Fox-Star Bill O’Reilly verglüht

Der erfolgreichste amerikanische Fernsehkommentator der letzten 15 Jahre muss gehen.

Wegen sexueller Belästigung angeklagt, aus ökonomischen Gründen geschasst: Moderator Bill O’Reilly. Foto: Drew Angere (Getty)

Wegen sexueller Belästigung angeklagt, aus ökonomischen Gründen geschasst: Moderator Bill O’Reilly. Foto: Drew Angere (Getty)

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Die Zukunft des 67-jährigen Bill O’Reilly hatte sich bereits in den letzten Tagen stark getrübt. Rupert Murdoch und seine Söhne Lachlan und James waren sich zunächst uneinig, ob der konservative Fernsehmann wegen mehrerer Fälle von sexueller Belästigung noch tragbar sei. Doch am Mittwoch war schliesslich alles klar: «Nach einer sorgfältigen und eingehenden Prüfung der Vorwürfe sind das Unternehmen und Bill O’Reilly übereingekommen, dass Bill O’Reilly nicht zur Fox zurückkehren wird», hiess es in einer Mitteilung. Es waren der Imageverlust, die wachsenden Werbeeinbussen und die hängige Übernahme einer britischen Fernsehkette, die gegen ihn sprachen.

Die Murdochs hatten gehofft, der Sturm der Empörung werde sich rasch legen und O’Reilly könne Anfang nächster Woche nach seinen Ferien wieder seinen Platz vor der Kamera einnehmen und den Zuschauern die Welt aus seiner dezidiert rechten Optik erklären. Doch die öffentliche Entrüstung nahm mit jedem Tag zu, mit dem die Murdochs ­zögerten. Eine Boykottkampagne auf ­Social-Media-Plattformen drückte rasch auf die Werbewirtschaft durch. Praktisch alle grösseren Unternehmen zogen ihre Werbespots aus der Sendung «O’Reilly Factor» ab. Doch die Furcht vor einem Imageschaden beim Sender, dessen Chef Roger Ailes bereits wegen des Vorwurfs sexueller Belästigungen gehen musste, blieb.

«Die Arbeitsmoral ist schrecklich», zitiert das «New York Magazine» eine führende Fox-Mitarbeiterin. Viele Angestellte fragen sich auch, ob das Budget wegen der Abfindungen an die betroffenen Frauen gekürzt werden müsse.

James Murdoch will das alternde Publikum von O’Reilly durch jüngere, weltoffene Zuschauer ersetzen.

Besonders verärgert war offenbar James Murdoch, der ältere der beiden Söhne. Er will die chauvinistische Firmenkultur bei Fox beseitigen und das alternde Publikum von O’Reilly durch jüngere, weltoffene Zuschauer ersetzen. Zum diesem Zweck hat der Konzernchef die Fernsehstationen und Magazine von National Geographic erworben und hofft, ein ideologisches Gegengewicht zu Fox News zu schaffen. Bruder Lachlan hatte sich ihm angeschlossen, womit O’Reilly nur noch vom Firmengründer Rupert Murdoch gestützt wurde.

Der Entscheid über das Schicksal von O’Reilly sei schwieriger gewesen als im Fall von Ailes, berichtet die «New York Times». Dies deshalb, weil O’Reilly mit Abstand der stärkste Werbemagnet von Fox war. Er hat seine Zuschauerzahl konstant ausbauen und sie in den letzten zwei Jahren – parallel zum Aufstieg Donald Trumps – noch einmal um 40 Prozent erhöhen können. Keine Fernsehpersönlichkeit erschien grösser als er. Die Werbewirtschaft riss sich um ihn. Mehr als 60 Firmen, darunter Weltmarken wie Mitsubishi, Mercedes-Benz, BMW, Bayer, Sanofi und Allstate, zahlten Millionenbeträge für ein Werbefenster bei O’Reilly. Die Einnahmen hätten dieses Jahr wahrscheinlich zum ersten Mal 200 Millionen Dollar übertroffen, schätzen Medienexperten. Obwohl bekannt war, dass die Klagen von Angestellten bei Fox mit 13 Millionen Dollar beigelegt worden waren, verlängerte die Familie Murdoch letztes Jahr O’Reillys Vertrag noch einmal, mit einem Jahresgehalt von über 20 Millionen Dollar.

Risiko für Grossbritannien-Deal

Der Fall eines Mannes, der sich für unzerstörbar hielt, verdeutlicht, dass niemand in einem Familienunternehmen grösser ist als die Familie. Die Murdochs wollen für die Kontrolle des britischen TV-Senders Sky 14 Milliarden Dollar aufwenden, brauchen dafür aber in Kürze die Bewilligung der Zulassungsbehörde Ofcom. Diese muss entscheiden, ob die Murdochs das Unternehmen in «sauberer und angemessener Art» führen. Die Weiterbeschäftigung eines O’Reilly hätte dies infrage gestellt, umso mehr, als die Murdochs 2011 ihren ersten Übernahmeversuch von Sky abbrechen mussten, als ein Abhörskandal in Grossbritannien ihre Geschäftsführung infrage stellte.

Präsident Trump hatte sich schützend vor O’Reilly gestellt, als die «New York Times» am 1. April die Zahlung der Schweigegelder aufdeckte. «Ich glaube nicht, dass er etwas Falsches getan hat», sagte er. O’Reilly bestritt die Vorwürfe und tat sie als Verschwörung einer linken Mafia ab. Weil er ein grosses Medienprofil habe, sei er auch ein leichtes Opfer von Erpressungen. Ähnlich hatte der Chef von Fox News letztes Jahr argumentiert. Auch Ailes bestritt die Klagen wegen sexueller Übergriffe, bevor die Murdochs sich von ihm trennten und den betroffenen Frauen 35 Millionen Dollar zahlen mussten.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.04.2017, 23:13 Uhr

O’Reilly war der stärkste Werbemagnet von Fox. Er hat seine Zuschauerzahl konstant ausbauen und sie in den letzten zwei Jahren noch einmal um 40 Prozent erhöhen können. (Bild: Keystone )

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