Bruno S. Frey bleibt Professor – in England

Bankenprofessor Hans Geiger kritisiert die Entlassung seines Kollegen durch die Uni als «peinlich».

Er will sich nicht äussern zum nicht erneuerten Arbeitsvertrag: Bruno S. Frey. Laut seiner Lebenspartnerin werde er aber seine kreative Arbeit in England fortsetzen.

Er will sich nicht äussern zum nicht erneuerten Arbeitsvertrag: Bruno S. Frey. Laut seiner Lebenspartnerin werde er aber seine kreative Arbeit in England fortsetzen. Bild: Keystone

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Der Star-Ökonom Bruno S. Frey und der ehemalige deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg haben etwas gemeinsam: Beiden widmet die Netzgemeinde Websites, auf denen Plagiatsvorwürfe aufgelistet sind. Die Fülle der Einträge auf GuttenplagWiki – zu Guttenberg kopierte grosse Teile seiner Dissertation einfach von anderen Arbeiten – brachte schliesslich den CSU-Politiker zu Fall.

Die Vorwürfe gegen den Uni-Professor sind allerdings milder: Freys Kritiker, die für diesen Zweck die Website freyplag.wikia.com aufgeschaltet haben, werfen ihm vor, eigene Arbeiten mehrfach in akademischen Zeitschriften veröffentlicht zu haben. Die Rede ist von Eigenplagiaten. Die Website nennt 15 Publikationen. Ein solches Vorgehen ist in der Wissenschaftswelt verpönt. Für den 2006 emeritierten Bruno S. Frey, der dank eines befristeten Arbeitsvertrages weiterhin an der Universität Zürich tätig ist, hatten die Vorwürfe Konsequenzen. Die Universität Zürich hat den am 31. Juli auslaufenden Vertrag nicht noch einmal um zwei weitere Jahre verlängert (TA von gestern). Die Unileitung will sich zu den Gründen nicht äussern. Eine Uni-interne Quelle, die anonym bleiben will, bestätigt aber den bisher nur vermuteten Sachverhalt, dass die Vorwürfe des Selbstplagiats zur Verweigerung der Vertragsverlängerung geführt haben.

Frey führt «kreative Arbeit» fort

Bruno S. Frey war auch gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Bankenprofessor Hans Geiger kritisierte auf Anfrage das Vorgehen der Uni Zürich gegenüber Frey als «kleinlich und peinlich». Er glaubt allerdings nicht, dass Frey deshalb seine Forschungsarbeit aufgeben wird: «Da wird sich nichts ändern.» Auch in diesem Punkt gibt sich die Universität Zürich verschwiegen. Unimediensprecher Beat Müller will nicht einmal sagen, ob Frey sein Büro behalten kann. Ausser Zweifel steht lediglich, dass der Ökonom weiterhin Doktoranden betreuen darf.

Freys Lebenspartnerin Margit Osterloh schrieb gestern in der Kommentatorenspalte von Tagesanzeiger.ch: «Bruno Frey geht nicht in Rente, sondern führt seine kreative Arbeit als Distinguished Professor an der Universität Warwick fort.» Ein Mitarbeiter Osterlohs bestätigt, dass der Eintrag tatsächlich von der bekannten Zürcher Betriebswirtschaftsprofessorin stammt.

Aufsatz mehrmals veröffentlicht

Das deutsche «Handelsblatt», das sich mehrfach mit Freys vermuteten Eigenplagiaten befasst hat, beschreibt auf seiner Website ein besonders krasses Beispiel – ausgerechnet in einem Aufsatz, in dem sich Frey mit dem massiven Druck auf die Forscher befasst, möglichst viel zu publizieren.

Die Herausgeber von Fachzeitschriften würden Forscher dazu zwingen, sich intellektuell «zu prostituieren», lautet Freys Kernaussage. Im ersten Satz schrieb Frey, wegen dieser unbequemen These werde «diese Arbeit (. . .) niemals in einer ökonomischen Fachzeitschrift (. . .) erscheinen». Tatsächlich aber veröffentlichte Frey den Aufsatz gleich zweimal. 2003 in «Public Choice» und zwei Jahre später im «European Journal of Law and Economics». Die Titel sind zwar unterschiedlich, ansonsten sind die beide Aufsätze über weite Strecken wortwörtlich identisch, doch es gibt keinerlei Querverweise. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 25.04.2012, 09:08 Uhr)

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