Ein «Expresskredit» kann ins Elend führen

Auf dem Weg zu einem Konsumkredit liegen Stolpersteine, die man umgehen sollte.

Geld für eine grössere Anschaffung: Ein Kunde sucht sich bei einem Elektrohändler einen Fernseher aus. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Geld für eine grössere Anschaffung: Ein Kunde sucht sich bei einem Elektrohändler einen Fernseher aus. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

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Januarloch. Ebbe im Portemonnaie und auf dem Bankkonto. Was liegt da näher, als einen Kleinkredit aufzunehmen, zumal einige Banken mit Tiefzinsen unter 5 Prozent werben? So verlockend solche Angebote auf den ersten Blick erscheinen – sie bergen Gefahren. Um eine dauerhafte Verschlechterung der Finanzlage zu verhindern, empfiehlt es sich, ein paar Regeln zu beachten:

Schonungsloses Budget aufstellen

Die goldene Regel lautet: Man sollte nie versuchen, ein Budget mithilfe eines Kredits wieder ins Lot zu bringen. Übersteigen die regelmässigen Ausgaben die Einnahmen, verschlimmert ein Kredit die Situation nur noch. Er behebt zwar kurzfristig die Zahlungsschwierigkeiten, verschärft aber längerfristig die Probleme. Nicht von ungefähr sagt Mario Roncoroni, Co-Leiter der Berner Schuldenberatung: «Kredite sind nur sinnvoll, wenn zum Beispiel infolge einer grösseren Anschaffung ein vorübergehender Zahlungsengpass zu überbrücken ist. Es muss klar sein, dass das Budget danach sowohl für die notwendigen Ausgaben als auch für die Rückzahlung des Kredits inklusive Zinsen ausreicht.»

Ob dem so ist, lässt sich klären, indem man eine Budget-Tabelle ausfüllt, wie sie auch im Internet zu finden ist (etwa unter Schuldeninfo.ch > Monatsbudget). Mario Roncoroni warnt davor, sich auf die gesetzlich vorgeschriebene Kreditfähigkeitsprüfung der Bank zu verlassen: «Man sollte selber ein schonungsloses Budget aufstellen, das wirklich alle Ausgabenposten einschliesst, auch die Steuern und die ‹schwarzen Löcher› wie Ausgaben in der Beiz, grössere Geschenke, Zigaretten und so weiter. Es zahlt sich nicht aus, sich einen Kredit in die Tasche zu lügen.»

Werbung nicht für bare Münze nehmen

Viele Werbeversprechen von Kreditinstituten sind zu schön, um wahr zu sein – zumindest für den Durchschnittskunden. «Derzeit wird mit Zinsen ab 4,5 Prozent geworben, doch die meisten Kunden zahlen letzten Endes zwischen 7,9 und 9,9 Prozent», weiss Marc Parmentier, Bankenexperte beim Vergleichsdienst Comparis. Der Grund: Die beworbenen Tiefzinsen sind an viele für die Konsumenten nicht transparente Bedingungen geknüpft. Von den tiefsten Zinsen profitieren nur Kreditnehmer mit der höchsten Bonität. Je riskanter die Kreditvergabe für die Bank, desto höher fällt der Zins aus. Erlaubt sind seit Juli 2016 noch maximal 10 Prozent, vorher waren es 15 Prozent. Es lohnt sich, bei einigen Instituten je eine konkrete Offerte einzuholen und die Konditionen zu vergleichen.

Unseriöse Anbieter meiden

Wegen der Senkung des Maximalzinssatzes von 15 auf 10 Prozent haben die Banken ihre Bonitätsanforderungen erhöht. Somit gelten Konsumenten mit ungünstigem Risikoprofil wie Alleinerziehende, Rentner oder Ausländer mit befristeter Aufenthaltsbewilligung oft nicht mehr als kreditwürdig. Sie sind gezwungen, auf dubiose Anbieter auszuweichen, die mit zweifelhaften Inseraten das Internet überschwemmen.

Solche Anbieter erkennt man etwa daran, dass sie schon vor der Kreditvergabe eine Gebühr verlangen (was das Gesetz verbietet). Oder daran, dass sie einen «Sofortkredit» oder «Expresskredit» versprechen. Auch dies ist nicht mehr erlaubt, seit das Konsumkreditgesetz vorschreibt, dass Privatkredite zwischen 500 und 80 000 Franken erst nach einer Wartefrist von 14 Tagen ausbezahlt werden dürfen. So lang haben Konsumenten Zeit, einen unterschriebenen Vertrag kostenlos zu widerrufen.

