Berufspessimist Marc Faber rechnet mit einem Crash

Aktualisiert am 07.05.2010

Der Kurssturz an Wallstreet machte innert kürzester Zeit Grosskonzerne wertlos. Für die einen ist ein Fehler dafür schuld. Für Börsenguru Marc Faber aber war dies bloss ein Vorgeschmack auf das, was kommt.

«Das wird mit dem gesamten globalen Finanzsystem passieren»: «Dr. Dooom» Marc Faber.

«Das wird mit dem gesamten globalen Finanzsystem passieren»: «Dr. Dooom» Marc Faber.
Bild: Keystone

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Die New Yorker Börse t wurde gestern von einer dramatischen Schockwelle erschüttert. Innert Minuten sackte der Dow-Jones-Index um fast 1000 Punkte ab, danach erholte er sich wieder, um mit einem Minus von 3,5 Prozent zu schliessen. Die Börsenwerte einiger Unternehmen tendierten zwischenzeitlich gegen null, und das, ohne dass ein Zusammenhang mit der realen wirtschaftlichen Entwicklung der Konzerne auszumachen war. Hat tatsächlich bloss ein läppischer Tippfehler den Kurssturz ausgelöst? Sind es tatsächlich die «Hochgeschwindigkeitscomputer», die mit falschen Geschäften das Marktchaos erzeugten? Oder ist es die Furcht vor einem Flächenbrand in Europas Schuldenstaaten, der nun voll aufs Börsenparkett durchschlägt?

«Korrektur von 20 bis 30 Prozent»

Börsenguru Marc Faber glaubt nicht an die Theorie eines Computerfehlers, genauso wenig wie er die Eskalation in Griechenland als Auslöser für den Absturz sieht. «Der Grund für die Panikverkäufe ist, dass die Markterholung nach dem Tiefststand im März 2009 viel zu rasch vonstatten ging. Einige Wachstumsmärkte haben seither um 100 Prozent zugelegt. Deshalb gehe ich davon aus, dass wir bis Ende Jahr eine Korrektur um 20 bis 30 Prozent sehen werden», sagte Faber in einem Interview auf Bloomberg-TV.

Die Märkte seien ohnehin stark «überkauft» gewesen und fällig für eine Korrektur, so der Verfasser des vielbeachteten «Gloom, Boom & Doom»-Report. Als die Kurse einbrachen, hätten die Computerprogramme ihre Positionen wechseln müssen von «long» auf «short», was dann den Crash auslöste. Von einem Versehen oder einem Versagen der Computer geht Faber dabei nicht aus. Er rechnet damit, dass die Europäische Zentralbank die Märkte nun massiv mit Liquidität versorgen wird. «Es gibt keine einfachen Alternativen dazu. Und in Demokratien haben sich stets die einfachen Optionen gegenüber den richtigen durchgesetzt.»

Der Schweizer Börsenspezialist rät Investoren, nach dem gestrigen Wall-Street-Crash ihre Aktienbestände zu reduzieren. Für ihn steht ausser Zweifel, dass die Talfahrt in den kommenden Tagen weitergehen wird. Die Frage sei nur, in welchem Masse. Die asiatischen Märkte seien allerdings nicht so stark «überbewertet» wie die amerikanischen. Der Hang-Seng-Index und der Shanghai-Index standen vor dem gestrigen Crash unter dem Höhepunkt vom letzten November – im Gegensatz zum S&P-Index in den USA. Deshalb werde der Rückgang in Asien wohl nicht dermassen brutal sein.

«Staaten werden Druckerpresse anwerfen»

Faber machte nach den gestrigen Vorgängen seinem Namen als «Dr. Doom» wieder einmal alle Ehre: Dass einzelne Unternehmen gestern für kurze Zeit ohne ersichtlichen Grund ihren ganzen Wert verloren hätten, hält er nicht für ein singuläres Ereignis: «Das wird mit dem gesamten globalen Finanzsystem passieren», so Faber. Früher oder später würden ohnehin alle Regierungen bankrott gehen. «Sie können ihre Schulden nur begleichen, wenn sie Geld drucken. Und das werden sie tun.» Deshalb auch sei der Goldkurs gestern so stark angestiegen, während alle anderen Kurse abstürzten. Weiter kam Faber mit seiner Untergangsprophezeiung nicht, weil ihn die Bloomberg-Moderatorin unterbrach. (dvp)

Erstellt: 07.05.2010, 11:55 Uhr

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