Wirtschaft

Bernanke: Wirtschaftserholung noch 2009

Aktualisiert am 06.05.2009 7 Kommentare

US-Notenbankchef Ben Bernanke erwartet noch im Laufe dieses Jahres ein Ende der konjunkturellen Talfahrt in den USA. Er rechne aber nur mit einer langsamen Erholung und die Arbeitslosigkeit werde hoch bleiben.

«Die Nachfrage stabilisiert sich»: US-Notenbankchef Ben Bernanke.

«Die Nachfrage stabilisiert sich»: US-Notenbankchef Ben Bernanke.
Bild: Keystone

«Wir erwarten, dass die Wirtschaftsaktivität ihren Tiefpunkt überschreitet und dann im späteren Jahresverlauf zulegt», sagte Bernanke vor dem gemeinsamen Wirtschaftsausschuss der beiden Kammern des US-Kongresses. Darüber hinaus gebe es «vorläufige Anzeichen» einer Stabilisierung der Nachfrage, vor allem der Haushalte.

Wesentliche Voraussetzung für den Aufschwung sei die Stabilisierung des Finanzsektors. Ein «Rückfall» des Finanzsektors «könnte schwer auf der Konjunktur lasten und die langsam einsetzende Erholung abwürgen». Bernanke äusserte die Erwartung, dass viele US-Banken ihren zusätzlichen Kapitalbedarf ohne weitere staatliche Hilfe stillen können.

Arbeitslosigkeit bleibt hoch

Der Aufschwung werde nur sehr langsam in Gang kommen und das Wirtschaftswachstum noch eine ganze Weile unter seinem Potenzial bleiben. Dies werde sich insbesondere auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar machen, an dem in den kommenden Monaten die Zahl der Arbeitslosen weiter steigen und nicht sinken dürfte.

«Die Unternehmen werden wahrscheinlich vorsichtig bleiben bei Neueinstellungen, mit der Folge, dass die Arbeitslosenquote für einige Zeit hoch bleiben wird, auch nachdem sich die Wirtschaft zu erholen begonnen hat.»

Es ist das zweite Mal innerhalb weniger Tage, dass Bernanke einen Hoffnungsschimmer für die von der schwersten Rezession seit Jahrzehnten gebeutelten US-Wirtschaft sieht. Bereits in der vergangenen Woche hatte das Fed anlässlich des regulären Zinsbeschlusses etwas Optimismus verbreitet.

Auch SNB-Vizepräsident optimistisch

Die Weltwirtschaftskrise nähert sich laut dem designierten Nationalbankpräsidenten Philipp Hildebrand dem Wendepunkt. Ob es dann schnell wieder aufwärts gehen werde, sei fraglich. Zentrales Thema in der Nachbearbeitung der Krise wird laut Hildebrand die Frage einer Obergrenze für die Grösse von Banken sein.

Die Daten wiesen weiterhin auf einen Rückgang der Wirtschaftsaktivität hin, deuteten allerdings auf einen abgeschwächten Rückgang hin, sagte Hildebrand in einem am Dienstag von der deutschen Wirtschaftszeitung «Handelsblatt» veröffentlichten Interview. «Zeigt das an, dass wir uns dem Wendepunkt nähern? Im Prinzip würde ich sagen, ja», fügte er hinzu. Ob es nach dem Wendepunkt gleich wieder aufwärts gehe, sei die grosse Frage. Es sei gut denkbar, dass sich die Lage nicht weiter verschlechtere, dass es aber noch längere Zeit Nachwirkungen gebe, ehe die Wirtschaft wieder anziehe.

Weitere Schocks absorbieren

Auf die Lage der UBS angesprochen sagte Hildebrand: «Wir haben den Eindruck, dass das neue Management-Team den Ernst der Lage erkannt hat und die notwendigen Massnahmen resolut ergreift.» Dazu gehörten die Kostenreduktion, der aggressive Abbau von Risikopositionen sowie alle möglichen Schritte zu einer weiteren Stärkung der Kapitalbasis. Alles müsse dazu dienen, mögliche weitere Schocks absorbieren zu können.

Die Frage einer Obergrenze für die Grösse von Banken wird laut dem Vizepräsidenten der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zum zentralen Thema in der Nachbearbeitung der Krise. Diese Debatte müsse ohne Tabus geführt werden - nicht nur, aber ganz besonders in der Schweiz.

Es könne nicht sein, dass der Staat automatisch zur Stelle sein müsse, wenn sich eine Bank in eine Notlage manövriere. Erforderlich sei zum Beispiel international ein Verfahren, mit dem Banken oder Teilbereiche liquidiert werden könnten. «Die Krise hat gezeigt, dass wir das nicht konnten», sagte Hildebrand. (bru/sda)

Erstellt: 06.05.2009, 14:42 Uhr

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7 Kommentare

Renato Tosoni

05.05.2009, 19:28 Uhr
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Wirtschaftliche Erholung? Sicher, den die Banken kriegen in den USA nochmals 150 Mia$. Es versteht sich von selbst, dass die Arbeitslosigkeit noch steigen wird. Auch der IWF schüttet weiterhin Mia. von Euro aus. Deswegen besteht kein Zweifel, dass es geht aufwärts! Falls doch nicht ? Wer will denn in der freien Marktwirtschaft den Staaten verbieten und das nötige Kleingeld zudrucken? Keine Tabus! Antworten


Adrian Gassmann

05.05.2009, 20:12 Uhr
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Und all die (Klein-) Sparer, die nicht über ihre Verhältnisse gelebt haben und jetzt praktisch keine Zinsen mehr bekommen und ausserdem schon bald unter einer grossen Inflation leiden könnten? Denken die Gelddrucker und Bankenbegünstiger eigentlich auch mal an die? Ob es also so klug ist, in dieser Krise dermassen einseitig ausgerechnet den Verursachern unter die Arme zu greifen? Antworten



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