Wirtschaft
Mogelkäse: Diese zwei Produkte hat der Bund bewilligt
Von Angela Barandun. Aktualisiert am 09.07.2009 37 Kommentare
Käse soll genau deklariert werden. (Bild: Thomas Burla)
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In Deutschland wird es unter dem Namen «Pizza-Mix» oder «Gratin-Mischung» verkauft: Eine weiss-gelbe, leicht klebrige Masse, die auf den ersten Blick aussieht wie Käse. Tatsächlich hat das Produkt aber noch weniger mit Käse zu tun, als Schinken mit Schinkenersatz. Im sogenannten Analog-Käse finden sich kaum mehr Bestandteile natürlichen Käses. Der billige Käseersatz wird vielmehr im Labor aus Pflanzenfett und Milcheiweiss zusammengebraut. Der Geschmack, für den beim Käse die Gärung zuständig ist, stammt hier aus dem Reagenzglas.
In der Schweiz muss der Schummelkäse vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) bewilligt werden, weil sein Einsatz im Lebensmittelgesetz nicht geregelt ist. Das war bislang bei zwei Produkten der Fall: Das eine ist für Allergiker gedacht und nennt sich «Cheddar- oder Mozzarella-Imitation; phenylalaninarmer Käse-Ersatz aus Stärke und Sojaöl» – was nicht gerade appetitlich tönt.
Beliebt in Pizzerias
Das zweite Produkt ist ein Gemisch, das in Restaurants zum Einsatz kommt. Hier bewilligte das BAG die Bezeichnung «Pizzabella – Spezialfrischkäse mit pflanzlichen Fetten».
Das erstaunt Martin Brunner vom Kantonalen Labor Zürich. «Das Produkt hat eigentlich nichts mit Käse zu tun – wenn es nach uns ginge, dürfte es darum auch nicht so heissen.» Er findet es schwierig, dass der Bund eine solche Bezeichnung erlaubt, weil diese es für den Konsumenten schwierig macht, das Imitat vom echten Käse zu unterscheiden.
Auch Sara Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz ärgert sich über den Namen: «Falls ich die Bezeichnung «Spezialfrischkäse mit pflanzlichen Fetten» auf einer Pizzakarte sehen würde, hätte ich vor kurzem noch kaum gestutzt dabei.» Die Stiftung für Konsumentenschutz fordert daher in der laufenden Revision des Lebensmittelgesetzes eine Verschärfung der Deklarationspflicht – um der Täuschung der Konsumenten vorzubeugen.
Bund krebst zurück
Mittlerweile krebst auch das BAG zurück. Auf Nachfrage des «Tages-Anzeigers» sagt Sprecherin Sabina Helfer: «Aufgrund der aktuellen Diskussionen um Analogkäse und die Entwicklung auf internationalem Terrain wird das BAG die Sachbezeichnung bei zukünftigen Gesuchen noch einmal überdenken und gegenüber herkömmlichem Käse strenger abgrenzen.»
Im Klartext bedeutet das, dass der Pizzabella wohl das einzige Schummelprodukt bleiben dürfte, das den Begriff Käse ungestraft benutzen darf.
Laut den Lebensmittelinspektoren in Winterthur und Zürich, die einen Grossteil der Gastrobetriebe ihres Kantons kontrollieren, wird der Schummelkäse bislang kaum eingesetzt. Damit sich das nicht ändert, ruft Martin Brunner vom Kantonalen Labor Zürich dazu auf, die Einhaltung der Deklarationspflicht konsequent zu kontrollieren: «Erst dann wird der Schummelkäse wieder aussterben.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 09.07.2009, 10:14 Uhr
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37 Kommentare
Wir sitzen auf einem Käseberg und schwimmen in einem Milchsee, aber trotzdem wird künstlicher! Käse verarbeitet und zugelassen. Bitte sofort nicht mehr zulassen, d.h. verbieten! Es gibt ja Bereiche und Situationen, die wir einfach so hinnehmen müssen. Diese Situation verlangt nach einer Ausnahmeregelung, wenn die im Ausland gerne solche Pizzen essen bitte schön, aber bei uns bitte nicht! Antworten
Wir sitzen auf einem Käseberg und schwimmen in einem Milchsee, aber trotzdem wird künstlicher! Käse verarbeitet und zugelassen. Bitte sofort nicht mehr zulassen, d.h. verbieten! Es gibt ja Bereiche und Situationen, die wir einfach so hinnehmen müssen. Diese Situation verlangt nach einer Ausnahmeregelung, wenn die im Ausland gerne solche Pizzen essen bitte schön, aber bei uns bitte nicht! Antworten
Man fragt sich, wie blöd die Menschheit noch werden muss, bis sie merkt, dass sie dem mammon dient und damit jegliche Ethik, Achtung, Vertrauen, und Ehrlichkeit verliert. Wir sind bereits über die Grneze geschritten, nicht nur beim Thinner Akten Skandal, sondern auch bei so einem Käse Antworten
