Anfang März die Personalleiter von 755 Firmen aus der ganzen Deutschschweiz. Geantwortet haben 335 Unternehmen, die rund 615'000 Angestellte vertreten.

Im Durchschnitt steigen die Löhne um 0,72 Prozent. Der Dienstleistungssektor ist grosszügiger als die Industrie: Die Dienstleistungsfirmen erhöhen die Löhne im Schnitt um 0,83 Prozent, bei Industriefirmen sind es 0,56 Prozent.

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Viele Firmen beschliessen Nullrunde

Auffallend ist der hohe Anteil von Firmen, die eine Nullrunde beschlossen haben. Bei gut jeder fünften Firma gibt es keine Lohnerhöhung. In den Medien und der Telekommunikation gewähren drei Viertel der Firmen gar keine Lohnerhöhungen, in der Chemieindustrie, der Energiebranche, der Pharmaindustrie und im Gastgewerbe sind es ein Drittel bis knapp die Hälfte. Von Nullrunden betroffen sind vor allem die Angestellten in grösseren Firmen mit 5000 bis 10'000 Angestellten.

Der Trend zur Marginalisierung genereller Lohnerhöhungen, der sich seit Aufhebung der Eurountergrenze durch die Nationalbank noch verstärkt hat, hält weiter an. Bei 16 Prozent der Firmen gibt es gar keine generelle Lohnerhöhung. Hingegen gewähren 94 Prozent individuelle Erhöhungen. Am weitesten verbreitet sind generelle Lohnerhöhungen noch in der Pharma- und der Chemieindustrie.

Kaufkraft steigt dankt negativer Teuerung

«Über alles gesehen sind die Lohnerhöhungen weiterhin verhalten», sagt Andreas Kühn, Geschäftsführer von Know.ch. «Doch es gibt Branchen, in denen das nicht zutrifft und die Lohnerhöhungen fast schon Werte erreichen, die vor Beginn der Finanzkrise 2009 üblich waren. Insofern scheint sich eine Schere zu öffnen, die einen Ausblick auf die weitere Wirtschaftsentwicklung bietet.»

Einziger Trost für alle, die lohnmässig stecken bleiben, ist die erwartete negative Teuerung in diesem Jahr. Angesichts sinkender Preise steigt die Kaufkraft der Beschäftigten. Die Nationalbank rechnet mit einer Inflationsrate von –0,5 Prozent. Trifft diese Prognose zu, bleiben den Lohnempfängern durchschnittlich 1,2 Prozent mehr Geld in der Tasche.

Grössere Unternehmen rechnen mit Stellenabbau

Eine Schere zeigt sich auch bezüglich der Entwicklung der Beschäftigung. In der Pharma- und der Metallindustrie will jedes fünfte Unternehmen in diesem Jahr neue Stellen in der Schweiz schaffen. In der Medien- und Telekommunikationsbranche glaubt hingegen jedes zweite Unternehmen, dass es Stellen abbauen wird, im Baugewerbe sind es 38 Prozent, in der Energiebranche 31 Prozent der Unternehmen.

Insgesamt erwarten 14 Prozent der Unternehmen eine Beschäftigungszunahme, 17 Prozent eine Abnahme und 69 Prozent keine Veränderung. Auffallend ist, dass grössere Unternehmen mit 5000 bis 10'000 Beschäftigten überdurchschnittlich häufig mit einem Stellenabbau rechnen.

Wachstumsprognose nach unten korrigiert

Angesichts der Frankenstärke und der Exportschwäche erfreulich ist die Tatsache, dass 19 Prozent der Unternehmen von einer Verbesserung der Geschäftsentwicklung im laufenden Jahr ausgehen. 14 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung, 67 Prozent mit keiner Veränderung. Am optimistischsten sind die Hersteller von elektrischen, elektronischen und optischen Produkten: 34 Prozent sehen eine Verbesserung der Geschäftsentwicklung. Pessimistisch ist dagegen die Branche Energie, Wasser, Entsorgung, wo kein Unternehmen von einer Verbesserung ausgeht, dafür 62 Prozent eine Verschlechterung annehmen. Das ist kein Wunder angesichts der schlechten Zahlen von Energiekonzernen wie Axpo, Alpiq oder BKW.

Nach den Turbulenzen an den Finanzmärkten und der konjunkturellen Abschwächung in China in den ersten Wochen des Jahres haben bereits erste Konjunkturforscher ihre Wachstumsprognosen nach unten korrigiert. So erwarten die Forscher von BAK Basel für das laufende Jahr noch ein Wachstum des Bruttoinlandprodukts von 0,8 statt wie bisher 1,1 Prozent. 2017 soll sich das Wachstum auf 1,5 Prozent beschleunigen. Die Schweiz würde damit im dritten Jahr in Folge ein im Vergleich zum Euroraum schwächeres Wachstumstempo aufweisen. (SonntagsZeitung)

(Erstellt: 14.03.2016, 11:06 Uhr)

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