Wirtschaft
Das Athener Sparvotum beflügelt die Märkte
Aktualisiert am 13.02.2012 27 Kommentare
EZB kauft kaum Staatsanleihen
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat in der vergangenen Woche wieder weniger Staatsanleihen gekauft. Sie habe Papiere im Wert von 59 Millionen Euro am Markt erworben, teilte die EZB am Montag in Frankfurt mit. In der Woche zuvor waren es 124 Millionen Euro gewesen. Seit Anfang Mai 2010 hat die Euro-Notenbank damit Bonds von schuldengeplagten Euro-Staaten wie Italien, Spanien, Griechenland, Portugal und Irland im Gesamtwert von 219,5 Milliarden Euro aufgekauft. Analysten hatten erwartet, dass die Zentralbank wieder deutlich stärker am Staatsanleihenmarkt eingreift.
Die Käufe sind vor allem in Deutschland umstritten, da Kritiker die Grenze zwischen Geld- und Fiskalpolitik verwischt sehen. Sie fürchten zudem, dass die Zentralbank zu viele Risiken in ihre Bilanz nimmt. Die EZB begründet die Interventionen mit der Störung der Märkte, de facto drückt sie jedoch die Zinslast der Schuldenstaaten. (sda)
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Im Gegensatz zu den Demonstranten auf den Strassen Athens reagierten die Anleger an den europäischen Märkten am Montag mit Erleichterung auf das Ja des griechischen Parlaments zum umstrittenen Sparpaket. Der Deutsche Aktienindex DAX, der Londoner FTSE sowie der EuroStoxx50-Index mit den 50 grössten Unternehmen der Eurozone kletterten bis am späten Montagnachmittag um 0,6 bis 1,0 Prozent nach oben.
Der Schweizer Aktienmarkt mit seinem Leitindex SMI lag bei Handelsschluss nach kontinuierlich steigendem Verlauf 0,76 Prozent im Plus. In den USA reagierte die Wall Street ebenfalls erleichtert. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte legte in den ersten Minuten um 0,4 Prozent zu. Der breiter gefasste S&P-500 stieg um 0,5 Prozent.
Euro nach Berg-und-Tal-Fahrt im Plus
Der Euro legte in der Nacht auf Montag und am Montag selbst eine Berg- und Talfahrt hin. Gegenüber dem Schweizer Franken erreichte er zuerst ein Tageshoch von 1,2167, sackte dann auf 1,2006 ab und notierte am Nachmittag dann wieder bei 1,2090. Auch zu anderen wichtigen Währungen gab der Euro anfängliche Gewinne wieder ab.
Das Parlament in Athen hat in der vergangenen Nacht das von der Troika aus EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank verlangte harte Sparprogramm gebilligt. Damit haben die Griechen die Voraussetzung dafür erfüllt, dass die EU-Finanzminister am kommenden Mittwoch das zweite 130 Milliarden Euro umfassende Hilfspaket für Griechenland durchwinken können.
EU-Kommission erleichtert
Die EU-Kommission hat das grüne Licht des griechischen Parlaments zu einem zweiten Sparprogramm begrüsst. Das positive Votum zeige die Entschlossenheit des Landes, die Schuldenspirale zu stoppen, sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn am Montag in Brüssel.
Allerdings versäumte er es nicht zu betonen, dass noch nicht alle Bedingungen für die Freigabe des zweiten Hilfspakets von 130 Milliarden Euro erfüllt seien. Dazu zählt Rehn etwa weitere Einsparungen von 325 Millionen Euro sowie die schriftliche Zusicherung der grossen griechischen Parteien, das Sparprogramm auch wirklich umzusetzen.
Der griechische Regierungssprecher Pantelis Kapsis trug am Montagmorgen ebenfalls die Forderung an die führenden Politiker Griechenlands, wonach sie bis am Mittwoch ein schriftliches Bekenntnis zu den neuen Sparvorhaben liefern sollen.
An diesem Tag nämlich wollen die Finanzminister der Eurozone über das besagte zweite Hilfspaket für das pleitebedrohte Griechenland beraten. Regierungssprecher Kapsis sagte am Montag zudem, der geplante Anleihe-Tausch mit den privaten Gläubigern des hoch verschuldeten Landes solle noch im März abgeschlossen werden.
Neuwahlen weiterhin für April vorgesehen
Die griechische Regierung, die seit dem Abgang des vormaligen Regierungschefs Giorgos Papandreou von Anfang November 2011 als Übergangsregierung waltet, geht des Weiteren davon aus, dass die Neuwahlen wie geplant im April stattfinden können. Die Regierung werde bis Ende März ihre Arbeit getan haben, sagte dazu Regierungssprecher Kapsis.
Trotz dem Rücktritt mehrerer Minister in der vergangenen Woche und dem Ausscheren der rechtsgerichteten LAOS-Partei aus der Drei- Parteien-Koalitionsregierung des aktuellen Ministerpräsiden Lucas Papademos schloss Regierungssprecher Kapsis eine gross angelegte Kabinettsumbildung aus.
Ein solcher Schritt werde allenfalls geringen Umfangs sein, erklärt er. Athener Medien hatten in der vergangenen Woche über eine mögliche Umbildung spekuliert - bis hin zur Bildung einer Technokraten-Regierung ähnlich jener in Italien. (bru/sda)
Erstellt: 13.02.2012, 12:06 Uhr
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