Ackermanns versteckte Drohung

Josef Ackermann lobt die deutsche Regierung dafür, bei den britisch-französischen Bonusplänen nicht mitzuziehen. Das Lob des Deutsche-Bank-Chefs enthält aber auch eine äusserst wirksame Drohung.

Bei stärkerer Regulierung droht eine Abwanderung: Der Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann lobt die deutsche Regierung für ihre Zurückhaltung.

Bei stärkerer Regulierung droht eine Abwanderung: Der Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann lobt die deutsche Regierung für ihre Zurückhaltung.
Bild: Keystone

Die Pläne der britischen und der französischen Regierung, hohe Boni besonders stark zu besteuern, führen zu weiteren Reaktionen in der Bankenwelt. Jetzt hat sich auch der Schweizer und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann zu Wort gemeldet. Er lobt die deutsche Regierung dafür, bei den Plänen nicht mitzuziehen. Das Land habe jetzt einen «komparativen Vorteil», sagt er.

Damit drückt er gezielt auf den wunden Punkt aller Regulierungsbehörden. Denn jede von ihnen befürchtet eine Abwanderung zumindest von Teilen ihrer Finanzindustrie, wenn sie die Schrauben anzieht.

Bei Regulierung Abwanderung

Ackermann bezeichnete gestern laut «Bloomberg» die Weigerung der Deutschen, mit den Briten und den Franzosen mitzuziehen, als eine «sehr weise Entscheidung, um den Finanzplatz Deutschlands zu stärken».

Dabei geht es bei der Bonibesteuerung noch nicht einmal um eine ausgesprochen wirksame Massnahme zur Zähmung des Finanzsektors. Sie dürfte den Banken auch nicht besonders weh tun. Denn sie werden der Steuer auszuweichen wissen. Doch in Ackermanns Lob an die deutsche Regierung schwingt implizit auch eine Drohung mit: Wenn diese den Weg der Zurückhaltung bei Regulierungen verlässt, droht dem Finanzplatz eine Abwanderung der Banker.

Die Drohung ist auch in der Schweiz zu erwarten

Der Fingerzeig auf die ausländische Standortkonkurrenz wird für die Regulierungsdebatte in der Schweiz eine besondere Bedeutung erhalten. Nur wenn Regulierungen weltweit eingeführt werden, könnte sie entkräftet werden. Doch die Erfahrung zeigt, dass damit nicht zu rechnen ist. Kommt dazu, dass die Aufsichtsbehörden in der Schweiz vor allem die Grossbanken strengeren Auflagen unterwerfen wollen, als sie im Ausland vorherrschen. Der designierte Präsident der Schweizerischen Nationalbank, Philipp Hildebrand, hat das mit dem übermässig grossen Risiko begründet, das bei einem Zusammenbruch einer Grossbank für das ganze Land entstehen würde.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnetz)

Erstellt: 14.12.2009, 18:06 Uhr


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