Wirtschaft
Auftakt zu einem Börsenboom?
Eine Analyse von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 01.02.2012 37 Kommentare
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Es gibt nicht nur einen Bauern-, sondern auch einen Börsenkalender. «Sell in may and go away» – «verkaufe im Mai und hau ab» –, lautet eine der bekanntesten Regeln. Für den Januar gilt: «So wie der Januar war, wird das ganze Jahr.» Hinter dieser Börsenregel steckt mehr als nur Aberglaube. Es gibt sogar einen eigentlichen Januar-Barometer. Er untersucht die Entwicklung des US-Börsenindexes S&P seit den 1950er-Jahren und stellt fest: In 38 Jahren ist der Januar überdurchschnittlich gut ausgefallen, 34-mal war danach auch das ganze Jahr erfreulich.
Das sind hervorragende Aussichten, denn der erste Monat des Jahres 2012 war, rein börsentechnisch gesehen, ein Hit. Die Kurse stiegen stetig in kleinen Schritten nach oben, durchschnittlich haben sie mehr als zehn Prozent zugelegt. Gleichzeitig sind die extremen Kursschwankungen, die die Börsenentwicklung des letzten Jahres geprägt haben, bisher ausgeblieben. Ist das Schlimmste also überstanden?
Draghi hat einen «Lehman-Moment» verhindert
Es gibt gute Gründe, die dafür sprechen. Der wichtigste davon heisst Mario Draghi. Mit einem simplen Trick hat der neue Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) zumindest vorübergehend die grösste Sorge der internationalen Finanzgemeinde beseitigt: die chronische Eigenkapitalschwäche der europäischen Banken. Rund 500 Milliarden Euro hat ihnen der smarte Italiener zu einem Schnäppchenpreis, einem Zins von einem Prozent, verschafft. Die Geldhäuser haben zugegriffen, wie wenn es kein morgen gäbe, und werden bald noch einen Nachschlag erhalten. Ende Februar gibt es eine zweite Runde des billigen EZB-Geldes. Experten rechnen damit, dass die Banken diesmal gegen eine Billion Euro abheben wollen. Mit dieser grosszügigen Geste hat Draghi verhindert, dass es in Europa zu einem «Lehman-Moment» kommen wird, zu einer Kapitalklemme unter den Banken, die einen Finanzkollaps auslösen könnte.
Der zweite Grund sind die besseren Daten aus den USA. Die Konsumentenausgaben steigen und die Arbeitslosenzahlen sinken, auf der anderen Seite des Atlantiks macht sich wieder einmal vorsichtiger Optimismus breit. Bereits wird mit einem Wachstum der Wirtschaft von rund drei Prozent im ersten Quartal gerechnet. Zudem schwimmen die US-Unternehmen im Geld. Sie haben von den tiefen Zinsen und den gedrückten Löhnen profitiert und wissen im wahrsten Sinn des Wortes nicht, was sie mit ihren Gewinnen machen sollen.
Iran bleibt eine Gefahr
Die Angst, dass in China die «Mutter aller Immobilienblasen» platzen wird, ist ebenfalls geschwunden. Heute wird allgemein mit einer «weichen Landung» der chinesischen Wirtschaft gerechnet. Das sind auch gute Nachrichten für die Weltwirtschaft, denn die Schwellenländer haben sich zu eigentlichen Konjunkturlokomotiven entwickelt.
Was könnte das Börsenjahr noch verhageln? Eine Ausweitung der Krise im Iran beispielsweise. Käme es zu einer Blockierung der Strasse von Hormuz oder gar zu einem Krieg, dann würde der Ölpreis ex- und die Weltwirtschaft implodieren. Auch im übrigen arabischen Raum ist die Lage alles andere als stabil.
Doch es braucht weder Krieg noch Katastrophen, um die Börsen wieder auf Talfahrt zu bringen. Draghi hat zwar das Eigenkapitalproblem der europäischen Banken gelöst, aber keineswegs die nach wie vor grossen Probleme von Euroland. Das grosse Ungleichgewicht in Sachen Wettbewerbsfähigkeit unter den Mitgliedsländern bleibt erhalten, und wer heute noch daran glaubt, dass Deutschland etwas dagegen unternehmen wird, der glaubt auch noch an den Storch. Draghis Billiggeld-Therapie wirkt deshalb vorläufig vorübergehend, die Eurokrise kann jederzeit wieder aufbrechen.
Generationenwechsel in China verunsichert
Auch der Aufschwung in den USA ist alles andere als nachhaltig. Auf dem Immobilienmarkt ist die Talsohle offenbar immer noch nicht erreicht. Wenn die amerikanischen Immobilienpreise nicht steigen, dann gibt es auch keinen dauerhaften Aufschwung. China schliesslich steht vor einem Jahr des Generationenwechsels mit ungewissem Ausgang.
Freuen Sie sich über den gelungenen Auftakt ins Börsenjahr, aber werden Sie nicht übermütig.
Erstellt: 01.02.2012, 14:35 Uhr
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37 Kommentare
Ach wie schön... und die ganzen Schulden sind schon wieder vergessen. Es kann nun wieder weitergehen wie gewohnt. Luxus auf Kosten von Schulden generieren. Das Sozialamt für die gesamte Welt spielen. Oder wie darf ich diesen Artikel interpretieren? Nein - so darf es einfach nicht mehr weitergehen! Es braucht jetzt dringend eine Korrektur! Unseren zukünftigen Generationen zu liebe. Antworten
Tatsache ist, dass es keine Shareholders sondern nur noch Sharegamblers oder -Traders gibt. Davon leben die Boersenhaendler. Nicht vom Halten von Aktien. Jede rationale Beurteilung ist out. Es geht nur noch um Games, Day-Trading, Spekulation, und kassieren von Courtagen. Analysten, die ja auch keine Ahnung haben, sondern nur ein Paar Formeln anwenden, werden weiter mit Bullshit umsich schlagen. Antworten
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