Wirtschaft
Athen wurde gerettet, Europa nicht
Ein Kommentar von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 21.02.2012 32 Kommentare
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In Europa fühlen sich selbst Siege derzeit wie Niederlagen an. Bitterer Zynismus macht sich breit: Wann, bitte, findet der nächste Krisengipfel statt?
Das Bail-out von Griechenland überzeugt weder ökonomisch noch politisch. Die jüngsten Zahlen zeigen, dass die Austeritätspolitik auf der ganzen Linie gescheitert ist. Griechenland befindet sich bereits in einer Abwärtsspirale. Trotz härtesten Sparmassnahmen nimmt die Staatsverschuldung zu, nicht ab. Selbst das 130-Milliarden-Euro-Rettungspaket wird daran wenig ändern. Im besten Fall sinkt die Schuldenquote von derzeit 160 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) bis 2020 auf 120 Prozent. Wahrlich ein heroisches Ziel.
Die Verleumdungsspirale dreht sich immer schneller
Die meisten haben Griechenland ohnehin schon abgeschrieben. Doch die Ansteckungsgefahr besteht weiter. Portugal und Irland haben alle sehr harte Sparauflagen erfüllt, die ihnen von EU, EZB und dem IWF aufgebrummt worden sind. Trotzdem stecken beide Musterschüler ebenfalls in einer Deflationsfalle, auch ihre Staatsschulden nehmen in Prozenten des BIP gesehen zu. Nun zeichnet sich in Italien und Spanien die gleiche, verhängnisvolle Entwicklung ab.
Gefährlicher noch als die ökonomische Verelendungs- ist die politische Verleumdungsspirale. Sie dreht sich immer schneller. Bilder von Angela Merkel in Nazi-Uniform sind in griechischen Zeitungen alltäglich geworden und Verschwörungstheorien jeder Couleur gibt es zuhauf. In Deutschland ist man derweil über den Nazi-Vergleich zu Recht empört. Doch gleichzeitig verlangt die «Bild»-Zeitung im Chor mit renommierten Wirtschaftsprofessoren, dass Griechenland endlich aus der Eurozone geschmissen werde. Der Hass schaukelt sich gegenseitig auf. Was, wenn es erste Terrorakte und Tote geben sollte?
Seit dem arabischen Frühling werden ähnliche Entwicklungen auch andernorts erwartet. Man spricht von einem russischen oder einem chinesischen Frühling. Warum nicht von einem europäischen? In vielen Ländern liegt die Jugendarbeitslosigkeit bereits bei 35 Prozent und mehr. Es gibt keinerlei Anzeichen, dass sich das ändern wird. Im Gegenteil: Die meisten Ökonomen gehen von einem Rückfall in eine Rezession aus. Das wird die politischen Spannungen noch verstärken. Im Süden wächst die Arbeitslosigkeit, im Norden die Abneigung, immer neue Rettungspakete schnüren zu müssen. Es ist absehbar: Bald wird es einen Krisengipfel ohne Sieg in letzter Minute geben, nicht einmal einen, der sich anfühlt wie eine Niederlage.
Erstellt: 21.02.2012, 12:04 Uhr
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32 Kommentare
Europa ist eine geniale Idee. Was jetzt aber abläuft, ist jenseits aller Vernunft. Es wird nicht Griechenland gerettet (Mia. auf Treuhandkonto zwecks Schuldentilgung) sondern die Interessen der Gläubiger. Vor Monaten las ich irgendwo: Wer überleben will, investiert real in Waffen, Munition, Lebensmittel und kleinen Goldbarren. Ich kaufte nun schon mal Spaghetti und Reis - beides lange haltbar. Antworten
"Ja, die Finanzminister haben die ultimative Katastrophe im letzten Moment verhindert"
Der Staatsbankrott Griechenlands ist definitiv NICHT die ultimative Katastrophe, sondern vermutlich die am wenigsten bittere Medizin aus dem Giftschrank der Volksökonomen. Dem Land das Geld nachzuwerfen bis alle "reichen" Staaten auch pleite sind, um dann den Bankrott zu verkünden, ist bestimmt nicht DIE Lösung
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

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