Die Alarmglocken sollten beim Konsumenten auch läuten, wenn ihm ein Kredit «trotz Betreibungen», «ohne Bonitätsprüfung» oder «ohne ZEK» versprochen wird. Letzteres meint einen Kredit ohne Nachfrage bei der Zentralstelle für Kreditinformation (ZEK). Banken sind jedoch gesetzlich verpflichtet, jeden Interessenten einer Kreditfähigkeitsprüfung zu unterziehen und jede Kreditanfrage der ZEK respektive der Informationsstelle für Konsumkredit (IKO) zu melden. Hinter solchen Angeboten verstecken sich daher oft Betrüger, meist aus dem Ausland.

Kreditsuchende sollten online im Handelsregister nachschauen, ob der vorgesehene Kreditgeber überhaupt einen Firmensitz in der Schweiz hat (unter Zefix.ch). Ein solcher Sitz ist Voraussetzung dafür, dass jemand hierzulande Konsumkredite vergeben darf. Hilfreich sind auch die Warnlisten von Konsumentenmedien. Wer über einen Vermittler einen Kredit aufnimmt, sollte bedenken, dass dieser primär seine eigenen (Provisions-)Interessen verfolgt, nicht jene des Kunden. Und nicht zu vergessen: Die beste Variante, einen finanziellen Engpass zu überbrücken, ist nach wie vor ein Darlehen unter Freunden, Bekannten oder Verwandten.

Bonität realistisch einschätzen

Bevor man ein Kreditgesuch stellt, sollte man abklären, ob die gewünschte Summe tragbar wäre. Denn alle Gesuche – auch abgelehnte – werden der Zentralstelle für Kreditinformation gemeldet und bleiben dort zwei Jahre lang gespeichert. Sie sind für alle Banken einsehbar. «Wer einmal abgelehnt wurde, hat es deutlich schwieriger, einen tiefen Zins zu realisieren respektive überhaupt einen Kredit zu erhalten», warnt Marc Parmentier von Comparis. Über die Hälfte aller Kreditgesuche werde hierzulande abgelehnt.

Das Gesetz verlangt, dass Kreditnehmer ihren Privatkredit samt Zinsen zurückzahlen können, ohne den unpfändbaren Teil ihres Einkommens antasten zu müssen. Ob diese Bedingung erfüllt ist, kann man mithilfe einer Schuldenberatungsstelle herausfinden (Adressen unter Schulden.ch).

Genügend lange Laufzeit wählen

Je länger die Laufzeit, desto tiefer die Monatsraten. Es empfiehlt sich, die Laufzeit so zu wählen, dass man die Raten problemlos verkraften kann. Denn verspätete Zahlungen führen nicht nur zu Verzugszinsen, sondern haben auch einen ZEK-Eintrag zur Folge und damit eine geringere Kreditwürdigkeit. Zwar steigen die Zinskosten, je länger man einen Kredit beansprucht. Der Vorteil einer längeren Laufzeit liegt jedoch darin, dass man als Kunde immer mehr als die vereinbarte Rate zahlen kann, aber nicht muss. Mit einer längeren Laufzeit ist man somit auf der sicheren Seite.

Versicherungsbedarf abklären

Kreditinstitute legen ihren Kunden meist nahe, eine sogenannte Kreditausfallversicherung abzuschliessen. Diese soll einspringen, falls der Kunde wegen Krankheit, Unfall oder unverschuldeter Arbeitslosigkeit seine Monatsraten nicht mehr bezahlen kann. Doch bevor man sich eine solche Police zulegt, sollte man unbedingt das Kleingedruckte studieren. Darin sind in der Regel zahlreiche Ausschlüsse aufgeführt. Zum Beispiel greift der Versicherungsschutz oft nicht, wenn der Kreditnehmer bei Sportarten wie Tauchen, Judo oder Gleitschirmfliegen verunfallt. Auch psychische Leiden oder medizinisch nicht objektivierbare Rückenleiden sind häufig ausgeschlossen. Und meist gilt bei Arbeitsunfähigkeit eine Wartefrist von 60 Tagen, während der die Versicherung nichts zahlt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.01.2017, 07:30 Uhr

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