Die E-Mail, die eine ganze Firma demotiviert

Die Neujahrsbotschaft des Chefs des Beratungsunternehmens Deloitte ist gespickt mit Floskeln. Die E-Mail sorgt weltweit für Spott und böse Kommentare.

C’est le ton qui fait la musique: Eine Mitarbeiterin an ihrem Arbeitsplatz.

C’est le ton qui fait la musique: Eine Mitarbeiterin an ihrem Arbeitsplatz. Bild: Christian Beutler/Keystone

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«Alles Gute, Punit», so endet die E-Mail, die der Konzernchef von Deloitte Anfang Januar an seine 220'000 Mitarbeitenden versandte. Doch wirklich gut kam es nicht. Denn die Nachricht von Punit Renjen kam der Mehrheit der Angestellten des Beratungsriesen in den falschen Hals. Sie ist gleichzeitig so fordernd wie nichtssagend, dass sie von der «Financial Times» als «Klassiker der Demotivierung» betitelt wurde.

Renjen überschreibt seine Nachricht mit «Lassen Sie uns gute Vorsätze fassen». Und er beginnt zu erzählen, dass man zum Jahresstart nun Dinge umsetzen müsse. Er selbst habe sich vorgenommen, eine «aussergewöhnliche, konsistente globale Talenterfahrung über das Deloitte-Netzwerk zu liefern». (Keine Angst, wenn Sie den Satz nicht verstehen. 219'999 Mitarbeitern des Konzerns geht es nicht anders.)

«Reise zur unangefochtenen Vormachtstellung»

Renjen fährt fort und erklärt, wie er die selbst gesetzte Vorgabe zu erreichen gedenkt. Ans Ziel wolle er mit der Umsetzung von vier Prinzipien kommen. «Einen Unterschied machen», «Mitarbeiter inspirieren», «Ihre Ambitionen fördern» und «Ihre einzigartigen Stärken verbinden und feiern». (Hä?)

Damit alle Mitarbeitenden ihre Absichten auch in die Tat umsetzen, verpflichtet Renjen sie, die «Deloitte Journey Declaration» zu unterzeichnen – die Reiseerklärung von Deloitte. Denn für den Topmanager befinden sich alle Angestellten auf einer «Reise zur unangefochtenen Vormachtstellung», auf der man «Deloittes Zweck» lebe.

Mitarbeitende ziehen nicht wirklich mit

Das Unternehmen werde sie auf dieser Reise unterstützen, so Renjen. Deloitte werde helfen, Erwartungen zu definieren und konsistente Fähigkeiten auf jedem Niveau zu entwickeln. Egal in welcher Funktion man arbeite – man werde gleich gut sein wie seine Kollegen. Die Erklärung haben bis jetzt weniger als 10'000 Deloitte-Mitarbeiter unterzeichnet.

Im Netz wird nun eifrig gespottet. Das ist das perfekte Beispiel für Business-Unsinn, schreibt etwa ein Nutzer auf einem Fachportal. Renjen zeige einen Mangel an Respekt gegenüber erwachsenen Mitarbeitern. Auf Twitter schreibt eine Frau: «Jeder mit einem normalen IQ fragt sich nun, warum er für diese Firma arbeitet». «Warum tun das Topmanager ihren Untergebenen an», fragt ein Leser bei der «Financial Times», welche die E-Mail bekannt machte. Die E-Mail sage nichts aus und mache zudem überhaupt keinen Sinn. Ein anderer Leser mein sarkastisch: Die Autorin des Artikels über die E-Mail habe nicht begriffen, dass es sich dabei um ein Meisterwerk der Beratersprache handle. «Sie ist teuer, nichtssagend und schwafelnd.»

«Äpfel mit Elefanten» verglichen

Es ist übrigens nicht das erste Mal, das Renjen durch wahnwitzige Aussagen auffällt. Einmal behauptete er, es sei schwieriger, zu Deloitte zu kommen, als an der Eliteuniversität Harvard aufgenommen zu werden. Seine Zahlenbeispiele wurden darauf rasch widerlegt. Renjen vergleiche «Äpfel mit Elefanten», so das Fachblatt «Going Concern». (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 25.01.2016, 16:54 Uhr)

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