Ich finde es schade, dass solche Mogelprodukte überhaupt in den Handel kommen,oder auf den Ladentisch. Unsere Landwirtschaft (Milchwirtschaft) bemühen sich natur und Biokäse zu fabrizieren und im hintergrund wird um Geld zu verdienen solche Produkte hersgestellt. Wo sind da unsere Politiker. Antworten
... wie mit dem fleisch: warum beschweren sich alle, da sie ja die ganze fast food kette unterstützen? getreu dem motto: ich gehe ja nur ab und zu hin oder kaufe nur ab und zu ein fertigmenu... solange alle so denken, rentiert auch dieser industriezweig... wacht auf und nehmt eure verantwortung selbst wahr: nahrungsmittel sind eben nicht gratis... und geiz ist einfach bescheuert! Antworten
Ich habe meine Illusionen betreffend industriell hergestelltem Käse an dem Tag verloren als eine junge Dame, welche in einer Käsefabrik (Schmelzkäse u.ä.) arbeitete erklärte, sie hätten gerade einen Produktionsstopp, weil sie wegen einere Tierkrankheit zur Zeit kein Schweinefett aus Italien importieren könnten. Das war vor etwa 25 Jahren. Antworten
Na super! Und dann wird vom Bund das Rauverbot verschärft. Ich fordere Konsequenz in allen Bereichen. Was für amerikanische Verhältnisse kommen da auf uns zu? Damit ich weiss was da auf meinem Teller liegt, muss ich wohl bald nur noch Biorestaurants aufsuchen. Antworten
Wenn man sieht wie das Bundesamt für Gesundheit handelt, dann kann man meinen, dass die Schweiz ein einziger riesen grosser Hersteller von Fastfood ist. Ich bin ganz und gar nicht für den Schutz der Bauernzunft, aber die der Konsumenten! Käse soll Käse bleiben! Antworten
@Karl Schrader...Dass das 1.4 Kilo Huhn aus der Batterie kommt ist aber egal....Und wer hat von Coop und Migros geredet? Der Käse dort ist ok, wir reden hier von Analogkäse welcher als Zusatzprodukt in Speisen kommt, nicht von Gruyere etc. Denken sie also nach wenn Sie nächstes mal ne Pizza essen, auch in Deutschland. Ok, der Preis machts dann, geiz ist halt doch geil :-) Antworten
Das war abzusehen, dass Lebensmittel von Betriebe mit niedrigem Gewissen und hohem Renditedenken Produkte, die billig und in grossen Mengen in der Chemie gefertigt werden, verbrauchen. Der Konsument hat's aber in der Hand: keine Fertigprodukte, die nach Fleisch oder Käse aussehen aus der Kühltruhe kaufen. In der Pizeria erklären lassen, welche Käse- und Fleischprodukte verwendet werden. Basta!! Antworten
das aus kadaver-verwertung gewonnene eiweiss, darf in der schweiz zur lebensmittelproduktion weiter-verwendet werden, also beispielsweise für mohrenkopf-füllungen etc....! (vielleicht essen sie dann bestandteile ihres verstorbenen goldhamsters, oder ähnliches...?). Antworten
BRAVO Tagi. Kein Sommerloch Bloedthema, eins mit Biss. Nur mit Pranger und Infos hat der Konsument eine Chance hinter den beschiss zu kommen. Schlimm, der Buerger denkt die Amtsstelle sorgt fuer saubere Ordnung und das Gegenteil scheint der Fall. @Adriano Granello, "Leberkaese" googeln und dann wissen Sie, dass es ein Fachbegriff und ein Fleischprodukt. Antworten
Peter Mory, da muss ich ihnen zustimmen. Ein Land, das sich als DAS Käseland der Welt ausgibt sollte doch eigentlich alle politischen Hebel in Bewegung setzen, damit derartige Sauereien schlicht verboten werden. Aber wo Gewinn maximiert werden kann und die entsprechenden Lobbys nur laut genug schreien..... Antworten
Abwertende Begriffe wie "Käseimitat", "Ersatzkäse" oder gar "Schummelkäse" zeigen, wie voreingenommen die Verbraucher verständlicherweise sind. Dabei hat der Mensch doch seit Urzeiten seine Lebensm. durch komplizierte technische Prozesse bearbeitet und verändert (Brot, Bier, Wein, Käse, Sauerkraut usw.). Beim Analogkäse ist es nicht viel anders: Gewöhnungsbedürftig, aber sicher nicht schädlich. Antworten
Richtig hergestellter Käse und weitere Milchprodukte haben halt einen Preis, der in seinem Ausmass auch recht ist. Wenn halt billiges Zeug, gleich welcher Herstellungsart auf den Tisch muss, muss sich Keiner wundern, dass er solche Ware bekommt. Die ganze Preispolitik führt unweigerlich zu solchen Ergebnissen. Der Preis vom Milchproduzenten bis zum Verkauf muss überprüft werden. Antworten
Es ist schrecklich, was einem da bei Coop, Migros... und in Restaurants für oft teures Geld verkauft wird. Besonders Coop mit seinen Betti Bossi Produkten soll sich schämen. Für eine solche Fertigpizza kann ich in Deutschland ein ganzes frisches 1,4kg Poulet kaufen. Ich meide in Zukunft Convenience-Food. Und den Käse kaufe ich in den Bergen. Antworten
