Wirtschaft
«Alle rennen zum Ausgang»
Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 27.05.2010 20 Kommentare
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Der US-Finanzminister Timothy Geithner ist derzeit auf dem alten Kontinent unterwegs: Gestern war er in London und Frankfurt, heute in Berlin. Dort trifft er Bundesbankpräsident Axel Weber, den meist genannten Nachfolger von Jean-Claude Trichet an der Spitze der Europäischen Zentralbank und später den deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble.
Die USA beobachten das Schicksal von Europa ganz genau. Denn die Eurokrise droht, die amerikanische Wirtschaft in eine so genannte Double-Dipp-Rezession zu stürzen. Will heissen: Nach einem kurzen Aufschwung droht ein neuer Absturz. Den Amerikanern macht vor allem die neu entdeckte Sparwut der Europäer Bauchweh. Wenn überall Löhne gekürzt und Menschen entlassen werden, dann kaufen die Menschen nur noch das Allernötigste. Die Nachfrage bricht ein und damit auch die Importe aus den USA.
Tönt gut, aber...
In den letzten Tagen haben sich die Ankündigungen von drastischen Sparprogrammen europäischer Länder geradezu überschlagen: Griechenland will seine Schuldenquote von 13,2 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) in vier Jahren auf 2,1 Prozent senken. Italien will 24 Milliarden Euro sparen, Spanien 15 Milliarden allein in diesem Jahr. Portugal und Grossbritannien habe tiefe Einschnitte beim öffentlichen Dienst angekündigt, die Iren haben sie bereits umgesetzt.
Das Ziel der am meisten verschuldeten Euroländer besteht darin, ihre Lohnkosten gegenüber Deutschland zwischen 20 und 30 Prozent zu senken. Tönt gut, aber was bedeutet dies für die betroffenen Menschen? Der Ökonom Paul Krugman hat dies für Lettland nachgerechnet. Die Letten haben inzwischen mit harten Sparmassnahmen ihre Lohnkosten durchschnittlich um 5,4 Prozent reduziert. Bereits jetzt ist der Preis dafür astronomisch hoch: Die Arbeitslosenquote ist von 6 auf über 22 Prozent geschnellt. Eine ähnliche Entwicklung würde in Italien oder Spanien in einer soziale Katastrophe enden.
Macht einen Stress-Test
Für die Amerikaner ist die aktuelle Eurokrise auch eine Folge der zögerlichen Haltung der reichen Länder der Währungszone. Präsident Barack Obama und sein Finanzminister drängen daher Deutschland, Frankreich und Grossbritannien dazu, ja nicht zu früh mit den Konjunkturankurbelungsprogrammen aufzuhören. Die ökonomische Beraterin des Weissen Hauses, Christina Romer, begleitet Geithner auf der Europatournee. Sie erklärte gestern: «Es lässt sich eine gewisse Panik in der Fiskalpolitik feststellen, alle rennen zum Ausgang.»
Der zweite Ratschlag Geithners an die Europäer lautet: Macht einen Stress-Test für eure Banken. In den USA hat vor Jahresfrist ein solcher Test die Märkte beruhigt. Wie gesund die europäischen Banken sind, ist derzeit nur schwer einzuschätzen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 27.05.2010, 15:00 Uhr
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20 Kommentare
Stimmt schon, man soll sich jetzt in Europa nicht zu Tode sparen. Aber das Land mit den Zocker-Boys und Eurospekulanten von der Wallstreet und 12 Billionen Schulden, das täglich weitere Millionen in Afghanistan in den Sand setzt, ist das letzte, das uns Verhaltens-Ratschläge zu einer vernünftigen Finanzpolitik geben soll. Und für die Nachfrage in den USA ist Europa schon gar nicht verantwortlich. Antworten
Auch PhL ist einer jener Zeitgeist Schwätzer, die von Sparen reden, wenn die Neuverschuldung ein wenig reduziert werden soll. "Sparen" heisst von vorhandenn Mitteln einen Teil beiseite legen um ihn später auszugeben. Davon kann in diesem Zusammenhang keine Rede sein. Sparwut, wie sie PhL sieht, ist weit und breit nicht erkennbar. Wählen Sie die Wörter besser! Antworten

