Wirtschaft
Jobsuche im Internet: Doch kein Wundermittel
Von Martin Vetterli. Aktualisiert am 31.12.2008
Artikel zum Thema
«Ohne Internet geht es nicht mehr», bestätigt Pius Hefti, Leiter Personalgewinnung beim Surseer Softwarehaus Bison. Wer aber glaube, dies vereinfache die Jobsuche, irre. Man benötige genaue Kenntnisse, um sich als Stellensuchende souverän zu bewegen. Sonst, sagt Hefti, verbaue man sich leicht seine Chancen. Das Internet sei bestimmt das wichtigste Hilfsmittel geworden, um eine neue Stelle zu finden, bestätigt Daniel Grünenfelder, Personalchef der Rhätischen Bahn. «Am erfolgversprechendsten ist aber nach wie vor ein intelligentes Beziehungsnetz.»
Netzwerken im Internet...
Am besten kombiniert man beides und bastelt sich ein breites Beziehungsnetz im Internet. Das geht zum Beispiel so: Man melde sich bei Xing an, Europas führender Plattform für Geschäftskontakte, stellt dort seinen Lebenslauf ins Netz und knüpfe Kontakte mit Berufskollegen, Geschäftspartnern, Bekannten. Und erschliesse sich ein Business-Netzwerk. Mehr als 6,5 Millionen Mitglieder zählt Xing, 2000 alleine in der Schweiz. Jedes Siebte ist Premium-Mitglied und zahlt 100 Franken Jahresgebühr für den Erstklass-Zugang zur Welt der unbegrenzten Geschäftskontakte.
Nur, lohnt sich diese Investition? Die Schweizer Personalchefs sind skeptisch. Xing, LinkedIn und all die anderen Online-Portale machten zwar Spass beim Suchen nach Geschäftsfreunden oder alten Klassenkameraden. Einen Job finde man aber besser mit Hilfe von Menschen aus Fleisch und Blut als mit Atavaren aus dem Web 2.0, sagt Daniel Grünenfelder.
Und doch: Das wirklich Neue, das die Jobsuche nachhaltig verändert hat, ist das Internet, da sind sich alle befragten Personalchefs einig. Dort wimmelts von Jobs und Tipps, man muss sie nur finden. Sich nur in Tageszeitungen und der Fachpresse umsehen oder allein auf die Hilfe professioneller Stellenvermittler zu vertrauen, reicht heute nicht mehr. Man klinkt sich ein bei Internet-Stellenportalen wie jobs.ch, monster.ch, topjobs.ch oder ostjobs.ch (in der Ostschweiz). Und nutzt deren tausend Tipps und Tricks für eine erfolgreiche Jobsuche.
Wer aber seine Wunschfirma schon kennt, kann es auch einfacher haben: mit Google-Alerts. Sobald auf der Firmenseite ein freier Job aufgeschaltet wird, erhält man vom Suchmaschinen-Dienst eine E-Mail zugesandt. «Eine wirksame Methode», sagt Securiton-Personalchef Tom Koch. Wichtig aber ist, dass ein Bewerber signalisiert, dass er an einem bestimmten Unternehmen interessiert ist, und nicht in den Vordergrund stellt, dass er von seiner aktuellen Stelle weg will.
...ersetzt persönliche Kontakte nicht
Wer auf Allerweltsvermittler und -Stellenportale setzt, liege zunehmend falsch, sagt Hefti. «Eine echte Hilfe sind diese aber, wenn sie auf den regionalen Stellenmarkt spezialisiert sind und die Branche genau kennen.» Hinzu komme, dass einzelne Stellenvermittler die Daten von Bewerber der Stellenportale auswerteten und für die Vermittlung nutzten. Auch das verspreche Erfolge. Denn: «Vermittler arbeiten nur mit Leuten, die wirklich vermittelbar sind», sagt Hefti weiter. Nur so kommen sie auf ihre Rechnung.
Daniel Grünenfelder warnt aber vor Internet-Gläubigkeit. Der Personalchef der Rhätischen Bahn beobachtet sogar einen eigentlichen Gegentrend zurück zum Lokalen und Althergebrachten. «Das Innovativste bei der Stellensuche ist die Wiederentdeckung alter Wege und alter Werte», sagt Grünenfelder. «Alte Kontakte aktivieren und neue schliessen, mit Leuten aus seiner Gegend und dem Zielarbeitsmarkt ins Gespräch kommen und sich so ins Gespräch bringen.» Das könne überraschende Perspektiven eröffnen.
Traditionelle Kanäle zu nützen, empfiehlt auch Bison-Personalchef Hefti. Er ist vom Prinzip «Mitarbeiter werben Mitarbeiter» überzeugt, gerade in Zeiten, in denen er mit einer Masse von Bewerbern konfrontiert werde. Denn: «Ein Mitarbeiter würde kaum einen Kollegen vorschlagen, der nicht über die Qualifikationen verfügt und nicht ins Team passt. Sonst schadet er sich selbst.» Ein persönliches Netzwerk zahle sich so für beide Seiten aus: für Jobsuchende wie für das Unternehmen, das neue Mitarbeitende finden will. Das beste Rezept bei der Stellensuche ist also das älteste: Vitamin B. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 31.12.2008, 09:05 Uhr
Wirtschaft
- 08:53Wird Schmidheiny heute zu 20 Jahren Haft verurteilt?
- 06:35Im Skandal um gefälschte Bioware fehlt es Bio Suisse an Transparenz
- 13:20Reederei der «Costa Concordia» droht unterzugehen
- 09:30Weissgeldstrategie ja, aber...
- 07:19«Ich reise gerne, aber nicht in die USA»
- 11.02.2012Keine Macht für den Ombudsmann