Zu viel Milch und dann Kunstkäse? Das passt zur Finanzkrise! Alles läuft aus dem Ruder, weil der Gewinn alles bedeutet. Aus Abfall der Lebensmittel und sonst Industrie werden neue Produkte kreiert, derweil gute Milch zu Pulver für China verarbeitet wird und womöglich noch mit Subventionen. Das BAG macht seinem in letzter Zeit zweifelhaften Ruf alle Ehre mit der luschen Deklaration! Schweiz wachauf Antworten
Ich staune wie emotional die Diskussion über "Analog-Käse" geführt wird. Entscheidend ist doch wie die Sache schmeckt und ich zweifle, dass "phenylalaninarmer Käse-Ersatz aus Stärke und Sojaöl" einem guten Parmesan oder Brie das Wasser reichen kann. Selbstverständlich gehe ich davon aus, dass die künstl. Produkte gesundheitlich unbedenklich sind, doch dafür gibt es ja Lebensmittelkontrollen. Antworten
Nichts kaufen und nichts essen was aus der Lebensmittelindustrie kommt! Nur damit gelingt es, diese Fälscher auszutricksen. Daneben sind natürlich Politiker zu wählen, die nicht Diener dieser Betrüger sind. das BAG gehört ausgemistet. Was die alles in in jedem Produkt zulassen ist ja haarsträubend. 100% echt ist gefragt, alles andere Betrug. Wohin gehören eigentlich Betrüger? Die grossen lässt man Antworten
@Philippe Elsener: "Handelt so eine Regierung zum Wohle ihres Volkes?" Irrtum! Nicht die Exekutive ist Schuld, sondern die Legislative, das heisst wir, das Volk. Volk und Parlament bestimmen die Gesetze. Bzw. bestimmten, nach der Zustimmung zum Cassis-de-Dijon Prinzip werden in einem beliebigen EU-Land produzierte Waren auch automatisch in der Schweiz zugelassen sein. En Guete! Antworten
Wenn ein Bundesamt für Gesundheit solche Lügen zulässt, dann ist dies sehr bedenklich. Irgend etwas kann nicht mit rechten Dingen zugehen. Das BAG verspielt sich mit solchen Verarschungen das letzte bisschen Kredit. Wenn solche Laborprodukte zum Schutz der Bevölkerung nicht richtig deklariert werden müssen kann das BAG den Laden dicht machen und verliert seine Existenzberechtigung. Antworten
Gut wird auf diese diese Fälschungen und Täuschungen aufmerksam gemacht. Die Deklarationspflicht muss verschärft werden, um Täuschungen dieser Art zu verhindern. Hersteller von Fertigprodukten müssen sich bei diesen Taschenspielertricks auf Kosten der Konsumenten nicht wundern, wenn ihre Produkte nicht mehr gekauft werden. Antworten
Haben wir nicht genügend Milch? Solange wir zuviel Milch haben, ist es total unsinnig künstlichen Käse herzustellen. Unserer Volkswirtschaft würde es gut tun wenn wir den Käse selber, konventionell herstellen. Durch die leicht erhöhte Nachfrage könnte man den Bauern einen anständigen Preis für die Milch bezahlen. Antworten
Jetzt haben wir so viel Milch und Käse in der Schweiz und müssen uns mit analogem Käse abgeben! Das ist schlicht eine Frechheit, das Volk mit solchen Produkten zu füttern. Natürlich, muss man es NICHT kaufen, aber solche Produkte sollten erst gar nicht auf den Markt kommen können. Einerseits Bio-Produkte und anderseits solchen Labor-Käse!! Es ist bedenklich was sich das BAG erlaubt! Antworten
Wenn ich als Konsument diesen Labordreck essen soll, dann muss ich aber auch darüber entscheiden ob ich das will. Das kann ich aber nur tun, wenn ich auch ganz klar erkennen kann, ob das Produkt natürlich oder aus dem Labor stammt. Also ist es die Aufgabe des BAG eine klare Abgrenzung zu definieren. Oder ist das BAG von der Industrie bezahlt? Antworten
Das BAG ist -unter vielen, auch so eine Institution die auf Kosten und zu Ungunsten der Steuerzahler existiert. Unter Druck und entsprechendem Lobbying ist vorstellbar, dass das BAG noch ganz andere Dinge -zum Beispiel auf Pizzas- zulassen würden/werden. Der gesunde Menschenverstand ist weitherum verloren gegangen. Antworten



Pierre Pätzold
Hallo zusammen. Bezüglich Käseberg und Milchseen: Genau dies ist für manche Menschen GENAU DER GRUND, warum diese rein pflanzlichen Käse gern offen deklariert im öffentlichen Angebot haben möchten. Auch Massenmarkt-tauglich - schon richtig. Jedoch würde man der Massentierhaltung Einhalt gebieten und könnte Ressourcen schonen und "richtigen" Käse wieder zu einem besonderen Produkt machen. LG! Antworten