Wirtschaft

Alarmstimmung in der Maschinenindustrie

Von Simon Schmid. Aktualisiert am 23.02.2012 40 Kommentare

Der Verband Swissmem vermeldet einen Einbruch der Umsatzzahlen: 2012 wird mit einem Nullwachstum gerechnet. Aktuelle Konjunkturzahlen geben den Exporteuren allerdings Grund zur Hoffnung.

1/4 Schwierige Zeiten für die Schweizer Maschinen- und Elektroindustrie: Techniker in einer Montagehalle des Praezisionssägen-Herstellers Meyer Burger.
Bild: Keystone

   

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Die Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) muss von der Substanz zehren. Wie der Branchenverband Swissmem heute mitteilt, schreibt über ein Drittel der Unternehmen derzeit rote Zahlen. Viele Unternehmen seien zu massiven Preiszugeständnissen gezwungen worden, um überhaupt noch Aufträge gewinnen zu können.

Die Lage scheint alarmierend: Verzeichnete die Branche übers Gesamtjahr 2011 gesehen nur einen minimalen Auftragsrückgang, so war im letzten Quartal ein Absturz um 18,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal zu verzeichnen.

Hauptproblem ist laut Swissmem der starke Franken. Doch auch die schwache Konjunktur in Europa drückt der Maschinenindustrie aufs Gemüt: Gemäss der jüngsten Umfrage von Swissmem geht eine deutliche Mehrheit der Unternehmen davon aus, dass 2012 kein Wachstum erzielt werden kann. Die Umsätze der MEM-Industrie stagnieren seit der Finanzkrise 2008, im Schnitt liegen sie Jahr um Jahr um ein Viertel unter dem Vorkrisenniveau. «Viele Firmen leben zurzeit von der Substanz und kämpfen um ihr Überleben», schreibt Swissmem in einem Communiqué.

Licht am Ende des Tunnels?

Keinen Anlass zur Hoffnung geben die aktuellen Zahlen aus Europa. Gemäss heute veröffentlichten Schätzungen rechnet die EU-Kommission für 2012 neu mit einem Rückgang des BIP um 0,3 Prozent in der Eurozone. Im Herbst hatte die Kommission für die 17 Euroländer noch ein Wachstum von 0,5 Prozent angenommen. Sorge bereiten den Brüsseler Experten die Krisenstaaten Griechenland und Portugal, deren BIP-Schrumpfung neu mit 6,8 (Herbstprognose: –4,4) und 3,3 (–1,5) Prozent prognostiziert wird. Auch Deutschland bleibt eine Zurückstufung nicht erspart: Statt 0,8 Prozent dürfte das nördliche Nachbarland 2012 nur noch um 0,6 Prozent wachsen.

2012 – ein verlorenes Jahr für die Schweizer Exportwirtschaft? Wirtschaftsexperten relativieren dieses Bild. «Die EU-Kommission hinkt mit ihren Schätzungen hinterher», sagt Alessandro Bee, Ökonom bei der Bank Sarasin, zu Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Schon seit geraumer Zeit hätten Banken eine leichte Rezession in Euroland prognostiziert. Sarasin werde jedoch morgen den Ausblick für das Wachstum in der Eurozone 2012 von derzeit –0,1 Prozent auf +0,3 Prozent erhöhen, so Bee: «Ab dem zweiten Quartal rechnen wir wieder mit einem besseren Wachstum.»

Geschäftsklima verbessert sich

Anlass zu verhaltenem Optimismus gibt auch der Geschäftsklimaindex, den das Deutsche Wirtschaftsinstitut IFO monatlich veröffentlicht. Heute Morgen wurden jüngste Zahlen publiziert: Mit einem Stand von 109,6 Punkten ist der Index gegenüber dem Januar (108,3 Punkte) leicht angestiegen. Nach einem Taucher im September hat sich der Index damit während fünf Monaten in Serie erhöht. Von seinem Vorjahreswert von 115,1 Punkten (Februar 2011) ist der IFO-Geschäftsklimaindex allerdings noch ein rechtes Stück entfernt.

UBS-Ökonom Caesar Lack bezeichnet die Konjunktur im Euroraum als wichtigsten Einflussfaktor für die Schweizer Exportwirtschaft – wichtiger noch als der Frankenkurs. Das Szenario der UBS ist für die Exportbranche indes wenig verheissungsvoll: Für 2012 rechnet die Bank nach wie vor mit einem Rückgang des BIP von 0,7 Prozent in der Eurozone. Auch Caesar Lack meint allerdings gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet: «Es gibt Anzeichen, dass die schlimmsten Zeiten für die Schweizer Exportindustrie vorbei sind.»

Wie unterschiedlich sich die Eurokrise auf die einzelnen Schweizer Branchen ausgewirkt hat, zeigt ein Blick in die Schweizer Aussenhandelsstatistik. Gemäss vorgestern veröffentlichten Zahlen der Eidgenössischen Zollverwaltung wurden im Januar 2012 im Vergleich zum Vorjahresmonat 5,4 Prozent mehr Waren exportiert. Einen regelrechten Boom erlebten die Uhrenindustrie (+15,5 Prozent) und die Chemiebranche (+9 Prozent). Die Maschinen- und Elektroindustrie verzeichnete dagegen einen Exportrückgang von 3,4 Prozent. Am schlechtesten kamen 2011 allerdings die Textilbranche (–15,5 Prozent) sowie die Papier- und Grafische Industrie weg (–16,5 Prozent).

Artikel angereichert mit Material der Nachrichtenagentur SDA. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.02.2012, 14:14 Uhr

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40 Kommentare

Peter Kaegi

23.02.2012, 14:51 Uhr
Melden 41 Empfehlung

Das ewige gejammer der Exportindustrie nervt. Redet über die billigen Rohstoffimporte oder die Dividendenausschüttungen oder die Investitionen im Ausland, oder die steuertechnischen Vorzüge in der Schweiz, die Exportrisikogarantie des Staates oder über die hoch qualifizierten durch Steuergelder ausgebildeten Angestellten usw. usw. Antworten


Hans Muster

23.02.2012, 16:02 Uhr
Melden 31 Empfehlung

hört auf mit dem Jammern in den Teppichetagen. Für Boni und neue Geschäftsfahrzeuge habt ihr immer Geld!! Eigentlich sollten die "Büezer" einmal die arbeiten niederlegen und nicht mehr mitmachen. Oder den CEO's die Quiitung geben und die Inititaitve 6 W O C H EN F E R I E N annehmen!!! Antworten



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