2013 wird das bisher schlimmste Jahr für den Euroraum

Eine neue Prognose liefert eine düstere Aussicht auf den EU-Wirtschaftsraum: Die Staatsdefizite in Spanien und Frankreich sind höher als erwartet. Die Arbeitslosigkeit steigt auf ein Rekordhoch.

Leidet unter den düsteren Aussichten der Krisenländer: Finanzplatz in Frankfurt.

Leidet unter den düsteren Aussichten der Krisenländer: Finanzplatz in Frankfurt. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Europa droht ein weiteres wirtschaftliches Krisenjahr. Die Wirtschaftsleistung der Eurozone wird in diesem Jahr um 0,3 Prozent schrumpfen und somit in der Rezession verharren, wie die EU-Kommission in Brüssel im Rahmen ihrer neuen Wirtschaftsprognose mitteilt.

Die Arbeitslosigkeit in der Eurozone steigt demnach 2013 auf ein neues Rekordhoch von mehr als zwölf Prozent. «Aufgrund der schwachen Konjunktur gegen Ende 2012 ist das Ausgangsniveau für das laufende Jahr niedrig», bilanzierte die EU-Kommission. Zudem werde sich die Erholung langsamer einfinden als ursprünglich erwartet. Die 17 Euro-Länder müssen demnach nach einem Minus von 0,6 Prozent im vergangenen Jahr auch für 2013 mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,3 Prozent rechnen.

«Talsohle erreicht»

Es bestehe jedoch Hoffnung, dass «die Talsohle inzwischen erreicht ist»: Im kommenden Jahr erwarten die EU-Experten ein Anspringen der Wirtschaft mit einem Plus von 1,4 Prozent. Im Herbst war die EU-Kommission noch davon ausgegangen, dass die Wirtschaft der Eurozone sich bereits in diesem Jahr wieder leicht erholt und ein Miniplus von 0,1 Prozent verzeichnet.

Schlechte Nachrichten kommen auch vom Arbeitsmarkt: Der Anteil der Arbeitslosen in der Eurozone steigt in diesem Jahr auf 12,2 Prozent – ein neues Rekordhoch. Im Herbst waren die Kommission noch davon ausgegangen, dass die Quote 2013 unter der Zwölf-Prozent-Marke bleibt. Ende des vergangenen Jahres waren in der Eurozone bereits knapp 19 Millionen Männer und Frauen ohne Arbeit. Besonders düster sieht es weiterhin für die Krisenländer Griechenland und Spanien aus, wo die Arbeitslosenquote auf jeweils rund 27 Prozent ansteigt.

Defizitabbau verlangsamt

Auch beim Abbau der Staatsdefizite kommt die Eurozone nicht wie erhofft voran. Das Minus wird sich in diesem Jahr auf durchschnittlich 2,8 Prozent der Wirtschaftskraft belaufen, das ist etwas mehr als noch im Herbst erhofft. «Der Abbau des strukturellen Haushaltsdefizits dürfte in diesem Jahr etwas langsamer vonstatten gehen als 2012», erwartet die Kommission jetzt.

Probleme beim Defizitabbau gibt es etwa in Frankreich und Spanien. Frankreich wird in diesem Jahr mit einem Defizit von 3,7 Prozent die Drei-Prozent-Hürde reissen – anstatt die EU-Obergrenze wieder einzuhalten. EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn machte der Regierung in Paris jedoch Hoffnung auf einen möglichen Aufschub für die Erfüllung der Vorgaben.

In Spanien wird das Defizit in diesem Jahr bei 6,7 Prozent liegen. Hilfszahlungen für Spaniens Banken lassen das Minus für 2012 sogar auf mehr als zehn Prozent ansteigen. Werden die Notzahlungen für die marode spanische Bankenbranche aus der Rechnung genommen, liegt das Defizit Rehn zufolge bei sieben Prozent und somit in etwa bei dem Wert, den Spaniens Regierungschef Mariano Rajoy jüngst verkündet hatte.

«Um die Gefahr einer erneuten Verschärfung der Staatsschuldenkrise zu bannen, kommt es entscheidend darauf an, dass die Massnahmen zur Stärkung der Wirtschafts- und Währungsunion und zur Förderung der notwendigen Anpassungen effektiv umgesetzt werden», mahnte Rehn. Ausdrücklich rief der Kommissar Italien auf, den eingeschlagenen Reformkurs nicht zu verlassen. In Europa gibt es Befürchtungen, dass Italien im Falle eines Regierungswechsels nach der Abstimmung am Sonntag und Montag bei den Spar- und Reformbemühungen wieder nachlässt. (mrs/mw/AFP)

(Erstellt: 22.02.2013, 11:43 Uhr)

Artikel zum Thema

Draghis Nuklearwaffe

Never Mind the Markets Never Mind the Markets In den letzten sechs Monaten ist es ruhig geworden um die Eurokrise. Zu ruhig. Zum Blog

Gut gebucht – trotz Eurokrise

Hintergrund In Kürze beginnen die Weihnachtsferien. Es gibt kaum noch freie Plätze in den Schweizer Skigebieten – nicht zuletzt dank Gästen aus dem Euroraum. Trotzdem setzt man vermehrt auf neue Märkte. Mehr...

Mehr Europa nur für weniger Geld

Hintergrund Die Nettozahler in der EU wollen die Eurokrise nutzen, um die Union auf Diät zu setzen. Nach wochenlangem Ringen um den EU-Haushalt kommen die Verhandlungen heute in die Endphase. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Anzeigen

Werbung

Kommentare

Blogs

Politblog Zu ehrgeizig
Blog Mag Konsum und Konformismus
Outdoor Die Begehung der Crema Catalana

Anzeigen

Die Welt in Bildern

Farbenfroh: Ein doppelter Regenbogen erstrahlt über Gryon im Kanton Waadt (27. Juli 2016).
(Bild: Anthony Anex) Mehr...