Wirtschaft
Aufschrei in der Finanzbranche gegen die neue Boni-Regelung
Von Bruno Schletti. Aktualisiert am 13.10.2009 69 Kommentare
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Der Countdown läuft: Auf den 1. Januar 2010 will die Aufsichtsbehörde Finma der Schweizer Finanzbranche ein Regelwerk verpassen, das Ordnung in den Vergütungswildwuchs bringt. Ob es so weit kommt, ist aber ungewiss. Die Branche läuft Sturm gegen die Vorschläge der Finma.
Da die Finma zurzeit daran ist, die Vernehmlassungsantworten auszuwerten, will sie sich zur Sache nicht äussern. Gefragt, ob er trotz des Widerstands an seinem Zeitplan festhalte, sagt Finma-Direktor Patrick Raaflaub aber doch: «Ja, das Rundschreiben tritt per 1. Januar 2010 in Kraft.» Und er fügt bei: «Das, was wir in unserem Papier formulieren, sollte schon längst umgesetzte Praxis sein.»
Keine Revolution
Damit deutet Raaflaub an, dass sein Entwurf so revolutionär nicht ist. Die Finma verlangt, dass die Vergütungssysteme einfach, transparent und langfristig auszurichten sind. Ohne nachhaltigen Erfolg des Unternehmens soll es keine Boni geben. Ein Teil der variablen Vergütungen soll vorübergehend eingelagert und erst nach Ablauf einer Sperrfrist ausbezahlt werden. Bei einem negativen Geschäftsverlauf sollen bereits zugeteilte Vergütungen – im Sinne eines Malus – wieder rückgängig gemacht werden können.
Es sind nicht so sehr diese weitgehend unbestrittenen Anforderungen an zeitgemässe Bonussysteme, welche die Branche in Aufruhr versetzen. Es ist der Ärger darüber, dass das Fehlverhalten einer Grossbank jetzt die ganze Branche in ein Vergütungskorsett zwingt.
Vorerst: Zustimmung
Dennoch äussern die meisten Autoren sich in ihren Vernehmlassungsantworten zunächst zustimmend. Da liest man etwa: «Die Credit Suisse anerkennt einen gewissen Regelungsbedarf.» Oder: «Der Schweizer Verband unabhängiger Effektenhändler teilt die Ansicht der Finma, dass unangemessene Risiken und falsche Anreize die Substanz und Ertragskraft eines Finanzinstituts und damit dessen Stabilität gefährden können.» Beipflichtende Worte, denen teilweise seitenlange Argumentarien folgen, weshalb das Finma-Papier trotzdem «zu weit» geht, «zu undifferenziert» ist und «über das Ziel hinausschiesst». Selbst ein Banker kritisiert: «Viele Verbände sagen, sie seien einverstanden. Dann bringen sie 20 Seiten Argumente dagegen. Sie sollten so ehrlich sein, das auch so zu sagen.»
Die Ablehnung einer branchenweiten Vergütungspolitik ist fast total. Die Versicherer wollen nichts davon wissen: «Die Anwendung des Rundschreibens auf die Versicherungsindustrie wird vollumfänglich abgelehnt.» Die Effektenhändler erteilen dem Vorschlag eine Absage: «Der Verband beantragt, auf das Rundschreiben gänzlich zu verzichten.» Die Privatbanken lehnen den Finma-Entwurf ab, die Kantonalbanken tun es, kleine Regionalbanken ebenso.
Unwille gegenüber der UBS
Der Tenor ist: Neue Regeln sind ja schon recht, aber doch nicht für uns. Auf den Punkt bringt es die Stellungnahme der Basler Privatbank Baumann: «Unseres Erachtens würde es genügen, wenn nur die UBS diesen Normen unterstellt würde.» Unverständlich sei, dass die Aufsichtsbehörde ein «Einzelfeuer zu einem Flächenbrand erklärt». Viele in der Branche sind der Meinung, dass mit dem Finma-Vergütungsmodell die UBS (und allenfalls andere international tätige Geldinstitute) gemeint ist. Stattdessen decke man den ganzen Finanzsektor mit neuen Regeln ein. «Nicht die Kantonalbanken waren Auslöser der Krise», sagt Hanspeter Hess, Direktor des Kantonalbanken-Verbands. Dennoch müssten sich 23 von 24 Kantonalbanken den von der Finma vorgeschlagenen Regeln unterziehen. Baumann-Teilhaber Heinz Jeger sagt es so: «Die Schwierigkeit bei dieser Regulierung ist es, der ganzen Palette verschiedener Banken gerecht zu werden.»
Diesen Einwänden stehen Vergütungssysteme im Finanzsektor gegenüber, die – wie die Finma festhält – «alle mit Unzulänglichkeiten behaftet» sind. Systeme auch, die «mit falschen Anreizen zur Finanzkrise beigetragen haben». Entsprechend gross ist der politische Druck auf die Aufsichtsbehörde. Finma-Chef Raaflaub will deshalb – trotz harter Kritik – nicht einknicken: «Wenn wir der Schärfe der verschossenen Munition entsprechend reagieren würden, wären wir nicht gut beraten.» Klar seien Privatbanken oder Versicherer anders strukturiert als Grossbanken. An den Grundsätzen einer risikogerechten Vergütung komme man aber nicht vorbei. «Gerade Privatbanken sollten diese Erkenntnisse längst umgesetzt haben. Bei den Versicherern ist es ähnlich.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 13.10.2009, 06:32 Uhr
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69 Kommentare
Eigentlich bin ich auch gegen staatliche Eingriffe in die Privatwirtschaft. In Anbetracht dessen was geschehen ist (wir scheinen ziemlich schnell zu vergessen) und der vorliegenden Forderungen der Finma die ja nun wirklich nicht extrem sind (primär gehts ja nur um Transparenz) kann ich den Widerstand der Banken nicht verstehen. Das ist ein risikoreiches Spiel mit dem sozialen Frieden in CH. Antworten
Tatsache ist, dass geldgierige Banker das gesamte Wirtschaftssystem gefährden. Es kann doch nicht sein, dass weltweit Millionen von Arbeitsplätzen verloren gehen, weil eine Clique von Abzockern ihre Interessen durchsetzen kann. Obwohl ich überzeugter Vertreter der freien Marktwirtschaft bin wird mir die Idee, die Banken zu verstaatlichen, immer sympathischer. Antworten
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