Banken im Gesundheitstest: Ist das Schlimmste schon vorüber?

Von Philipp Löpfe. Aktualisiert am 07.05.2009

Die amerikanische Regierung prüft Banken auf Herz und Nieren. Am Donnerstag werden die Resultate des Tests veröffentlicht. Die ersten Anzeichen sind positiv. Der Wendepunkt der Krise?

Angst um Jobs: Demonstration an Wallstreet.

Angst um Jobs: Demonstration an Wallstreet.
Bild: Reuters

Amerikanische Regierung und Notenbank sind bei den notleidenden Banken vorgegangen wie Chirurgen bei einem Notfallpatienten: Zuerst haben sie lebensrettende Sofortmassnahmen ergriffen. Sie haben sehr viel Geld ins System gepumpt. Dann haben sie entfernt, was nicht mehr zu retten war. Sie haben die maroden Investmentbanken fusioniert und in normale Geschäftsbanken umgewandelt. Jetzt ist der Patient so stabil geworden, dass nächste Schritte ins Auge gefasst werden können.

Zuerst jedoch braucht er einen gründlichen Gesundheits-Check. Deshalb sind die 19 wichtigsten Banken einem so genannten Stresstest unterzogen worden. Er soll darüber Aufschluss geben, ob diese Banken eine harten Rezession überstehen können, und wenn nicht, wie viel Kapital nochmals eingeschossen werden muss. Dass nochmals eine systemrelevante Bank fallen gelassen wird, gilt seit dem Lehman-Debakel als ausgeschlossen.

«Verluste sind verkraftbar»

Seit Tagen werden die Resultate des Bankenstress-Tests mit grosser Spannung erwartet. Am kommenden Donnerstag sollen sie nun nach Börsenschluss veröffentlicht werden. Bereits jetzt aber wird heftig darüber spekuliert. Die ersten Indizien geben Anlass zu Hoffnung. So zitiert die «New York Times» ein ranghohes Mitglied der Regierung wie folgt: «Keine dieser Banken ist insolvent. Die Verluste sind verkraftbar.»

Sollte dies zutreffen, dann haben Regierung und Notenbank einen wichtigen Etappensieg im Kampf gegen die Krise errungen. Sie haben sehr viel riskiert und dabei empfindliche Rückschläge einstecken müssen. So wurde der erste Sanierungsplan von Finanzminister Timothy Geithner sehr ungnädig aufgenommen. Die Aktienkurse, vor allem die der Finanzinstitute kollabierten geradezu.

Erfolg im zweiten Anlauf

Der zweite Versuch Geithners hatte wesentlich mehr Erfolg. Er sieht vor, dass ein gemischter, öffentlich-privater Fonds den Banken den «Giftmüll» abkaufen und so die Blockade des Finanzsystems beenden soll. Deshalb kommen den Resultaten des Stresstests so grosse Bedeutung zu: Wenn es gelingt, die Investoren zu überzeugen, dass die Banken auf dem Weg zur Besserung sind, dann sind sie auch bereit, wieder zu investieren. Die natürliche Gesundung könnte fortschreiten, sprich: Das Bankensystem kann sich rekapitalisieren.

Nach Bekanntgabe der Resultate haben die Banken 30 Tage Zeit, um der Regierung einen Plan vorzulegen, wie sie weitermachen wollen. Dieser Plan muss innerhalb von sechs Monaten umgesetzt werden. Der Plan wird wesentlich vom Gesundheitszustand der einzelnen Banken abhängen. Dieser Zustand ist sehr unterschiedlich: Goldman Sachs und J. P. Morgan Chase scheinen erstaunlich rasch wieder Tritt gefasst zu haben und möchten so schnell wie möglich ihre Darlehen zurückzahlen, um wieder aus der lästigen Obhut der Regierung entlassen zu werden. Citigroup, Bank of America und einige Regionalbanken gelten nach wie vor als angeschlagen. Von Citigroup – vor der Krise noch die grösste Bank der Welt – wird im «Wallstreet Journal» gemunkelt, sie brauche nochmals zehn Milliarden Dollar neues Kapital.

Noch nicht das Ende der Krise

Wenn das optimistische Szenario eintreffen sollte, dann ist dies ohne Zweifel ein bedeutender Sieg, aber noch lange nicht das Ende der Krise. Ein funktionierendes Finanzsystem ist die Voraussetzung für eine Erholung, aber nicht die Erholung selbst. Und gemäss den Berechnungen des Internationalen Währungsfonds hat die Krise allein bei den Banken bisher mehr als 4000 Milliarden Dollar vernichtet. Von diesem Schlag wird sich das System nicht über Nacht erholen.

Aber sollten die Resultate des Stresstests der Banken tatsächlich so positiv sein, wie jetzt spekuliert wird, dann könnte eine positive Aufwärtsspirale in Gang kommen: Das Vertrauen in die Politik der amerikanischen Regierung steigt, Banken erhalten neues Kapital und die Wirtschaft kommt so langsam wieder auf die Füsse. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.05.2009, 13:25 Uhr

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